Fußball-Trainer Frank Wormuth (Foto: Imago, VI Images)

Fußball | Nationalmannschaft Frank Wormuth über die Kritik an Bundestrainer Löw

Frank Wormuth ist der einzige deutsche Trainer in der ersten niederländischen Liga. Mit SWR Sport spricht er vor der Partie gegen Holland über die Kritik an Joachim Löw und die Unterschiede beider Länder.

Der deutsche Fußball scheint in der Krise. Bundestrainer Joachim Löw steht in der Kritik. Frank Wormuth kennt Löw bestens, er hat Anfang der 1980er beim SC Freiburg mit ihm zusammen gespielt und war zu Löws Zeit bei Fenerbahce Istanbul dessen Co-Trainer. Die beiden verbindet mehr als ein kollegiales Miteinander, auch wenn für die Pflege der Freundschaft aktuell die Zeit fehlt: "Wir haben uns immer als Freunde bezeichnet, wobei die Freundschaft in den letzten Monaten etwas ruhiger geworden ist", sagt Wormuth im SWR Interview. "Jeder ist in seinem Tunnel drin, ich in den Niederlanden, er in Deutschland. Unsere Wege haben sich in den letzten Monaten nicht so oft getroffen, aber wir schreiben uns WhatsApp mit einem kurzen "Wie geht’s", das läuft immer noch".

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Wenig Verständnis für die Kritik an Joachim Löw

Die fast schon ständige Kritik an der Arbeit von Joachim Löw kann Frank Wormuth nur in Teilen nachvollziehen. "Wir Trainer werden an Erfolgen gemessen und wenn, wie in Russland, der Erfolg nicht da ist, dann muss man sich die Kritik auch gefallen lassen". Wormuth zeigt dafür Verständnis, solange die Kritik im Rahmen bleibt und nicht unter die Gürtellinie geht. "Medien, Zuschauer und Fans haben manchmal gar nicht das Wissen, um Entscheidungen reflektieren zu können", kritisiert er. In Deutschland würde das Glas immer halbleer gesehen. "Dazu neigen wir in Deutschland: immer zuerst zu kritisieren und nicht auch mal was Positives zu sagen". Bei seinem aktuellen Arbeitgeber Heracles Almelo in den Niederlanden ist das anders. Auch nach acht Niederlagen in zehn Spielen wurde Wormuth nicht in Frage gestellt, sondern eher aufgemuntert. Die niederländischen Fans wollen lieber Spektakel sehen, weshalb in den Spielen auch mehr Tore fallen und nach Niederlagen trotzdem gefeiert wird: "Eine ganz andere Mentalität, man sieht das Glas halbvoll".

Deutschland hat immer noch eine gute Nachwuchsarbeit

Die Kritik am deutschen Fußball und dessen Nachwuchsleistungszentren, wie dort die Talente ausgebildet werden, sieht Wormuth ebenfalls vergleichsweise entspannt: "Nico Hoogma (seit Februar 2018 Sportdirektor beim niederländischen Fußballverband) hat mir kürzlich gesagt, sie drehen erst mal alle Steine um. Sie sind erst am Beginn der Analyse was zu ändern, sowohl in der Trainerausbildung als auch im Talenförderungsprogramm". Die Kritik, dass es in Deutschland aktuell zu wenige Talente gäbe, lässt Frank Wormuth nicht gelten: "Unser Talentförderungsprogramm in Deutschland funktioniert immer noch. Das würde ich nicht so stehen lassen." Die aktuellen Erfolge im niederländischen Fußball sieht der 58-Jährige ganz einfach nur darin, dass die Holländer derzeit eine gute Mannschaft mit einer guten Mischung aus Alt und Jung aufgestellt haben.

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