Ein Bild der ersten Mondlandung 1969 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fußball | Personalie Kommentar zum Fall Grindel: "Der DFB lebt hinter dem Mond"

Reinhard Grindel ist als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten. SWR-Sportredakteur Holger Kühner kommentiert den Schritt und die Vorgänge beim Verband.

Auch 50 Jahre nach der ersten Mondlandung hat man beim DFB noch nicht kapiert, was der Unterschied ist zwischen einem kleinen Schritt und einem großen Sprung. Als Neil Armstrong im Juli 1969 den Mond betrat sagte er, das sei ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.

Reinhard Grindel hat einen kleinen Schritt gemacht mit seinem Rücktritt als DFB-Präsident. Den großen Sprung hat er - wieder einmal - verpasst. Herr Grindel bleibt nämlich Funktionär: Er sitzt im sogenannten Council des ehrenwerten Fußball-Weltverbandes FIFA und im europäischen Verband UEFA und kassiert dafür jährlich stattliche Summen.

Dauer

Fürstliche Entlohnung

Bitte anschnallen: knapp 400.000 Euro. First-Class Flüge und Übernachtungen im Luxushotel noch gar nicht eingerechnet. Eine 6.000-Euro-Uhr fällt da tatsächlich nicht auf. Das, lieber Herr Grindel, ist nicht nur frech und dreist, sondern auch ein Schlag ins Gesicht aller Ehrenamtlichen - nicht nur im Sport. Denn die meisten ehrenamtlich geführten Vereine funktionieren besser als der aufgeblähte DFB. Hört also endlich auf, Fußball-Funktionäre als Ehrenamtliche zu bezeichnen, wenn ihr ihnen hintenrum Ausfall und Aufwandsentschädigungen bezahlt.

Ein Profi an der Spitze muss her

Mit seinen 400 Millionen Euro Umsatz würde der DFB locker den Sprung an die Börse schaffen. Aber kein DAX-Unternehmen wird ehrenamtlich geführt. Ein neuer DFB-Präsident oder eine Präsidentin muss auch Leuten wie Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff erstmal die Schutzfolie abziehen. Manch ein hochbezahlter Strahlemann sieht dann so bleich aus, als würde er hinterm Mond leben. Da waren die Astronauten der Apollo-Mission vor 50 Jahren schon einen Schritt weiter.

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