Manuel Gräfe (Foto: IMAGO, Imago)

Fall Gräfe: Rückendeckung aus dem Amateurbereich

Alte Schiedsrichter im Abseits

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Markos Kastanis

Am Mittwoch wird im Fall des Ex-Schiedsrichters Manuel Gräfe, der den DFB wegen Altersdiskriminierung verklagt, das Urteil erwartet. Es könnte wegweisend für den zukünftigen Umgang mit Schiedsrichtern im deutschen Profifußball sein.

Samstagmorgen in der Sporthalle des TSV Sielmingen. Seit das Schiedsrichter-Turnier vor 21 Jahren ins Leben gerufen wurde, pfeift der 60-Jährige Hardy Wolf traditionell das erste Spiel. Der Obmann der Schiedsrichtergruppe Esslingen ist zuständig für 140 Unparteiische und kümmert sich um die Nachwuchsgewinnung. Hardy Wolf ist in der Region beliebt, seine Meinung wird sehr geschätzt.

Auch weil er im Umgang mit den meist jungen Amateurfußballern immer ein gutes Händchen und einen lockeren Spruch auf den Lippen hat – selbst wenn das Spiel mal zu entgleiten droht. Dabei hilft ihm seine langjährige Erfahrung: "Du merkst im Vorfeld, worauf es hinausläuft und was passieren kann. Dann kannst du etwas umstellen und kleinlicher pfeifen. Das können ältere Schiedsrichter etwas besser herausfiltern." Jüngere Schiedsrichter hingegen werden oftmals nicht so akzeptiert, meint Wolf.

Der Streit um die Existenz einer Altersgrenze

Trotzdem kommen seit mehr als zwei Jahrzehnten Schiedsrichter, die wie Hardy Wolf älter als 47 Jahre sind, in der Bundesliga nicht mehr zum Einsatz. Dagegen klagte im vergangenen Jahr Manuel Gräfe. 289 Bundesliga-Spiele leitete er seit 2004 und zählte zu den besten deutschen Schiedsrichtern. Beim DFB eckte Gräfe aber oft an, kritisierte den Verband öffentlich und wurde zur vergangenen Saison ins Abseits gestellt – im Alter von 47 Jahren. Nun fordert er 190 Tausend Euro Schadenersatz und eine Feststellung, dass er allein aufgrund seines Alters nicht mehr nominiert worden sei. Der DFB hält dagegen, so eine Altersgrenze existiere überhaupt nicht. Und tatsächlich: In den Statuten des DFB sucht man vergeblich nach so einer Richtlinie.

Zu alt für Profifußball?

Sollten Schiedsrichter ab einem bestimmten Alter nicht mehr im Oberhaus des deutschen Fußballs pfeifen dürfen? "Wenn jemand die Leistungstest besteht und alle Voraussetzungen erfüllt, sollte er auch pfeifen dürfen", findet Hardy Wolf. Und tatsächlich betonte der deutsche Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich im vergangenen Jahr gegenüber der "Sport Bild" noch, die 47 Jahre seien "vielmehr ein Orientierungswert. Wenn jemand im Gesamtpaket alles mitbringt und die Voraussetzungen erfüllt, [...] dann sollte man das auch berücksichtigen." Gräfe sagte vor Gericht, unter den Referees herrsche "große Einigkeit, dass es diese Altersgrenze gibt". Sonst, ist sich der mittlerweile 49-Jährige sicher, "würde ich noch auf dem Platz stehen."

Wolf springt seinem Schiedsrichterkollegen zur Seite. Junge Schiedsrichter seien zwar oft fitter und schneller, vor allem bei großen Spielen verlasse man sich international meist auf erfahrenere Schiedsrichter: "Man weiß, die können damit umgehen. Die haben ein ganz anderes Verhältnis und sind auch bekannt bei den Spielern."

Gibt es ein "Weiter so"?

Eine Entscheidung des Landgerichts Frankfurt am Main soll am Mittwoch fallen. Der DFB muss sich, unabhängig vom Urteil, dann mit der Frage beschäftigen, ob Schiedsrichter in hohem Alter weiterhin den Ball an junge Schiedsrichter abgeben müssen.

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Markos Kastanis

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