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Schulen und Kindergärten werden geschlossen. Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter heim, damit sie von zu Hause aus arbeiten. Aber der Fußball rollt. Ein Kommentar von Daniel Günther.

Die Kanzlerin ruft die Bevölkerung auf, soziale Kontakte zu vermeiden. Aber die DFL schickt ihre Fußballprofis in hautnahe Zweikämpfe und in enge Manndeckung bei Standardsituationen.

Der Profifußball lebte immer schon in seinem eigenen Kosmos. Was interessiert ihn die reale Welt? Doch diese Entscheidung, die Bundesliga-Spiele und die Partien in der 2. Bundesliga an diesem Wochenende durch zu ziehen, überschreitet eine rote Linie.

DFL muss gestoppt werden

Wenn schon die Verantwortlichen im Verband das nicht erkennen, müssen Politiker, Kommunen oder die Gesundheitsämter der Sache einen Riegel vorschieben und ganz laut rufen: Stopp! So wie jetzt die Stadt Bremen das Montagsspiel zwischen dem SV Werder und Bayer Leverkusen verboten hat. Alle wesentlichen Sportligen (jetzt auch die englische Premier League) befinden sich längst in einer Zwangspause - und da gehört auch der deutsche Fußball hin, und zwar sofort.

Auch wenn die Stadien leer bleiben, werden sich tausende Fans in engen Fankneipen treffen, um die Spiele zu sehen. Sie schaffen damit eine Nähe zueinander, die man eigentlich verhindern will. Gibt es in dieser Saison einen Meister? Auf- und Absteiger? Ganz ehrlich: Es ist egal und spielt im Moment auch keine Rolle.

Niemand spricht über "Solidarität"

Die DFL würde, so sagt sie, die Saison am liebsten bis zum Sommer zu Ende spielen, sonst hätte es für einige Vereine existenzbedrohende Konsequenzen. Dass aber die reichsten Bundesliga-Clubs den finanziell schwächeren Vereinen helfen könnten, dass jetzt "Solidarität“ angesagt ist, das sagt keiner.

Es soll also gespielt werden - und damit auch mit der Gesundheit der Fußballprofis und Fans. Dass es im Moment Wichtigeres gibt als die Kickerei, scheint im Paralleluniversum Profifußball immer noch nicht angekommen zu sein.

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