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Vor der KSC-Präsidentenwahl am Donnerstagabend ist eine Testabstimmung auf Twitter etwas schief gegangen. Ausgerechnet der Erzrivale VfB Stuttgart ging als Sieger hervor. Eine Glosse von SWR-Sportreporterin Julia Metzner.

Ich bin ehrlich: Derbys im Fußball sind für mich nicht immer Spaß. Als neutrale Fußballreporterin bin ich in den letzten Jahren beim teilweise offensichtlichen Hass aufeinander an meine Grenzen gestoßen.

Seit Donnerstagabend habe ich aber mein neues Derby-Highlight. Ein positives. Ein total friedliches. Ganz ohne polizeiliche Absicherung. Mit gegenseitigem Anstacheln, aber ohne Gewalt, und mit einem Derbysieger. Nein, eigentlich mit zwei. Denn auch der potentielle Verlierer war ein guter Verlierer.

33:61 - die Derbyniederlage der anderen Art

Als der Karlsruher SC so gegen 21 Uhr mit der Verkündung der Wahl von Holger Siegmund-Schultze zum neuen Präsidenten in die neue Zeit aufbrach, hatte die alte gerade mit einer Schmach geendet. 33 zu 61 - Prozent wohlgemerkt - ist das letzte überlieferte "offizielle" Ergebnis. Es war eine Derbyniederlage der anderen Art. Eine kleine Umfrage mit großer Wirkung. Eine Testabstimmung zur Präsidentenwahl. Mit Augenzwinkern. "Welches sind die drei geilsten Buchstaben im deutschen Fußball?" wurde auf Twitter gefragt. Zur Auswahl standen unter anderen "KSC" und "VfB".

@vertikalpass Wer es verpasst hat 😂 https://t.co/PpaKx7rUI6

Schon eine Stunde später twitterten KSC-Fans zähneknirschend vom "schönen Eigentor". Da war das Twitterderby schon längst eröffnet. Die VfB-Anhängerschaft feierte "den Sieg im dritten Derby der Saison", schickte augenzwinkernde Smileys mit dem Kommentar "irgendwas läuft da schief", und die KSC-Fans schlossen sich selbstironisch an. Am Freitag Morgen dann der abschließende Tweet: "Bei allem Mist, der dieses Jahr passiert ist, sollte aber nicht vergessen werden, dass der KSC den Schauinsland Reisen Cup gewonnen hat." #diekleinendinge

Das vorerst letzte Derby hat Spaß gemacht

Applaus im Netz. Ich habe mich dann noch kurz gefragt, ob es einigen VfB-Fans in der Sommerpause wirklich so langweilig ist, dass sie sogar die Präsidentenwahl des Erzrivalen aus Karlsruhe mitverfolgen. Bei herrlichstem Hochsommer-Grillwetter wohlgemerkt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Es war ein außergewöhnliches Highlight in einem außergewöhnlichen Fußballjahr. Der KSC hat in letzter Sekunde den Klassenerhalt geschafft, der VfB ist mit Ach und Krach zurück in die Bundesliga aufgestiegen. Ein Derby wird es so schnell nicht wieder geben. So hatte der Donnerstagabend etwas vom richtigen Leben: Erst wenn man etwas nicht mehr hat, merkt man manchmal, wie sehr man es vermisst….

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