KSC: Präsident des Karlsruher SC im Wildparkstadion (Foto: SWR)

Fußball | 2. Bundesliga

Führungsstreit beim KSC - Präsident Siegmund-Schultze will Ende der Krise

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Mathias Zurawski
Mathias Zurawski (Foto: SWR)

Seit fast einem Jahr tobt beim KSC der Streit mit Vizepräsident Martin Müller. Er soll am 29. Februar abgewählt werden. Präsident Siegmund-Schultze will das Ende der Führungskrise.

Fußball-Zweitligist Karlsruher SC kommt nicht zur Ruhe. Seit der Entlassung von Sportdirektor Oliver Kreuzer vor fast einem Jahr tobt ein Streit mit Vizepräsident Martin Müller, der die Entlassung ablehnte. Müller wird unter anderem die Weitergabe von internen Informationen vorgeworfen. Ein Abwahlantrag gegen Müller wurde bei der KSC-Mitgliederversammlung im vergangenen Dezember im letzten Moment zurückgezogen. Nun soll der Bruch endgültig vollzogen werden, mit Müllers Abwahl auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 29. Februar. KSC-Präsident Holger Siegmund-Schultze will ein Ende der Krise.

Bei der Mitgliederversammlung im Dezember hat man versucht, die Situation ins Gute zu wenden. Damals wurde ein Abwahlantrag gegen Vizepräsident Martin Müller zurückgezogen. Wie hat sich die Stimmung beim KSC seitdem verändert?

Holger Siegmund-Schultze: Grundsätzlich ist es so, dass sich Mitglieder in Profi-Fußballvereinen Ruhe wünschen. Sie wünschen sich Zusammenhalt und wollen, dass das, was verabredet wurde, in Ruhe umgesetzt wird. Dass man hinter den Kulissen diskutiert, aber nach außen Geschlossenheit zeigt. Man merkt schon im Verein, dass die anhaltende Unruhe die Mitglieder beschäftigt und dass sie das nach der Mitgliederversammlung im Dezember nicht gut finden, weil eine Zerrissenheit in den Gremien besteht. Wir hätten uns sehr gewünscht, dass wir es in der Mitgliederversammlung nochmal hinbekommen. Man merkt aber, dass die Offenheit der Diskussion nicht mehr vorhanden ist. Letztendlich ist es eine Führungskrise.

Bereuen Sie vielleicht sogar, dass Sie die Hand nochmals ausgestreckt haben, um eine gütliche Lösung zu finden?

Holger Siegmund-Schultze: Nein, überhaupt nicht. Es gab ja auch viele Beteiligte. Es war der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Grenke, der sich sehr bemüht hat. Der Vorsitzende des Mitgliederrats Dieter Gläser hat sich sehr bemüht. Es ist sogar sehr wichtig, dass man es probiert. Dass man immer versucht, auch in den Gremien, einen Ausgleich zu schaffen. Wenn man den Verein basisdemokratisch sieht, ist es auch das Wichtigste, nicht zur Eskalation zu kommen. Insofern habe ich es nicht bereut.

Die Dinge, die Sie sich erhofft haben, sind nicht eingetreten. Wie ist denn jetzt Ihre Beziehung, Ihr alltägliches Arbeitsverhältnis zum Vizepräsidenten Martin Müller?

Holger Siegmund-Schultze: Außerhalb der Sitzungen, auch an Spieltagen, reden wir miteinander. Es ist nicht so, dass wir verfeindet sind. Auf keinen Fall. Das hat auch gar nichts mit unserem Problem zu tun. Unser Problem ist, dass wir innerhalb des Gremiums eine Führungskrise haben und dass wir unterschiedliche Auffassungen vertreten. Nicht nur er und ich, sondern er gegen die meisten anderen im Verein. Auch was die Richtung angeht und die weitere Entwicklung des Clubs.

KSC-Präsident Holger Siegmund-Schultze hofft auf ein Ende der Krise (Foto: IMAGO, IMAGO / Carmele/tmc-fotografie.de)
KSC-Präsident Holger Siegmund-Schultze hofft auf ein Ende der Krise

Glauben Sie, dass die Abwahl tatsächlich stattfindet?

Holger Siegmund-Schultze: Das kann ich persönlich überhaupt nicht einschätzen. Und zunächst einmal ist es auch wichtig, zu betonen, dass eben die Mitglieder souverän sind. Sie entscheiden das. Und sie sollen sich eine Meinung darüber bilden. Und ich wünsche mir, dass bei einer so wichtigen Frage viele Mitglieder teilnehmen werden.

Welche Ziele wären in Gefahr, wenn Müller bleibt?

Holger Siegmund-Schultze: Wir haben im Sport Entscheidungen getroffen, wie wir uns weiter entwickeln wollen. Wir hatten vorher innerhalb von zwei bis drei Jahren viele Veränderungen im Club außerhalb des Kerngeschäfts angestoßen, die sehr erfolgreich waren. Jetzt wollen wir den Sport sehr erfolgreich verändern. Wenn es Teilnehmer gibt, die diese Ziele immer wieder unterlaufen, die sich auch in der Öffentlichkeit dahingehend äußern, dass sie einzelne Dinge nicht gut finden, dann ist es für das Gesamte ein großes Problem.

Wenn es zur Abwahl käme: Haben Sie nicht Angst, dass Ihnen Geld fehlt? Müller sieht sich sehr nah bei Geldgeber Günter Pilarsky. Und Christoph Gröner, noch Sponsor des KSC, hat auch eine relativ enge Beziehung zu Martin Müller.

Holger Siegmund-Schultze: Nein, das wird definitiv nicht der Fall sein. Da wird es kein Problem geben, weil man ja zwei Dinge unterscheiden muss: Einerseits die Darlehen, die die Herren gegeben haben, die ja zurückgeführt werden. Da gibt es feste Vereinbarungen, die der KSC auch einhalten wird. Und auf der anderen Seite gibt es die Aktien, um die es in der Öffentlichkeit ab und zu geht. Und die Aktien wird der KSC nicht zurückkaufen. Da gibt es auch gar keine Rechtspflicht, sondern sie bleiben als Eigenkapital im Verein.

Warum ist die Situation des KSC finanziell so gut, dass Sie das auffangen können?

Holger Siegmund-Schultze: Man kann ganz klar sagen, dass unsere Geschäftsführung und die Mitarbeiter in den letzten drei Jahren einfach hervorragend gearbeitet haben und sich das auch in Zahlen ausdrückt. Wir haben 6.000 Mitglieder mehr. Wir haben unseren Zuschauerschnitt erhöht. Wir haben unser Sponsoring gravierend verbessert. Es wurde ja auf der Mitgliederversammlung artikuliert, dass wir unsere Umsätze von 24 auf 43 Millionen erhöht haben. Das sind alles Entwicklungen, die den Verein finanziell stabil gemacht haben.

Wenn ein Vizepräsident gehen würde, was passiert denn dann? Gibt es andere Kandidaten, die Sie im Blick haben?

Holger Siegmund-Schultze: Zunächst ist es wichtig, zu betonen, dass dieser Schritt, wenn am 29. Februar die Mitgliederversammlung stattfindet, ja erst von den Mitgliedern so vollzogen werden muss. Sofern das dann der Fall ist, dass der Vizepräsident abgewählt ist, sind das Präsidium und der Beirat weiter handlungsfähig. Innerhalb von drei Monaten müssen wir eine Nachwahl durchführen. Und das würden wir dann auch tun.

Wie groß ist Ihr Optimismus für dieses Jahr für den Karlsruher SC? Nach dem, was Sie in den letzten Jahren als Präsident erlebt haben.

Holger Siegmund-Schultze: Wir haben so gute Erfahrungen gemacht in den letzten drei Jahren. Auch mit der Unterstützung des gesamten Umfelds. Das können Sie nicht nur intrinsisch lösen, sondern wir haben über unsere Mitglieder ein ganz starkes Votum bekommen, dass der Weg offensichtlich mitgetragen wird. Wir haben im Umfeld so viele Gruppen, Sponsoren, unsere Mitglieder und Fans aktivieren können, die den Weg unterstützen. Wir haben ein neues Stadion. Wir haben perfekte Rahmenbedingungen. Wenn ich da nicht optimistisch wäre, dass wir in Zukunft Erfolg haben, dann wäre ich nicht der richtige Mann.

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