Die Mannschaft des KSC beim Warmlaufen im Trainingslager in Neukirchen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / GES/Helge Prang | Helge Prang)

Fußball | 2. Bundesliga

Teamcheck Karlsruher SC: Nach Platz sechs wieder Klassenerhalt als Ziel

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Der Karlsruher SC beendete eine überraschend starke Saison 2020/2021 auf Tabellenplatz sechs. Mehr als den Klassenerhalt nimmt sich der KSC in der kommenden Spielzeit trotzdem nicht vor – obwohl der Star des Teams trotz Abwanderungsgedanken wohl erhalten bleibt.

So lief die vergangene Saison

Dass man beim Karlsruher SC während der Spielzeit 2020/2021 das erklärte Ziel Klassenerhalt auf ein "50-Punkte-Ziel" hochschrauben würde, hätte vor der Saison wohl niemand zu glauben gewagt. Da kamen die Nordbadener aus ihrer ersten Zweitliga-Saison seit dem Gang in Liga drei, in der sie sich den Klassenerhalt erst am letzten Spieltag sichern konnten.

Zudem der Horrorstart in die vergangene Saison: drei Spiele, drei Niederlagen und kein einziger Treffer auf der Habenseite. Bis zum 6. Spieltag steckte der KSC im Tabellenkeller fest, ehe ein beispielloses Auf und Ab folgte: Erst gewannen die Karlsruher vier Spiele in Serie, dann folgten drei Niederlagen, ehe eine Serie von acht ungeschlagenen Spielen das Team von Trainer Christian Eichner in den Top-6 der Liga festigte.

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Nach dem 23. Spieltag verbuchte der KSC bereits 39 Punkte, erklärte den Klassenerhalt für erreicht und korrigierte sein Saisonziel nach oben. Doch das hemmte die Mannschaft mehr, als dass es sie beflügelte. Die folgenden neun Spiele blieben die Karlsruher sieglos. Durch zwei Siege zum Saisonende erreichte der KSC aber doch noch seine 50-Punkte-Marke und übertraf diese mit 52 Punkten sogar. Die reichten am Ende für Platz sechs und das beste Abschneiden des Vereins in der zweiten Liga seit der Saison 2014/2015.

Wer kommt, wer geht?

Viele Hochkaräter konnte der KSC bislang nicht präsentieren. Mit den Flügelspielern Fabio Kaufmann (28, Eintracht Braunschweig) und Lucas Cueto (25, Viktoria Köln) und dem Zentrum-Spieler Leon Jensen (24, FSV Zwickau) kommen drei von vier Neuzugängen aus Drittliga-Vereinen. Bitter: Jensen zog sich direkt im Testspiel gegen Türkgücü München (0:0) ohne Gegnereinwirkung einen Kreuzbandriss zu und wird mindestens die erste Saisonhälfte verpassen. Vom Ligakonkurrenten 1. FC Nürnberg stößt Rechtsaußen Fabian Schleusener (29) zum Team.

Auf der anderen Seite haben den Verein mit David Pisot (SpVgg Unterhaching), Dirk Carlson (Erzgebirge Aue) und Kevin Wimmer (Stoke City) drei Spieler verlassen, die die Position des Innenverteidigers begleiten können. Damit stehen dem KSC aktuell nur drei Spieler auf dieser Position zur Verfügung. "Man kann sich ausmalen, dass, wenn nur einem etwas passiert, wir da dann relativ dünn aufgestellt sind", erzählt KSC-Trainer Christian Eichner. Deshalb wolle man in diesem Mannschaftsbereich noch "an Qualität und Quantität nachlegen."

Wichtig ist für den Trainer, dass das Grundgerüst der vorherigen Saison bestehen bleibt. Die bisherige Leihgabe Philip Heise (30) wurde nach abgelaufenem Vertrag beim Premier League-Aufsteiger Norwich City fest verpflichtet. Der Linksverteidiger kam in der abgelaufenen Zweitliga-Saison 29-mal zum Einsatz und markierte sieben Scorerpunkte.

Von noch größerer Bedeutung ist aber der voraussichtliche Verbleib von Top-Torjäger Philipp Hofmann (13 Tore, 7 Assists). Der 28-jährige ist noch bis Sommer 2022 an den Verein gebunden, strebt aber offenbar einen Bundesliga-Wechsel an. Weil die Transfer-Saga aber zu lange andauerte, plant der Verein auch in der kommenden Spielzeit mit Hofmann. "Der Sportgeschäftsführer [Oliver Kreuzer, Anmerkung der Redaktion] hat da vor zwei, drei Tagen einen Riegel vorgeschoben, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, an dem die Verantwortlichen [..] kein Interesse mehr daran zeigen, sich mit anderen Vereinen zu unterhalten", erzählt Eichner.

Der Trainer

Christian Eichner hat, nachdem er in der Rückrunde der Saison 2019/2020 interimsweise übernommen hatte, eine beeindruckende erste Spielzeit beim KSC hinter sich. Der frühere Spieler und Co-Trainer des Vereins ist mit seinen 38 Jahren einer der vielen jungen Trainer der Liga und auch deshalb nah an den Spielern.

In der abgelaufenen Saison variierte er taktisch meist zwischen einem 4-1-4-1 und einem 4-2-3-1. Wichtiger ist ihm aber die Art und Weise, wie sein Team auftritt: "Wir kommen viel über den Bereich, den Journalisten vielleicht als Einstellung titulieren würden."

Heißt konkret: Bereit sein, dorthin zu gehen wo es weh tut, keinen Sprint und keinen Zweikampf scheuen. Mit dieser Herangehensweise sammelte der KSC vergangene Saison fleißig Punkte und schlug dabei regelmäßig die Top-Teams der zweiten Liga.

Erwartungen an die neue Saison

Wenn Trainer über Saisonziele sprechen, hört man häufig den Satz: "Wir wollen uns verbessern." Doch geht das für den KSC in der neuen, von Top-Teams gespickten zweiten Liga überhaupt? "Dieses Jahr geht es auch wieder nur um das gleiche Ziel und das ist, ein Ticket für nächstes Jahr zu bekommen", erklärt Eichner. Auch wenn er weiß, "dass sich das nach Platz sechs nicht sexy anhört."

Dabei helfen könnte dem KSC die Rückkehr der Fans. So stark die vergangene Saison auch war, so durchwachsen waren die Auftritte auf heimischem Rasen. Ligaintern standen die Karlsruher am Ende in der Heimtabelle auf Platz 16. Für das erste Heimspiel im umgebauten Wildpark sind 10.000 Zuschauer geplant, die das Stadion nach Monaten der Stille wieder mit Leben füllen sollen.

Zum ersten Saisonspiel am Samstag (13:30 Uhr) geht es aber erstmal auswärts zum Aufsteiger Hansa Rostock. Die soliden Testspielergebnisse lassen Hoffnungen auf einen besseren Start als vergangene Saison zu. Die einzige Niederlage kassierte der KSC gegen den russischen Meister Zenit St. Petersburg (1:3), bei dem der Zweitligist jedoch zeigte, worauf es auch in der kommenden Saison ankommen wird: Er kann auch die Großen ärgern.

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