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Seit einem Jahr ist Christian Eichner Trainer beim Karlsruher SC. Der bodenständige Badener hielt mit dem KSC die Klasse und formte ihn zu einer Einheit. Im Jahr 2021 sind die Karlsruher noch ungeschlagen.

Wenn Christian Eichner über seinen KSC spricht, dann gerät er ins Schwärmen. Knapp 18 seiner 38 Lebensjahre verbrachte der gebürtige Sinsheimer bei den Badenern. Erst als Spieler und seit einem Jahr auch als Cheftrainer. "Ich glaube jeder hat einen Verein im Leben, egal ob als Fan oder auch als Mitarbeiter eines Klubs, und ich fühle mich halt hier pudelwohl. Und das ist so ein Stück weit mein Zuhause geworden", so Eichner gegenüber SWR Sport.

Eichner: "Diese Mannschaft ist eine 'richtige' Mannschaft"

Die Verbundenheit zum KSC ist auch im Januar 2021 noch die gleiche und ins Schwärmen gerät er vor allem dann, wenn er über sein Team spricht. "Diese Mannschaft ist eine 'richtige' Mannschaft, da freut sich jeder, jeden zu sehen, an jedem Tag", so der 38-Jährige nach dem 2:1-Erfolg gegen den VfL Bochum. Für ihn sind das "schon mal gute Voraussetzungen, um Leistung zu bringen". Durch den Sieg im Ruhrgebiet bleiben die Badener auch im sechsten Spiel in diesem Jahr ungeschlagen. Doch Eichner weiß, dass sich seine Mannschaft nicht auf dieser Serie ausruhen darf. Denn er kennt auch die Situation, wenn es mal nicht so läuft.

Turbulenter Start als KSC-Trainer

Als er den KSC vor einem Jahr, am 3. Februar 2020, als Interimstrainer übernahm, stand die Mannschaft auf dem 17. Tabellenplatz. Die klare Wende blieb auch unter seiner Regie zunächst aus, die Badener steckten weiterhin tief im Abstiegskampf. "Man darf es mir nicht verübeln, dass ich bis zum heutigen Tage einiges mitgemacht habe, was glaube ich für ein erstes Jahr nicht normal ist. Wenn man die Corona-Pause nimmt oder an meinen Anfang denkt, mit dem Spiel zwei Tage später in Saarbrücken (Anm. d. Red. DFB-Pokal-Achtelfinale 3:5 i.E. für Saarbrücken), dann drei Tage später beim HSV (0:2). Also direkt zwei Niederlagen einstecken zu müssen, dann diese Corona-Pause", so Eichner über seinen turbulenten Start als KSC-Trainer.

Eichner formt in Karlsruhe eine charakterstarke Mannschaft

Nach der corona-bedingten Saisonunterbrechung sicherten sich die Badener am letzten Spieltag doch noch den Klassenerhalt. Als "extrem wichtiges psychologisches Phänomen" bezeichnet Eichner allerdings nicht nur die Leistungen seiner Mannschaft am Ende der letzten Saison. Nach einem schwachen Start in die neue Saison 2020/21 mit dem Erstrunden-Aus im DFB-Pokal gegen Union Berlin (0:1) und drei Niederlagen am Stück in der Liga, stand der Karlsruher SC wieder auf dem letzten Tabellenplatz. Hinzu kam der Streik von Top-Torjäger Philipp Hofmann, der so seinen Wechsel zu einem Bundesligisten erzwingen wollte. Doch Eichner suchte das Gespräch und sorgte dafür, dass sich der 27-Jährige wieder in den Dienst der eigenen Mannschaft stellte. Im nächsten Spiel gegen den SV Sandhausen trug sich Hofmann dann gleich doppelt in die Torschützenliste ein, wodurch der KSC seinen ersten Saisonsieg (3:0) feierte. Der Trainer betont, dass die Mannschaft in dieser Zeit noch stärker zusammen gewachsen sei.

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Eichner bleibt sich und seiner Linie treu

"Es gab natürlich immer wieder Phasen, in denen du dann überlegt hast, was musst du ändern, was gibt es für Möglichkeiten, aber ich bin mir immer treu geblieben", verrät der 38-Jährige sein Erfolgsrezept für die schwierigen Wochen. Schon zu seiner aktiven Karriere sei er nie derjenige gewesen, der unbedingt Fußballprofi werden musste. Und genau so sei es auch mit der jetzigen Tätigkeit als Trainer: "Mir gibt es immer wieder sehr viel Sicherheit, dass ich jeden Tag von heute auf morgen wieder in die Schule kann und als Lehrer arbeiten kann", so Eichner, der Mathematik, Ethik und Geographie studierte. "Ich bin glaube ich immer noch der gleiche Eiche, wie vor einem Jahr, vor zehn Jahren oder vor 18 Jahren, als ich zu dem Klub gekommen bin."

Gehört der KSC schon zu den Top-Mannschaften?

Nach fünf Siegen und einem Unentschieden im Jahr 2021 steht der KSC in der Tabelle mittlerweile auf Rang fünf, nur vier Punkte entfernt von Relegationsplatz drei. Kein anderer Zweitligist holte in diesem Jahr mehr Punkte. Hinzu kommt, dass der KSC vier seiner fünf Siege in diesem Jahr gegen Mannschaften holte, die in der Tabelle vor ihnen platziert waren. Als Top-Mannschaft sieht er seine Truppe allerdings noch nicht. Der 38-Jährige weiß die Situation richtig einzuordnen und verweist auf den Weg, den der KSC in den letzten Monaten zurückgelegt hat. Als die Mannschaft in der letzten Saison schon "mit eineinhalb Beinen in der 3. Liga" stand, hätte niemand die Nerven verloren und "genauso wenig verlieren wir sie heute."

Menschen sollen Freude am KSC haben

Trotzdem sei die Mannschaft eine gute Mannschaft und wisse, dass sie jeden schlagen könne. Das Wichtigste ist für den KSC-Trainer aber, dass die "Leute mit dem KSC-Herz" Freude an den Karlsruhern haben. "Wenn die Mannschaft auch in dieser schweren Zeit für alle draußen so ein bisschen etwas zurückgeben darf, dann ist das doch das größte Geschenk."

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