Anton Fink im August 2020 (Foto: IMAGO, IMAGO / Eibner)

Fußball | Personalie

Anton Fink in der Landesliga: Ein Glücksgriff für Birkenfeld

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Daniel Jelski
Robert Raff

Drittliga-Rekordtorschütze Anton Fink ist kein Unbekannter auf der Fußball-Landkarte des Südwestens. Jetzt kickt der 35-Jährige in der Landesliga Mittelbaden.

Beim Aufwärmen noch mit Mütze und Handschuhen ausgestattet, ist Anton Fink mit Anpfiff sofort auf Betriebstemperatur. "Hey, steht doch nicht zu dritt dahinten", ruft der Mann mit der Nummer 30 beim Spiel seines 1. FC 08 Birkenfeld beim FC Nöttingen II seinen Mannschaftskollegen zu.

Anton Fink spielt bei Birkenfeld, dem Tabellenvorletzten der Landesliga Mittelbaden. Wie das zustande gekommen ist, erklärt Fink im Gespräch mit SWR Sport. "Meine Frau ist aus Pforzheim, mein Schwager ist schon lange in Birkenfeld dabei. Ich habe, da ich ja in Birkenfeld wohne, den Bezug gehabt. Ich habe mir schon ein paar Spiele angeschaut. Ohne, dass ich hier im Gespräch war. Ich wollte mich verändern im Sommer und wollte aufhören mit dem Profifußball und mich anderweitig dann umorientieren."

Familiäre Atmosphäre in Birkenfeld

Nach seiner Zeit auf der großen Fußballbühne, in der er für Vereine wie den Karlsruher SC, VfR Aalen und Chemnitzer FC auflief, haben sich Finks Prioritäten verändert. "Familie steht absolut im Vordergrund. Deswegen habe ich bewusst den Schritt gewählt." Auch wenn die Familie gegen Nöttingen nicht an der Seitenlinie stand, die Unterstützung seines ganz eigenen Anhangs ist dem zweifachen Familienvater sicher. "Wenn schönes Wetter ist, dann kommen meine Kinder sicherlich zuschauen", ergänzt er schmunzelnd. Man könnte sagen, der 1. FC 08 ist eine zweite Heimat geworden. "Wir sind aus Ulm hier wieder hergezogen nach Birkenfeld und haben gesagt, wir wollen hier sesshaft werden. Wir wollen kleinere Brötchen backen", erzählt der Ex-Drittligastürmer.

Gelungene Integration in die Landesliga

Kleinere Brötchen backen – das muss momentan auch der 1. FC 08 Birkenfeld. Das Team von Trainer Dirk Mayer steckt im Abstiegskampf. Zwar hat sich die sportliche Situation seit der Verpflichtung Finks Anfang des Jahres etwas verbessert, dennoch beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer nach wie vor zwölf Punkte. Insofern ist das Auswärtsspiel beim FC Nöttingen II nicht unwichtig für Mayers Schützlinge. Anton Fink steht in der Startelf – für den ehemaligen Nöttinger ist es ein Wiedersehen mit alten Kollegen.

Man kennt sich, man schätzt sich, freundschaftliches Abklatschen inklusive. Und überhaupt zeigt Fink keinerlei Star-Allüren, die man dem Drittliga-Rekordtorschützen mit 136 Treffern aber sicher auch verzeihen würde. Der nominelle Stürmer scherzt mit Gegenspielern, ist sich aber auch nicht zu schade, um hinten auszuhelfen. Anton Fink ist bereits nach wenigen Spielen offensichtlich hervorragend ins Team integriert. "Anton Fink, das ist ein geiler Typ, der ist total in Ordnung. Er passt total bei uns rein und wurde auch sofort sehr gut aufgenommen von der Mannschaft", hat Trainer Dirk Mayer beobachtet.

Fink, der Unterschiedsspieler

Fink läuft nicht sonderlich viel, aber clever. Er ordnet das Spiel seiner Kollegen, ohne selbst allzu häufig am Ball zu sein. Wenn Fink aber die Kugel am Fuß hat, dann wird es sofort gefährlich. 12. Minute: Pass von Fink in den Strafraum, sein Mitspieler trifft den Pfosten. Die in rot spielenden Birkenfelder sind in der Anfangsphase näher an der Führung, dann gibt es sogar Elfmeter für die Gäste. Wieder ist Fink der Initiator.

Nach seiner Flanke in den Nöttinger Strafraum ist Sturmpartner Daniel Faas nur per Foul zu stoppen. Anton Fink übernimmt zwar sonst alle Standards, den Elfmeter schießt der ehemalige Karlsruher jedoch nicht. Hätte er vielleicht besser, denn der Strafstoß wird vergeben. Zwar stellt sich Anton Fink in der Elfmeterszene hinten an, dennoch hat der spielende Co-Trainer bei Birkenfeld eine wichtige Rolle inne.

Führungsperson auf und neben dem Platz

Die jungen Spieler würden sich an Fink orientieren, meint Chefcoach Mayer im Interview. "Die lernen bei ihm was. Im Training übernimmt er auch die ein oder andere Einheit. Für uns war er ein Glücksgriff." Als Glücksgriff kann man es auch beschreiben, wenn ein ehemaliger Zweit- und Drittligaspieler plötzlich auf den Kunstrasenplätzen der siebten Liga aufläuft.

Auf die Frage, ob ihm die Landesliga als Ex-Profi nicht zu einfach wäre, antwortet "Toni", wie er von seinen Mitspielern genannt wird: "Nein, absolut nicht. Da sind ja auch Spieler dabei, die gut Fußball spielen können." Er habe bewusst diesen Schritt nach Birkenfeld gewählt. Nicht um zu zeigen, dass die Landesliga zu einfach sei. Ganz im Gegenteil. "Ich will der Mannschaft helfen. Ich habe Lust am Fußball. Ich habe Spaß am Fußball und das will ich den Jungs einfach vermitteln."

Anton Fink: Vom Spieler zum Co-Trainer

Ein guter Torabschluss gelingt Fink noch in der zweiten Halbzeit, bevor er ausgewechselt wird. Birkenfeld, mittlerweile in Unterzahl, bringt das 0:0 auch ohne seinen prominentesten Spieler über die Zeit, der seine Co-Trainerrolle emotional auf der Bank weiterlebt. Mit welcher er sich auch hundertprozentig identifiziert. Schwindende Motivation? Bei Anton Fink Fehlanzeige. "Der Toni hat bisher nur einmal gefehlt. Er ist immer da. Auch wenn er krank ist", sagt 'Trainerkollege' Mayer und ergänzt: "Er hat sich auch beim letzten Spiel zur Verfügung gestellt, da hätten andere wahrscheinlich nicht gespielt. Man sieht auch, er will, dass wir hinten rauskommen." Seinen Teil dazu will Fink mit Toren beitragen. Getroffen hat er in seinen drei Ligaspielen bisher einmal.

Es darf auch mal ein Bierchen sein

Mit dem sportlichen Rückzug aus dem Profifußball sind bei Fink auch die vermeintlichen Regeln des Amateurfußballs eingezogen. Da ist dann auch das obligatorische Kaltgetränk mal drin. "Ich trinke grundsätzlich wenig Alkohol, aber ein Bierchen nach dem Spiel gönnt man sich ab und zu schon", sagt Fink.

Was kommt nach der Karriere?

Nach seiner Karriere möchte sich der Rekordschütze der 3. Liga dem Trainerberuf zuwenden. "Ich fange dieses Jahr mit dem Trainerschein an und hoffe, dass ich dann irgendwann in die Trainerschiene reinrutsche. Aber solange ich noch fit bin und Spaß habe, will ich natürlich noch weiter Fußball spielen."

In der Landesliga ist er zumindest augenscheinlich gut angekommen. Auch wenn man als ehemaliger Profifußballer besonders unter Beobachtung steht. Eine Sonderbehandlung in Form von Sprüchen bekommt Anton Fink aber nicht. "Ich hoffe auch, dass es nicht so kommen wird. Ich glaube, ich kann mich ganz gut integrieren, egal, ob ich von der zweiten Liga oder von der dritten Liga komme", meint der Glücksgriff des 1. FC 08 Birkenfeld.

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