Im ZDF-Sportstudio machte Oliver Kahn keinen Hehl daraus, dass er Karl-Heinz Rummenigge beim FC Bayern München beerben möchte (Foto: Imago, imago images / Sven Simon)

Fußball | Rückblick Champions League statt 3. Liga: Oli Kahn und der KSC

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Es gab mal eine Zeit, da war es gar nicht so unwahrscheinlich, dass Oliver Kahn sich beim Karlsruher SC engagiert. Damit ist es wohl endgültig vorbei. Alle Zeichen deuten auf den FC Bayern München.

Ganz ehrlich: Es war schon einigermaßen überraschend, wie konkret Oli Kahn im ZDF-Sportstudio geworden ist: Karl-Heinz Rummenigge als Bayern-Boss zu beerben war kein "könnte und würde". Zitat Kahn: "Für mich war es sehr, sehr wichtig, dass es eine Übergangszeit gibt." Ab 2020 soll es soweit sein. Von Null auf Vorstandsvorsitzender bei einem der größten Fußballklubs der Welt. Denn auch wenn Kahn gefühlt nie ganz weg war aus dem Fußball-Geschäft: Ein offizielles Amt bei einem Klub hat er bisher nicht gehabt.

Papa Kahn als KSC-Präsident

Dabei hätten so manche sich das schon lange gewünscht, auch in Karlsruhe. Im Oktober 2009 beispielsweise. Der KSC war gerade in die 2. Bundesliga abgestiegen und drohte, ein wenig im Chaos zu versinken. Da kam Oli um die Ecke, meldete sich als Vereinsmitglied an und ging in den Wahlkampfmodus. Nicht für sich - aber immerhin für seinen Vater Rolf. Der hatte sich vorgenommen, KSC-Präsident zu werden. Sein Plan: Sohn Oli sollte nicht direkt im Verein wirken, sondern als eine Art Berater: "Damit will ich sagen, dass man über die Kontakte von Oliver vielleicht an einen 'dicken Fisch' herankommen könnte."

Dass Rolf Kahn einen Satz später den Namen Matthäus nannte, war vielleicht nicht der geschickteste Schachzug. Da half dann auch nicht, dass zur Präsidentschaftswahl Oli höchstpersönlich angereist kam. Mit emotionaler Rede im Gepäck: "Das sind meine Wurzeln und hier komme ich her. Ich habe diesem Verein sehr viel zu verdanken, nämlich, dass ich diese Karriere machen durfte." Am Ende wurde Vater Rolf trotzdem nur dritter bei der Wahl.

Dauer

Kahn und das Rätsel um "die Wurzeln"

Diese Wurzeln. Auch beim zweiten Annäherungsversuch spielten die eine Rolle. Im Oktober 2016 verkündete Kahn, er kehre zu seinen Wurzeln zurück. In Karlsruhe wurde unter den Fans getuschelt: Er wird doch nicht etwa zum KSC kommen? Sportlich lief es mal wieder nicht rund: Kahns Heimatverein dümpelte zu diesem Zeitpunkt in der unteren Tabellenhälfte rum, am Ende der Saison ging es runter in die 3. Liga. Die Vereinsbosse in Karlsruhe hatten davon aber nichts gehört und so kam es wie es kommen musste: kein Kahn für Karlsruhe. Hinter der Ankündigung versteckte sich Kahns neues Unternehmen.

Dafür dürfte demnächst die Zeit dann auch nicht mehr reichen. Etwa 650 Millionen Euro Jahresumsatz hat der FC Bayern im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftet. Läuft alles wie geplant, hat Oli Kahn ein gehöriges Wort zu sagen, wie dieses Geld ab 2020 ausgegeben wird. In Karlsruhe dürften dann mal wieder die Hoffnung wachsen, dass Oli an seinen alten Verein denkt.

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