KSC-Stürmer Philipp Hofmann (Foto: Imago, imago images / Sportfoto Rudel)

Fußball | 2. Bundesliga Spaghetti à la Hofmann

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KSC-Stürmer Philipp Hofmann hat bei seinem neuen Klub voll eingeschlagen. Drei Tore in drei Liga-Spielen sprechen für sich. Doch Hofmann scheint nicht nur auf dem Platz gut integriert.

Philipp Hofmann grinst. Wir haben uns mit dem KSC-Stürmer in einem beliebten Karlsruher Biergarten zum Dreh verabredet. Aber außer uns sind nur vier Menschen in dem Biergarten, der eher auf vierhundert als auf vier Personen ausgelegt ist. Der Kameramann schaut sich zweifelnd um. "Kein Problem", sagt der sympathische Blonde. Freundlich, zuvorkommend, nimmt sich selbst nicht zu wichtig, notiere ich auf meinem 'Philipp Hofmann' Zettel.

Er nimmt die Situation an, wie sie ist, und macht das Beste daraus. Das beschreibt den Mann am Besten. Oder der Satz, den Torwart-Trainer Markus Miller über ihn sagt: "Das Schräge an ihm ist, dass er so normal ist." Auch aus der Mannschaft heraus hört man nur Positives über "Hoffi". Der Neue aus dem Norden ist beliebt.

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"Er ist sehr ruhig und sehr ausgeglichen, aber wenn es darauf ankommt, dann ist er da", sagt Marvin Pourié. "Ein Mann wie ein Baum, knapp zwei Meter groß. Der tut uns gut", meint Kapitän David Pisot, selbst 1,85 Meter groß.

England ohne Happy End

Hofmann bestellt sich ein Spezi, stellt aber fest, dass er kein Bargeld dabei hat. Ich schiebe ihm unbemerkt von der Kamera einen Geldschein zu. Er bezahlt und gibt mir das Restgeld sofort zurück. Dann erzählt er von der Fußball-Karriere, er hat alle U-Nationalmannschaften durchlaufen, bis zur U21. Sein ehemaliger U20-Trainer Frank Wormuth, unter dem Hofmann 2012 bis 2013 sechs Spiele für Deutschland machte, erinnert sich: "Er war die klassische Neun - fußball-spezifisch gesehen. In dem Teamgefüge war er jemand, der eine klare Meinung hatte und die auch geäußert hat."

Als U21 Trainer Horst Hrubesch den 1,96 Meter großen Angreifer mit zu den Olympischen Spielen nach Rio nehmen wollte, sagte sein Verein 'nein'. Hofmann spielte inzwischen beim FC Brentford im Westen Londons. Dort musste man bereits einen dänischen Stürmer abstellen, einen zweiten wollte man nicht gehen lassen. Hofmann musste bleiben und fiel dann auch noch verletzt aus.

Der englische Fußball in der Championship, der englischen zweiten Liga, lag ihm: die langen, hohen Bälle, das Kick-and-Rush. Aber der Trainer, der ihn holte, musste gehen. Er selbst hatte mit Rücken-Problemen zu kämpfen und aus dem Abenteuer England wurde keine Erfolgsgeschichte. Danach erlebt er auf vielen Stationen die unterschiedlichsten Trainer. Bis ihn Trainer Alois Schwartz nach Karlsruhe holte.

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Teamspirit? Alles eine Frage der richtigen Pasta

Frust oder Verärgerung? Keine Spur. "England war trotzdem eine sehr wichtige Erfahrung, die ich nicht missen möchte", sagt der 26-Jährige. "Linksverkehr, englisches Frühstück, die andere Sprache." Bleibende Erinnerungen an seine Zeit in Englands Metropole sind seine Tattoos am linken Arm: eine Kompass-Rose und ein ausgetrockneter Baum.

Langsam füllt sich der Biergarten, es geht gegen 18:00 Uhr und die Sonne scheint. Nun taucht der Geschäftsführer auf und begrüßt Hofmann herzlich. Er freut sich, dass der KSC Stürmer bei ihm zu Gast ist. Ob wir etwas trinken oder essen möchten, fragt er. Wir verneinen. "Nein danke", sagt der große Blonde, "heute Abend kocht Damian Roßbach."

"Ihr bekocht euch gegenseitig in der Mannschaft?", frage ich. "Ja", sagt der Stürmer. "Ich koche selbst gerne und bin dann auch bald dran. Aber noch sind nicht alle Möbel da, und die Küche ist nicht richtig eingerichtet."

Er ist ja auch noch neu, aber so schnell, wie Philipp Hofmann sich sportlich und menschlich in die Mannschaft vom Wildpark eingefügt hat, das hat eine ganz besondere Qualität. Und wenn der Sturm-Riese erst mal sein Nudelsieb wiedergefunden hat, dann dürfen sich die Mannschaftskollegen auf Spaghetti à la Hoffman freuen.

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