KSC-Präsident Ingo Wellenreuther (Foto: Imago, imago/Eibner)

3. Liga | Karlsruher SC Wellenreuther: "Keine dramatischen Finanzprobleme!"

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Es brodelt mal wieder in der Karlsruher Gerüchteküche. Pünktlich nach der ersten Saisonniederlage steht das Gesamtkonstrukt unter Beschuss.

Wie so oft im Fußball, ist der Auslöser ein emotionaler. Ausgerechnet gegen das Tabellenschlusslicht aus Lotte kassierte der KSC seine erste Saisonniederlage. Die Wut der Fans richtet sich mal wieder gegen Präsident Ingo Wellenreuther. Befeuert wird das Ganze durch Medienberichte. Zuletzt berichteten auch die "Badischen Neuesten Nachrichten" von bevorstehenden dramatischen Finanzproblemen. SWRsport hat beim Präsidenten nachgefragt.

"Es gibt keine dramatischen Finanzproblem!"

Ingo Wellenreuther ist es gewohnt, Blitzableiter zu sein. Als Mitglied des deutschen Bundestags in der Politik, als Präsident des Karlsruher SC für die Fans. Was seit Wochen in Karlsruhe wabert, ist nach der Niederlage gegen Lotte ausgebrochen. "Zeit, dass sich was dreht, Zeit, dass Ingo geht" sangen die die Fans bei der ersten Saisonpleite. Schön ist anders, aber Wellenreuther geht damit um. Womit er gar nicht umgehen kann und will, ist die Gerüchteküche. Detailliert will Wellenreuther auf Finanzfragen mit dem Vorstand am 22. Oktober auf der Mitgliederversammlung antworten. Die wichtigste Botschaft aber wird er jetzt schon los: "Es gibt keine dramatischen Finanzproblem!". Hintergrund war die in der Öffentlichkeit aufgeworfene Frage, wann der KSC von einer "Verschuldungsspirale" verschlungen wird. Die wiederum basiert auf der Annahme, dass der wichtigste Geldgeber Günther Pilarsky sein Engagement überdenke.

"An den Haaren herbeigezogen!"

Gegenüber SWRsport bestätigt Wellenreuther, dass die aktuelle Bürgschafts-Erkärung von Unternehmer Pilarsky bis zum Saisonende gilt. Was aber völlig normal sei, denn man spreche immer von Jahr zu Jahr. "Günther Pilarsky steht zu uns und hilft!", wehrt sich Wellenreuther gegen die Gerüchte über ein mögliches Ende der Finanz-Kooperation. "Das ist an den Haaren herbeigezogen!".

Verluste sind höher, aber sind abgefangen

Den Abstieg in die dritte Liga können Vereine wie der KSC nur unter Schmerzen ertragen. Allein der Rückgang an TV Geldern klingt dramatisch: gut 9 Millionen Euro weniger gibt es in der Dritten Liga. Der verpasste Wiederaufstieg schmerzt also doppelt. Und zehrt. "Wir mussten mehr Gelder einsetzen, hatten höhere Verluste." Aber dank Pilarsky und anderer Unterstützer aus der Wirschaft habe man es abfangen können. Es gibt also keinen Anlass, an den finanziellen Niedergang zu denken. Natürlich stecken die Pilarskys und Co's nicht einfach Millionen in die Vereinstaschen, ohne sich Garantien zu sichern. Mit so genannten "Besserungsscheinen" wird vereinbart, dass der Geldgeber sein Darlehen erst dann zurück fordern kann, wenn das negative Eigenkapital des Vertragspartners auf Null steht oder Gewinn gemacht wird. Ein branchenübliches Verfahren, das Vereinen in schwierigen Zeiten extrem helfen kann.

Laut einer Erklärung vom Montag betragen die Verbindlichkeiten weniger als fünf Millionen Euro. Darüber hinaus bestehen Rückstellungen in Höhe von rund einer Million Euro.

Gerüchte da, Stadion futsch?

In den nächsten Wochen berät der Gemeinderat über die Vergabe des Vollumbaus des Stadions. Ein Projekt, das Dank der Vorfinanzierungs-Zusage der Stadt realisiert werden kann. Also wie beim Hauskauf: die Stadt finanziert vor, der Verein zahlt zurück. Die Verträge sind gemacht. Trotzdem muss sich der KSC wieder Fragen gefallen lassen.

Gefährdet sei nichts, sagt Wellenreuther, aber das Störfeuer gefällt ihm gar nicht. Also steht er auch den Stadtverantwortlichen gegenüber Rede und Antwort. Viele Worte, die bei Wellenreuthers Kritikern und Gegnern schnell verpuffen können. Die einfachste Lösung, so Wellenreuther, sei die sportliche: so schnell wie möglich zurück in die 2. Liga zu gehen. Je früher desto besser.

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