Benjamin Uphoff (Foto: SWR)

Fußball | Gesichter der Liga Fußball, Autos, Studium: KSC-Torwart Benjamin Uphoff und sein besonnener Weg

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Rund 50 Spiele in der 1. und 2. Bundesliga hat Benjamin Uphoff schon erlebt - alle nur von der Bank. Er weiß, dass er manchmal einen langen Atem braucht, um seine Ziele zu erreichen: den Studienabschluss und natürlich den Aufstieg mit dem KSC.

Wenn Benjamin Uphoff auf seine bisherigen sieben Jahre im Profi-Fußball schaut, dann gibt es einen entscheidenden Moment: als der 1. FC Nürnberg ihn zum Probetraining einlädt - überraschend, wie der zurückhaltende heutige KSC-Torwart feststellt. Als gebürtiger Franke beim größten Verein der Region, wenn auch zunächst für die zweite Mannschaft vorgesehen, das ist für den damals 18-Jährigen das Größte. Dann sitzt er nach rund zwei Monaten plötzlich auf der Bank der Bundesliga-Mannschaft: "Da war ich schon ganz schön nervös", erinnert er sich.

Langer Atem nötig

So schnell geht es dann aber nicht mehr nach oben. Bei Nürnberg und später dem VfB Stuttgart schafft Uphoff es nicht, sich in der ersten Mannschaft zu etablieren. Das lehrt Bescheidenheit und Dankbarkeit für das, was er jetzt in Karlsruhe hat, nämlich regelmäßige Einsätze in der 3. Liga. Sollte der KSC am Ende der Saison aufsteigen verlängert sich sein Vertrag automatisch um ein weiteres Jahr. Und Benjamin Uphoff weiß auch, dass er sich jetzt schon darum kümmern sollte, was danach kommt.

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Benni, wie er sich neuen Menschen oft vorstellt, macht ein Fernstudium zum Fahrzeugmechaniker. "Ich interessiere mich sehr für Technik und bei mir liegen auch eine Menge Auto-Magazine herum", erzählt er. Zum Auto gibt es auch eine persönliche Beziehung: sein Vater hat eine Lackiererei, die Werkstatt kennt er von Klein auf. Und die Eltern waren es auch, die seine bescheidene Art geprägt haben: Fußball ja, aber das Abi war genauso wichtig. Stress macht er sich mit dem Studium keinen, es muss eben auch den Immer-Unterwegs-Alltag eines Fußballers reinpassen. "Außerdem kann ich als Torwart ja hoffentlich noch spielen, bis ich 35 bin", lacht Benjamin Uphoff.

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Regelmäßig geht's nach Hause

Bis heute fährt er gerne zurück in die Heimat, da wird er aus seinem Fußball-Leben rausgerissen und schaltet ab: "Da helfe ich dem Papa, die Autos auf dem Hof zu parken". Und bei einem Versprechen wird auch klar, wie ernst es ihm mit der Heimat und der Familie ist. Denn auch wenn er mal weiter weg sein sollte als die 400 Kilometer, die zwischen Karlsruhe und seinem Heimatort Burghausen liegen, dann "werde ich immer noch regelmäßig nach Hause fahren".

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Benjamin Uphoff ist ruhig, freundlich, zurückhaltend und - das denkt man auf den ersten Blick gar nicht - hat ordentlich Spaß daran, die Mitspieler zu ärgern. Sein Mannschaftskollege und Freund Marco Tiede war nicht nur einmal Opfer eines Uphoff-Streichs: "Da gab es mal den Hello-Kitty-Aufkleber auf meinem Auto, er kriegt auch den ein oder anderen Streich gespielt, deswegen macht das einfach Spaß mit ihm."

Als Benjamin Uphoff im Sommer 2017 zum KSC gewechselt ist hat er dort den Platz eines Kult-Torwarts übernommen. Dirk Orlishausen war sechs Jahre Torwart in Karlsruhe und musste sich hinter Uphoff anstellen. Heute ist Orlishausen Torwarttrainer bei Liga-Konkurrent Hansa Rostock. Das Verhältnis der beiden Keeper ist gut. "Vor dem Hinspiel haben wir uns im Hotel getroffen, wir schreiben auch regelmäßig, ich hab viel von ihm gelernt und bin ihm sehr dankbar", erinnert sich Uphoff. Sein Vorgänger hat ihm auch etwas voraus: den Aufstieg mit dem KSC in die 2. Bundesliga und den Status als Vereins-Ikone. Kann ja noch werden, mit Ruhe und Beständigkeit.

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