Polizei-Aufgebot und Karlsruher Fans auf dem Weg ins Stadion (Foto: Imago, imago images / Sportfoto Rudel)

Fußball | 2. Bundesliga KSC-Fans gegen Polizei: Kritik an Einsatz weitet sich aus

591 Personen waren während des Spiels zwischen dem VfB Stuttgart und dem Karlsruher SC von der Polizei festgesetzt worden. Jetzt haben KSC-Fans unter anderem Anzeige gegen die Polizei Stuttgart gestellt.

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Ergebnistechnisch ist und bleibt die Sachlage nach dem Duell in der 2. Fußball-Bundesliga glasklar. Der VfB Stuttgart hat gegen den Karlsruher SC mit 3:0 gewonnen. Was bleibt, sind aber jede Menge Ungewissheit und Widersprüchliches, was das Aufeinandertreffen von Stuttgarter Polizei und Fans des Karlsruher SC betrifft. Bei der Fanhilfe Karlsruhe sind über 150 Berichte von Fans eingegangen. Fans, die vor dem Spiel in Stuttgart von der Polizei stundenlang festgesetzt worden waren und nicht ins Stadion gelassen worden waren. Vorausgegangen war mindestens ein Böller, der aus der KSC-Fangruppe in Richtung Polizeibeamte abgeschossen worden war.

"So macht es keinen Spaß!"

Ein langjähriger KSC-Anhänger brachte nach seiner über zehnstündigen Stuttgart-Reise (ohne Stadionbesuch) den Frust auf den Punkt: "So macht es keinen Spaß!". Mehrere Fans des KSC haben Anzeige wegen der Festsetzung durch die Polizei erstattet. Sie gaben an, dass sie über fünf Stunden weder essen noch trinken durften, dass keine Toiletten vorhanden waren und Beamte Frauen aufgefordert haben sollen, sich doch am Straßenrand zu erleichtern. Eine junge Frau habe vor lauter Not sogar in die Hose gemacht, so der Sprecher der Karlsruher Fanhilfe Martin Winter.

Polizei verteidigt sich

Laut Aussage des Stuttgarter Polizeisprecher Stephan Widmann seien aber sehr wohl Dixie-Toiletten (ab 12:30 Uhr) und Getränke (ab 14:30 Uhr) vorhanden gewesen. Dies sei auch mehrfach kommuniziert worden. Genau dies bestreiten aber die betroffenen Fans. Ein von der Polizei veröffentlichtes Foto zeigt zwei Dixie-Toiletten, allerdings deutlich außerhalb der von der Polizei umschlossenen Fangruppe.

Laut Polizei standen den KSC-Fans ab 12:30 Uhr Dixie-Klos zur Verfügung (Foto: SWR, Polizei Stuttgart)
Laut Polizei standen den KSC-Fans ab 12:30 Uhr Dixie-Klos zur Verfügung Polizei Stuttgart

Fanhilfe Karlsruhe bietet Rechtsberatung an

Aufgrund der Vorfälle beim Derby zwischen dem VfB Stuttgart und dem Karlsruher SC haben inzwischen mehrere Dutzend KSC-Fans Anzeige erstattet, berichtet der Fanbeauftragte Martin Winter. Allerdings, so Winter weiter, sollen sich Beamte einiger Polizeidienststellen in Karlsruhe und Umgebung geweigert haben, diese Anzeigen aufzunehmen. In einem Fall soll ein Beamter sogar mit rechtlichen Konsequenzen für den Fall einer Anzeigenerstattung gedroht haben. Die Fanhilfe bietet jetzt konkret Rechtsberatung an.

Polizei Karlsruhe prüft Vorwürfe

Nach den eingegangen Anzeigen sollen diese jetzt in einem neutralen Präsidium, also weder in Stuttgart noch in Karlsruhe, bearbeitet werden. Abgelehnte Anzeigen konnte der Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe, Raphael Fiedler, indes nicht bestätigen. Die Vorwürfe der KSC-Fans würden derzeit überprüft. Die Kritik am Einsatz seiner Kollegen in Stuttgart ist längst auch in der Politik angekommen. Die Eltern eines 14-Jährigen festgehaltenen KSC-Fans haben sich laut Stuttgarter Zeitung an Ministerpräsident Winfried Kretschmann gewandt. Außerdem wollen Hans-Ulrich Rülke und Ulrich Goll, beide Abgeordnete der FDP, eine "kleine Anfrage" zum Vorfall im Landtag einbringen. Titel: „Wirkung der Stadionallianzen von Innenminister Strobl beim letzten Derby zwischen VfB Stuttgart und Karlsruher SC“. Ergebnis: offen.

REDAKTION
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