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Champions-League-Triumph und die erste Meisterschaft seit 30 Jahren - Jürgen Klopp hat sich beim FC Liverpool in die Geschichtsbücher eingetragen. Nach dem heutigen Duell gegen Chelsea (21:15 Uhr) bekommen die Reds die Premier-League-Trophäe überreicht. Kurz zuvor sprach Klopp bei SWR Sport über eine verrückte Feier, seine Männer-WG und Lehren aus der Corona-Krise.

Teammanager Jürgen Klopp kann die Übergabe der englischen Meistertrophäe an seinen FC Liverpool kaum erwarten. "Es ist wie Weihnachten", blickte der 53-Jährige bereits voraus: "Wenn du vorher weißt, dass du ein bestimmtes Geschenk bekommst, bist du trotzdem aufgeregt."

Klopp blickt bereits in die Zukunft

Die Meisterschaft mit den Reds, die 30 Jahre auf den Titel warten mussten, sei etwas ganz Spezielles. Er habe "nie zuvor die Premier-League-Trophäe berührt, das wird etwas Besonderes", so Klopp weiter. Nach dem Heimspiel gegen Chelsea wird Liverpool der Pokal auf der berüchtigten Tribüne "The Kop" überreicht. Die offizielle Ernennung zum englischen Meister sei ein "Meilenstein" für den Verein, doch Klopp blickt bereits in die Zukunft: "Es ist ein sehr wichtiger Tag, aber nicht der letzte für uns."

Rund zehn Tage vor dem historischen Moment mit dem LFC stand Klopp SWR Sport in einem exklusiven Interview mit SWR-Moderatorin Lea Wagner Rede und Antwort. "Das hat noch gar nicht so richtig stattgefunden," hatte er damals zum Titelgewinn mit dem englischen Traditionsklub gesagt. Der Titel sei "für die Ewigkeit".

Der FC Liverpool will auf eine "verrückte Art" feiern

Auf jeden Fall plane man, es in den kommenden Wochen oder Monaten noch einmal so richtig krachen zu lassen mit den Fans. Momentan ist dies aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht machbar, so Klopp. "In dem Moment, in dem das wieder möglich ist, wollen wir den Titel feiern. Auch, wenn das ein wenig komisch ist, wenn man mehrere Monate später noch einen Titel feiert. Aber Liverpool ist ein außergewöhnlicher Verein, wir kriegen da sicherlich etwas hin. Wir werden versuchen, den Titel auf eine verrückte Art zu feiern. Wir wollen das Leben feiern. Die Leute können jetzt auch länger planen, damit sie dabei sein können. Vielleicht können wir etwas daraus machen, was es bisher so noch nicht gab."

2019 feierte Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool den Sieg in der Champions League (Foto: Imago, imago images / Action Plus)
2019 feierte Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool den Sieg in der Champions League Imago imago images / Action Plus

Klopp plant Rückkehr nach Mainz

Irgendwann werde er sicherlich nach Deutschland zurückkehren, verriet er. "Zum Leben definitiv, nach meiner Karriere. Sehr wahrscheinlich sogar nach Mainz", wo er bereits von 1990 bis 2008 erst als Spieler und dann als Trainer erfolgreich war. Auch beruflich habe er einen klaren Plan: "Vier Jahre Liverpool noch." Danach, nach dann neun Jahren an der Anfield Road, wolle er "mal ein Jahr lang nichts mehr machen". Vielleicht habe er dann erstmals die Möglichkeit zu machen, "was ich will, worauf ich Bock habe. Vielleicht ein Verein, eine Nationalmannschaft oder gar nichts." Süffisant fügte er hinzu: "Aber in fünf Jahren kann die Welt auch schon wieder ganz anders aussehen."

Corona-Krise muss analysiert werden

Jürgen Klopp ist einer, der über die Begrenzung eines Trainingsplatzes hinausschaut. Neben der intensiven Betreuung seines Teams beschäftigt den Fußballlehrer in diesen Wochen der gesellschaftliche Umgang mit dem Corona-Virus. In England seien die Pubs wieder offen, man könne wieder einkaufen gehen. "Die Entwicklung der Zahlen ist positiv, aber es sterben immer noch Leute. Die Verzögerung am Anfang, nach der man die richtigen Maßnahmen eingeleitet hat, hat sich nicht ausgezahlt." Klopp hütet sich aber, den Besserwisser zu spielen. "Es ist einfach zu kritisieren, wenn man nicht in der Verantwortung steht. Dementsprechend muss man einfach mal abwarten."

Wichtig wäre es, wenn man in der Zukunft "eine Analyse darüber macht, was wäre eigentlich richtig gewesen und wie können wir es in einer vergleichbaren Situation in Zukunft handhaben." Es scheint, als habe Deutschland die Corona-Krise relativ gut gelöst. "Aber wenn ich die deutschen Medien verfolge, sind auch da nicht alle glücklich mit der Art und Weise, wie die Dinge laufen. Vor allem kann niemand glücklich sein mit den Auswirkungen auf die Zukunft, was zum Beispiel die Arbeitsplätze angeht."

Liverpools Trainer äußerte einen Wunsch für den künftigen Umgang mit Pandemien wie Covid-19. "Wir sollten schauen, dass wir als Gesellschaft – und damit meine ich die Weltgesellschaft – besser vorbereitet sind." Das Virus werde uns noch eine ganze Weile begleiten, bis endlich ein Gegenmittel oder ein Impfstoff gefunden worden sei. "Das wäre es wert, einen Weltfeiertag auszurufen, an dem sich jeder daran erinnert, wie das war im Jahr 2020."

Premiere: Leben in einer Männer-WG

Der 53-Jährige wohnt derzeit in Liverpool in seiner Wohnung gemeinsam mit Matt McCann, dem Mediendirektor des FC Liverpool. Seine Frau Ulla hält sich in Deutschland auf. Eine ungewohnte Erfahrung für Klopp, der in Glatten im Schwarzwald aufgewachsen ist. "Wenn man aus dem Schwarzwald kommt, dann lebt man nicht in einer WG, sondern in einer geordneten Beziehung," sagte er lachend. Die beiden Männer hätten eine klare Aufgabenverteilung: Klopp sei für die Wäsche zuständig, McCann fürs Abspülen.

Worauf er sich jetzt besonders freue? Erst einmal auf das letzte Spiel in der Premier League, natürlich die Pokalübergabe und anschließend auf einen Abstecher nach Deutschland. "​Ich freue mich am meisten darauf, mal wieder ins Restaurant zu gehen und die neue Normalität in Deutschland zu genießen."

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