Joachim Löw (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fußball

Comeback-Gedanken: Joachim Löw prüft "Anfragen"

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dpa, js

Joachim Löw hat sich öffentlich in den vergangenen Monaten rar gemacht. Beim DFB-Pokalfinale mit "seinem" SC Freiburg tauchte der Ex-Bundestrainer mal wieder auf - und äußerte vage Zukunftspläne.

Joachim Löw ist mal wieder aufgetaucht. Und wer weiß, vielleicht werden die Fußballfans den ehemaligen Bundestrainer in Zukunft wieder häufiger in einem Stadion sehen - und das nicht nur als Tribünengast oder wie beim DFB-Pokalfinale als Botschafter seines Herzensclubs SC Freiburg.

Rückkehr auf die Trainerbank?

Nein, der 62-Jährige liebäugelt ein gutes Jahr nach der Europameisterschaft und seinem Abschied vom DFB nach 17 größtenteils erfolgreichen Jahren mit einer Rückkehr ins aufgeregte Fußball-Business - und das am liebsten auf der Trainerbank.

"Der Wille ist schon da", sagte Löw in Berlin. Er brachte sich im Sky-Interview in Erinnerung und ins Gespräch. Und das in einer Zeit, in der gerade etliche interessante Trainerposten auch in der Bundesliga vakant sind. Jene heimische Liga, in die er in den finalen Jahren als Bundestrainer eine Rückkehr stets ausschloss.

Beim Pokalfinale mit "seinem" Sportclub als unglücklichem Verlierer trat der im Breisgau verwurzelte Löw, der bis zur Ablösung durch Nils Petersen viele Jahre Freiburger Rekordtorschütze war, blendend erholt auf der großen Bühne auf. Löw trug den DFB-Pokal ins Stadion, jenen "Pott", den er 25 Jahre zuvor nach einem 2:0-Finalsieg mit dem VfB Stuttgart gegen Energie Cottbus als erfolgreicher Vereinstrainer in die Höhe recken durfte. Es war sein erster Titel als Trainer.

Polizei vor Fans, bevor der Fanmarsch sich in Bewegung setzt (Foto: SWR, Anita Westrup)
Schon vor dem Spiel herrscht in Berlin eine ausgelassene Fußball-Stimmung. Rund 10.000 Freiburger Anhänger treffen sich am Nachmittag am Theodor-Heuss-Platz, um von dort aus gemeinsam in einem Fanmarsch zum Berliner Olympiastadion zu ziehen. Anita Westrup Bild in Detailansicht öffnen
Es kann los gehen. Der SC Freiburg steht zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte im Finale des DFB-Pokals. Für Gegner RB Leipzig ist es bereits die dritte Finalteilnahme. picture alliance/dpa/Getty Images Europe/Pool Bild in Detailansicht öffnen
Start nach Maß: In der 19. Minute trifft Maximilian Eggestein aus rund 20 Metern ins linke untere Eck zum 1:0 für Freiburg. IMAGO/Beautiful Sports Bild in Detailansicht öffnen
Doch der Treffer sorgt für Diskussionen. Leipzig reklamiert Handspiel von Roland Sallai, der vor Torschütze Eggestein am Ball war. Der VAR schreitet ein und Schiedsrichter Stegemann überprüft die Szene. Der Ball springt Sallai tatsächlich an die Hand, doch der Treffer zählt, da Sallai nicht unmittelbar am Tor beteiligt gewesen sein soll. IMAGO/Picture Point LE Bild in Detailansicht öffnen
Freiburg nimmt die knappe 1:0-Führung mit in die Pause. Leider fallen einige sogenannte Fans immer wieder negativ auf: Im Freiburger Block wird ordentlich gezündelt. IMAGO/Beautiful Sports Bild in Detailansicht öffnen
Ab der 57. Minute spielen die Breisgauer in Überzahl. Leipzigs Marcel Halstenberg kann Lucas Höler nur mit einer Notbremse stoppen und sieht dafür die Rote Karte. IMAGO/Picture Point LE Bild in Detailansicht öffnen
Trotz der Überzahl kann Freiburg die Führung nicht über die Zeit retten. In der 76. Minute trifft Christopher Nkunku zum 1:1-Ausgleich. Nach einem Freistoß verliert Lienhart das Kopfballduell gegen Orban und Nkunku drückt den Ball am langen Pfosten über die Linie. IMAGO/Matthias Koch Bild in Detailansicht öffnen
Das Spiel geht in die Verlängerung. Freiburgs Trainer Christian Streich gibt an der Seitenlinie alles und pusht sein Team noch einmal nach vorne. IMAGO/Matthias Koch Bild in Detailansicht öffnen
Glück für Freiburg, dass es kurz vor Schluss der Verlängerung keinen Elfmeter für Leipzig gibt. Nicolas Höfler tuschiert im Zweikampf gegen Dani Olmo leicht den Ball, so dass sich Schiedsrichter Stegemann auch nach Sichtung der Bilder gegen einen Strafstoß entscheidet. IMAGO/Ulrich Hufnagel Bild in Detailansicht öffnen
Die Entscheidung muss im Elfmeterschießen fallen. Nils Petersen tritt als erster Spieler für Freiburg an und verwandelt sicher. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Als nächstes tritt Christian Günter für die Breisgauer an. Doch der SC-Kapitän schießt seinen Elfmeter weit übers Tor. Keven Schlotterbeck verwandelt danach zwar sicher, doch weil Leipzig alle Elfer bei SC-Keeper Mark Flekken im Tor unterbringt, ist die Partie nach Ermedin Demirovics Lattenschuss zu Ende. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Große Enttäuschung bei den Freiburger Spielern. In einer packenden Partie verliert der Sport-Club sein erstes Pokalfinale der Vereinsgeschichte. IMAGO/Matthias Koch Bild in Detailansicht öffnen

"Es gibt einige Anfragen"

Dass sich Löw noch einmal das stressige Tagesgeschäft Fußball antun könnte, erscheint nach den Vorzügen des Nationaltrainer-Lebens mit Erholungspausen zwischen Länderspielen und Turnieren für Wegbegleiter schwer vorstellbar. Aber Ruhestand mit 62? "Es gibt noch nichts Konkretes", äußerte er sich zu seinen Plänen. "Es gibt einige Anfragen, das eine oder andere Angebot, mit dem ich mich jetzt mal beschäftige in den nächsten Wochen. Entscheidung ist noch keine getroffen."

An eine neue Aufgabe als Auswahlcoach denkt der Weltmeister von 2014 eher nicht. "Wenn man mal Trainer von Deutschland war, ist es natürlich auch schwierig, irgendwo als Nationaltrainer etwas Anderes, auch Adäquates zu finden." Er würde "schon gerne wieder einen Klub trainieren. Das würde mir schon Spaß machen", sagte er.

Was sind die realistischen Optionen?

Auch in der Türkei und in Österreich war er vor seiner DFB-Anstellung tätig. Bei Borussia Dortmund wird Löw sicherlich nicht landen. Auch nicht auf Schalke. In Hoffenheim könnte man sich den Schwarzwälder schon etwas eher vorstellen. Oder im Ausland. Ein Türkei-Comeback bei Fenerbahce Istanbul, wohin er 1998 nach seiner Stuttgarter Zeit wechselte, war immer mal wieder im Gespräch.

Löw wurde in DFB-Zeiten auch immer wieder mal bei europäischen Topclubs wie Real Madrid gehandelt. Er lernte zeitweise Spanisch. Paris Saint-Germain könnte für einen Weltmeister-Trainer der letzte Kick sein, um ein Lebenswerk abzurunden, vielleicht nochmals neu zu krönen. Löw ist verfügbar - ein Vorteil. Die Sprachbarriere wäre für einen Kommunikator wie Löw hinderlich, der Stressfaktor extrem.

Schweinsteiger: "Löw könnte Vereinen helfen"

Ex-Nationalspieler und ARD-Experte Bastian Schweinsteiger, der mit Löw 2014 in Brasilien Weltmeister geworden war, kommentierte: "Ich weiß nicht, ob er an der Bundesliga interessiert ist. Aber er könnte sicher dem ein oder anderen Verein aus der Bundesliga helfen."

Löws langjähriger Weggefährte Andreas Köpke sprach anlässlich seines 60. Geburtstages im März ein Löw-Comeback an. Dieser habe nach dem Rücktritt als Bundestrainer «erst mal Abstand gebraucht», sagte der frühere Bundestorwarttrainer. 17 Jahre arbeiteten sie beim DFB zusammen, gemeinsam hörten sie auf. Und sie stehen weiterhin regelmäßig in Kontakt.

"Ich glaube nicht, dass der Jogi schon ganz aufhört und gar nichts mehr machen will. Das kann ich mir nicht vorstellen", sagte Köpke vor zwei Monaten. Er sprach auch von einem neuerlichen Gespann Löw/Köpke: "Grundsätzlich könnte ich mir mit Jogi schon vorstellen, etwas zu machen."

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