Giovane Elber lächelt 2021 bei einem Kinobesuch in München (Foto: IMAGO, Sven Simon)

Nach Pelés Tod und Messis WM-Triumph

Ex-VfB-Stuttgart-Star Giovane Elber: "Jedes brasilianische Kind kennt Pelé"

STAND
INTERVIEW
Johannes Seemüller

Giovane Elber, ehemaliger Stürmer des VfB Stuttgart und brasilianischer Nationalspieler, spricht im SWR-Interview über Pelés Einsatz für die Straßenkinder, Brasiliens Daumendrücken für Erzrivale Argentinien und Fredi Bobic als DFB-Direktor.

SWR Sport: Wie haben Sie die Nachricht vom Tod Pelés aufgenommen?

Giovane Elber: "Das war eine traurige Nachricht. Pelé ist hier in Brasilien alles in einem - großer Fußballer und großartiger Mensch. Bevor ein brasilianisches Kind den Namen seines Papas weiß, kennt es den Namen Pelés. Es ist wirklich unglaublich, was er für den Fußball, für den Sport überhaupt, geleistet hat.

SWR Sport: Pelé wird am kommenden Dienstag in einem Friedhof-Hochhaus in der Hafenstadt Santos beigesetzt. Zuvor findet eine Trauerfeier im Estádio Urbano Caldeira statt. Werden Sie dabei sein?

Giovane Elber: "Nein, ich werde das zu Hause in Londrina am Bildschirm verfolgen. Ich wohne einige hundert Kilometer entfernt und reise am nächsten Tag wieder nach Deutschland. Deshalb macht es für mich keinen Sinn, vor Ort dabei zu sein."

Am 29. Dezember war Fußballstar Pelé gestorben (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliande/dpa/AP/Marcelo Chello)
Ein Sportler, gekleidet für den Silvesterlauf in Sao Paulo, hält ein Schild "Danke Pelé" hoch. picture alliande/dpa/AP/Marcelo Chello

SWR Sport: Ich nehme an, die Trauerfeier wird noch einmal das ganze Land aufwühlen.

Giovane Elber:
Mit Sicherheit. Schon am Tag der Todesnachricht hat jeder TV-Sender in Brasilien den ganzen Tag nur über Pelè berichtet. Das war Wahnsinn. Es wird auch bei seiner Beerdigung so sein. Viele Prominente werden kommen, viele ehemalige Nationalspieler und Weggefährten.

SWR Sport: Warum war Pelé diese Identifikationsfigur für die Brasilianer. Worin lag sein Geheimnis?

Giovanne Elber:
Pelé war nicht nur Fußballer, sondern hat sich auch zu gesellschaftspolitischen Fragen geäußert. Er hat alles versucht, um die Politiker in Brasilien in Bewegung zu setzen, um gegen die Armut zu kämpfen. Als er sein 1000. Tor schoss, hat er es nicht seiner Familie gewidmet, sondern den Straßenkindern im Land. Er sagte damals, sein größter Wunsch sei, dass es irgendwann in diesem Land keine Straßenkinder und Favelas (Armenviertel, Anm.d.R.) mehr gebe. Leider haben wir auch heute noch Straßenkinder, Favelas und Armut.

"Pelé war einer von uns. Er war einer von nebenan. Du konntest jederzeit zu ihm hingehen. Eine ganz große Legende."

SWR Sport: Pelés Nachfolger sind bei der Fußball-WM in Katar im Viertelfinale an Kroatien gescheitert. Wie groß war Ihre Enttäuschung über dieses frühe Aus?

Giovanne Elber:
Man hat einen Fehler gemacht und wurde bestraft. Du kassierst drei Minuten vor Spielende ein Tor, das nicht passieren darf. Aber wir haben eine gute Mannschaft. Wir haben endlich ein Team - und nicht nur Neymar. Aber es hat leider nicht gereicht. Nach unserem Ausscheiden war jeder Fußballfan in Brasilien für Argentinien, oder besser gesagt: für Messi. Viele waren innerlich zerrissen: Sie wollten unbedingt, dass Messi endlich diesen großen Titel holt, obwohl sie eigentlich gegen Argentinien waren. So etwas hat es in Brasilien noch nie gegeben.

SWR Sport: In Deutschland wurde im Vorfeld und zu Beginn dieser WM beinahe mehr über die politischen Zustände im Gastgeberland Katar gesprochen, als über das Sportliche. Wie war das in Brasilien?


Giovanne Elber:
In Brasilien haben wir nur über sportliche Dinge gesprochen. Nur wenige Fans hierzulande wussten, was in Katar passiert ist. Von den geplanten symbolträchtigen Aktionen einiger Mannschaft hat hier kaum einer etwas mitbekommen.

SWR Sport:
Was halten Sie von solchen Aktionen wie dem Tragen der "One Love"-Armbinde?

Giovanne Elber: Grundsätzlich finde ich es richtig, wenn man sich im Sport Gedanken über Politik macht. Man muss seine Meinung zeigen - und das wollte das DFB-Team machen. Aber leider haben die anderen Verbände und Teams nicht mitgemacht. Die Kapitäne der Nationalteams hätten sich im Vorfeld zusammensetzen und eine gemeinsame Aktion durchziehen müssen. Aber so, wie es dann lief, war es natürlich nicht gut.

Elber und Bobic im Trikot des VfB Stuttgart bei einem Fußballspiel (Foto: IMAGO, Sportfoto Rudel)
Giovane Elber (li.) und Fredi Bobic 2018 beim VfB-Legendenspiel Sportfoto Rudel

SWR Sport: Nach dem überraschenden Vorrunden-Aus des DFB-Teams trat Direktor Oliver Bierhoff zurück. Als möglicher Nachfolger wird u.a. ihr Freund Fredi Bobic gehandelt, mit dem Sie erfolgreich beim VfB Stuttgart auf Torejagd gingen. Trauen Sie ihm diese Position zu?

Giovanne Elber:
Fredi ist für mich ein ganz großer Kandidat. Was er auf seinen Stationen in Burgas, Stuttgart, Frankfurt und jetzt in Berlin gelernt hat, ist stark. Er hätte es verdient.

SWR Sport: Wie haben Sie das erneute Vorrunden-Aus (nach 2018 in Russland) der deutschen Nationalmannschaft bei dieser WM wahrgenommen?


Giovanne Elber: Auch wenn ich dem deutschen Team nicht das WM-Finale zugetraut hatte, war das frühe Aus natürlich eine Enttäuschung. Die deutschen Auftritte 2018 und jetzt in Katar, die waren echt schlecht. Es war grausam. Aber Deutschland wird schon zur Heim-EM 2024 wieder angreifen. Es wird die Wende kommen, denn sie haben gute junge Spieler. Es kann nur besser werden.

SWR Sport: Was wünschen Sie sich für das Jahr 2023?

Das Wichtigste ist, gesund zu bleiben. Durch die Pandemie haben wir alle gemerkt, wie wichtig die Gesundheit ist. Alles andere kommt dann von ganz alleine.

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INTERVIEW
Johannes Seemüller

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