Christian Heidel will endlich wieder Zuschauer im Stadion sehen. (Foto: imago images, IMAGO / Christian Schroedter)

Fußball | Bundesliga

Mainz-Sportvorstand Christian Heidel: "Mit 1.000 Zuschauern verdienst du kein Geld"

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Sportvorstand Christian Heidel vom 1. FSV Mainz 05 ärgert sich über Geisterspiele. Seiner Meinung nach müsse die Bundesliga einen Weg finden, mit dem Coronavirus zu leben.

Eigentlich hatte Christian Heidel im Gespräch mit SWR Sport in Rheinland-Pfalz ganz gute Laune. Mainz 05 hatte am Samstag einen wichtigen Sieg gegen den VfL Bochum erkämpft und so den Vorsprung auf die Abstiegszone auf einen ordentlichen Puffer vergrößert. Wäre da nicht die Corona-Pandemie, die seine Laune trübte. Der 58-Jährige sitzt seit mehreren Tagen mit Erkältungssymptomen zuhause. "Ich selbst habe diese Woche bestimmt zehn Corona-Schnelltests gemacht", sagte Heidel im Schaltgespräch. "Der heute Morgen um 10 Uhr war positiv. Der um 13 Uhr war wieder negativ." Am Montag steht der PCR-Test an, der Klarheit bringen soll.

Klarheit wünscht sich Heidel auch für den Rest der Pandemie. Dabei geht es ihm gar nicht mal so sehr um die wirtschaftliche Wettbewerbsverzerrung, weil in jedem Bundesland unterschiedlich viele Zuschauer zugelassen sind. "Mit 1.000 Zuschauern verdienst du kein Geld, mit 3.000 auch nicht. Es geht viel mehr um die Frage, ob das auf den sportlichen Erfolg einwirkt", meinte Heidel. "Man kann jetzt natürlich sagen, die DFL soll das alles regeln - dann spielen wir alle ohne Zuschauer. Da bin ich aber auch nicht so ganz sicher, ob das die bessere Lösung ist."

Oberliga-Flair in der Bundesliga

Immerhin: Beim 1:0-Sieg gegen den VfL Bochum hat ihn das Retro-Flair im Mainzer Stadion durchaus beeindruckt: "Es hat Spaß gemacht, dass wenigstens ein paar Zuschauer da waren. Das hat mich aber sehr an alte Oberliga-Zeiten in den 1980er Jahren erinnert - da waren wir froh, wenn wir 1.000 Zuschauer hatten." Ebenso viele waren gegen den Klub aus dem Ruhrpott zugelassen.

Große Unterschiede innerhalb Europas

Im europäischen Vergleich könnte der Umgang mit Sportveranstaltungen während der Pandemie sehr viel größeren Einfluss auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Klubs haben. Schließlich dürfen die Vereine in England (keine Einschränkungen) und Spanien (maximal 75 Prozent Auslastung) vor sehr viel größerem Publikum spielen.

"Man kann das gar nicht vergleichen. Weil sich auch die politische Ausrichtung der Länder im Bezug auf die Pandemie überhaupt nicht vergleichen lässt", so Heidel. "Ich kenne das aus Spanien. Dort wird jetzt einfach umgestellt. Das Motto lautet: mit der Pandemie leben. Und das betrifft dann eben auch den Sport. Das ist eine grundsätzliche Entscheidung der Politik. Wir gehen in Deutschland momentan noch andere Wege. Aber ich bin gespannt, wie das alles weitergeht."

Heidel wünscht sich mehr Zuschauer in den Stadien

Heidel hält es für grundsätzlich machbar, auch während der Corona-Pandemie mehr Zuschauer in die Stadien zu lassen. "Garantien wird es nie geben. Aber wir sind an der frischen Luft. Und wenn dann nur 750 Leute in ein 80.000-Mann-Stadion wie in Dortmund rein dürfen, hat ja jeder seine eigene Reihe. Da ist völlig ausgeschlossen, dass sich da einer ansteckt. Und wenn 10.000 Zuschauer im Stadion wären, wäre das glaube ich auch machbar."

Der Sportvorstand gibt zu, dass die An- und Abreise so vieler Menschen in der Pandemie ein veritables Problem sei, "aber da muss man einfach ein bisschen innovativ sein".

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