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Jan-Moritz Lichte ist der neue Chefcoach beim 1. FSV Mainz 05. Der bisherige Co-Trainer sieht sich nicht als Übergangslösung, würde allerdings in die zweite Reihe zurückgehen. Unter einer Bedingung: "Wenn der Kloppo sagt, dass er wieder kommt."

Tatsächlich erinnert die Verpflichtung von Jan-Moritz Lichte als Cheftrainer an Jürgen Klopp - und an Thomas Tuchel. Beide kamen aus dem Verein. Klopp wechselte direkt von der Spielerkabine ins Zimmer des Cheftrainers, Tuchel hatte die A-Jugend zur Deutschen Meisterschaft geführt, bevor er 2009 Coach der Profis wurde.

"Dauerlösung vorstellbar"

Nun also Jan Moritz Lichte - eine Übergangslösung? Der 40-Jährige hält auch ein längerfristiges Engagement für möglich. "Ich kann mir prinzipiell die Dauerlösung vorstellen, aber das ist nicht das, worüber ich mir jetzt Gedanken mache", sagt Lichte bei seiner ersten Pressekonferenz in Mainz. 

Der bisherige Assistent folgt auf Achim Beierlorzer, von dem sich die Mainzer am Montag nach zwei Bundesliga-Niederlagen und weiteren internen Querelen getrennt hatten. Lichte soll die Mainzer nun auf das Bundesliga-Spiel am Freitag bei Union Berlin vorbereiten. "Die Vorstellung ist natürlich da, dass ich mir das längere Zeit zutraue, aber das ist nicht der Fokus, auf den ich jetzt setze", sagte Lichte.

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Jürgen "Kloppo" Klopp - die Kultfigur (2001-2008): Kloppo führt die Mainzer 2004 erstmals in die Bundesliga, ehe er vier Jahre später zu Borussia Dortmund wechselte. Beim FSV startete er seine steile Trainer-Karriere, nach sieben Jahren im Pott ging er zu Liverpool. Dort wurde die Trainer-Legende 2019 unter anderem Weltclub-Trainer des Jahres. (Foto: Imago, Sven Simon)
Jürgen "Kloppo" Klopp - die Kultfigur (2001-2008): Kloppo führte die Mainzer 2004 erstmals in die Bundesliga, ehe er vier Jahre später zu Borussia Dortmund wechselte. Beim FSV startete er seine steile Trainer-Karriere, nach sieben Jahren im Pott ging er zu Liverpool. Dort gewann er Meisterschaft und Champions League und wurde Weltclubtrainer des Jahres. Imago Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
Jörn Andersen - der zweite Aufstiegstrainer (2008-2009): Andersen trat in schwere Fußstapfen: Zum einen Klub-Legende Jürgen Klopp beerben und zum anderen den Wiederaufstieg schaffen. Diese Mission war erfolgreich, der "stille Genießer", wie er sich selbst beschreibt, wird zum Fan-Liebling. Aber nur für eine Saison: Schon nach dem Pokal-Aus in der ersten Runde und fünf Tage vor Liga-Beginn, wurde er gefeuert. Imago Contrast Bild in Detailansicht öffnen
Thomas Tuchel - der Taktik-Fuchs (2009 bis 2014): Er prägte die zweite Bundesliga-Ära am Bruchweg. Mit Tuchel und seinen taktischen Finessen ärgerten die Mainzer die großen Clubs in Serie. Nach seinem Rücktritt auf eigenen Wunsch und einem Sabbatjahr kam er nach Dortmund. Dort wurde Tuchel Pokalsieger, ehe er zu Paris Saint-Germain ging. Seitdem trainiert er Superstars wie Neymar und holte unter anderem zweimal die Meisterschaft. Imago Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
Kasper Hjulmand - der Unbekannte (2014-2015): Als weitgehend Unbekannter kam er im Juli 2014 an den Bruchweg, zuvor wurde Hjulmand einmal dänischer Meister. Der Däne fiel als Mann mit Stil auf. Kurz nachdem die Rückrunde begonnen hatte, musste er gehen. Nach nur einem Sieg aus 13 Partien waren die Mainzer in die Abstiegszone gerutscht. Danach wechselte Hjulmand als Trainer zurück nach Dänemark, ehe er eine Karriere als Berater startete. Imago Picture Point Bild in Detailansicht öffnen
Martin Schmidt - der Nachwuchs-Trainer (2015-2017): Fünf Jahre trainerte der Schweizer die zweite Mannschaft, bevor er zu den Profis berufen wurde. Er führte die Mainzer in Richtung internationaler Plätze und spielte 2016 erstmals in der Gruppenphase der Europa-League. Danach stürzte der FSV aber wieder ab. Obwohl er mit der Mannschaft knapp den Klassenerhalt schaffte, musste Schmidt nach nur zwei Jahren gehen. Danach stand er unter anderem in Wolfsburg und Augsburg an der Seitenlinie. Imago DeFodi Bild in Detailansicht öffnen
Sandro Schwarz - der Vereinstreue (2017-2019): Als Spieler in der Mainzer Jugend aktiv, feierte er unter Jürgen Klopp den Aufstieg in die Bundesliga, anschließend startete er seine Trainerkarriere. Sandro Schwarz ist ein Mainzer Urgestein. Er trainierte erst die U19, dann die zweite Mannschaft, ehe er 2017 das Bundesliga-Team übernahm. Nachdem er zwei Negativrekorde (höchste Niederlage, schlechtester Saisonstart) aufgestellt hatte, wurde er im November 2019 gefeuert - Endstation Mainz 05. Imago Eibner Bild in Detailansicht öffnen
Achim Beierlorzer - der Krisen-Trainer (2019-2020): Im November übernahm Beierlorzer die Mainzer im Abstiegskampf, konnte in einer Saison, die vor allem unter dem Stichwort "Corona" in Erinnerung blieb, mit Platz 13 den Klassenerhalt feiern. Nach Unstimmigkeiten mit der Mannschaft, die in einem Trainingsstreik gipfelte und bisher zwei Niederlagen in zwei Spielen, wurde Beierlorzer gefeuert. Imago Revierfoto Bild in Detailansicht öffnen
Jan-Moritz Lichte - der Neue (seit September 2020): Vom Co-Trainer zum Chefcoach auf unbestimmte Zeit in Mainz - er macht es wieder. Schon nach der Entlassung von Sandro Schwarz coachte der 40-Jährige die Profis, bis Achim Beierlorzer kam. Nach dessen Rauswurf ist Jan-Moritz Lichte erneut gefragt und bekommt nun die Chance, sich als Bundesliga-Chefcoach weiter zu profilieren. Bild in Detailansicht öffnen

Mit dem Streik hat sich die Mannschaft selbst unter Druck gesetzt

Als Co-Trainer habe er gelernt, "wie in der zweiten Reihe stehen kann und erkennt, dass ich gerade nicht gefragt bin." Das ändert sich nun - schlagartig. Lichte wird mit jedem einzelnen Spieler sprechen - was er bisher als Co nicht unbedingt musste. Nun will er und freut sich darauf.

Der "nette Kerl", wie er sich selbst beschreibt kann auch anders. Erste Entscheidung: Stürmer Adam Szalai hat auch unter Lichte keine Perspektive. "Das ist jetzt nicht mein Hauptthema für diese Woche." Unter dem beurlaubten Beierlorzer war der Ungar Szalai vergangene Woche nicht mehr für die erste Mannschaft berücksichtigt worden, die Profis hatten daraufhin gestreikt. Und was sagt der "nette Lichte" zur Streik-Truppe: "Die Mannschaft hat sich selbst zuzuschreiben, dass sie nun als schwierig gilt. Aber ich möchte sie alle so nehmen, wie sie sind - mit ihren positiven und negativen Eigenschaften, die wir alle haben - in der Kabine, auf dem Platz - dass sie alles was sie haben rein schmeißen, der Mannschaft, den Mitspielern zur Verfügung stellen." Dabei klingt Lichte entspannt: "Den Druck haben sie sich selber gemacht - daran werden wir sie messen."

Streitfall Szalai vor Gericht

Der Streitfall "Szalai" wird am 8. Oktober auch das Arbeitsgericht Mainz beschäftigen. Der Stürmer hatte noch im DFB-Pokal für die Rheinhessen getroffen, flog dann aber aus sportlichen Gründen, wie es von Klubseite hieß, aus dem Kader und soll fortan bei der U23 trainieren. Unabhängig davon wie der "Fall Szalai" ausgeht: Rouven Schröder bleibt. Der Mainzer Sportvorstand schloss einen Rücktritt nach den Querelen der vergangenen Woche aus. "Ich bin felsenfest überzeugt, dass ich mit dem ganzen Verein das Ruder rum reißen kann", so Schröder.

Kloppo hat dem Verein und der Stadt so unfassbar viel gegeben

Den Kurs gibt aber der neue Trainer vor. Jan-Moritz Lichte. Ein Unbekannter. Ein Trainer-Neuling. Ein Trainervorbild hat Lichte nicht, wobei: "Es wäre vermessen, zu sagen Kloppo sei mein Vorbild. Der Kloppo hat dieser Stadt, diesem Verein so unfassbar viel geben und wahrscheinlich würden sich alle wünschen, dass er wieder da wäre." Wenn Jürgen Klopp sagen würde, dass er nach Mainz zurückkommt, weil er nicht mehr als Liverpool Trainer arbeiten will, "bin ich der erste der sagt, schau' ich mir aus der zweiten Reihe an."

Orientieren an Klopp will sich Lichte aber dann doch: "Kloppo ist einer, der es in jedem Verein schafft, über eine lange Zeit immer wieder dafür zu sorgen, dass es doch noch ein Stückchen weiter vorwärts geht, ohne dass der Trainer dann keine Chance mehr hat, wenn es mal nicht so läuft, sondern immer wieder da raus kommt." Lichte will also keinen Platz auf dem Trainerkarussell und ständig auf einem anderen Gefährt sitzen. "Ich würde mir wünschen, dass ich solche Fähigkeiten wie Kloppo entwickele - wie genau der das macht, weiß ich nicht. Er würde aber sicher bestätigen, dass es charakterliche Unterschiede zwischen uns beiden gibt."

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