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Sein Traum war eigentlich schon fast vorbei, erzählt Robert Glatzel: "Dass ich jetzt noch in der Bundesliga spielen darf, ist einfach ein Riesen-Geschenk." Der Karriereweg des Mainzer Stürmers war bislang so steinig wie lehrreich.

Die Karriere des heute 27-jährigen Robert-Nesta Glatzel kam nur schleppend in Fahrt. Als Teenager wechselte der Angreifer in die U19 von 1860 München, doch während viele seiner Teamkameraden längst mit Profi-Verträgen ausgestattet waren, kickte Glatzel noch für 250 Euro pro Monat. "Als 18-Jähriger lief es einfach nicht so richtig. Aber ich bin extrem dankbar, dass ich diesen härteren Weg gegangen bin, ich habe dadurch so viel gelernt. Ich musste immer weiter Gas geben und mir alles erarbeiten. Ich gehe auch mit Niederlagen ganz anders um, das ist ein Vorteil. Ich weiß, dass man immer wieder aufstehen muss", sagte Glatzel im Gespräch mit SWR Sport.

Über den SV Heimstetten und Wacker Burghausen wechselte Glatzel 2017 schließlich zum 1. FC Kaiserslautern, empfahl sich im Regionalliga-Team der Roten Teufel für die 2. Bundesliga. Nach zwei Jahren auf dem Betzenberg unterschrieb der Stürmer in Heidenheim. Dort machte er sich spätestens mit seinen drei Treffern beim 4:5 im DFB-Pokal gegen den FC Bayern einen Namen. Die Tür zum Bundesliga-Traum ging das erste Mal ein Stück weit auf, im Sommer 2019 wird unter anderem der VfB Stuttgart als Interessent gehandelt. Doch es kam anders: Glatzel wechselte nach England, in die zweite Liga zu Cardiff City.

Mateta-Transfer öffnet Tür für Glatzel

Auf der Insel knüpfte der 1,93 Meter große Mittelstürmer nicht an seine Leistungen an, tauchte in der öffentlichen Wahrnehmung ab. Kurz vor Ende der letzten Winter-Wechselperiode eröffnete sich dann eine unerwartete Chance. Jean-Philippe Mateta hatte Mainz kurz zuvor in Richtung Premier League verlassen, Glatzel wechselte für ein halbes Jahr auf Leihbasis zu den Rheinhessen - endlich angekommen in der Bundesliga: "Das ist eine Riesen-Chance für mich persönlich und ein Traum, der in Erfüllung geht. Nach so langer Zeit ist es umso schöner, dass das noch geklappt hat."

Mainz

Fußball | Bundesliga Bayern-Schreck Robert Glatzel und die Mission Mainzer Klassenerhalt

Im Transfer-Endspurt verpflichtete der FSV Mainz 05 Mittelstürmer Robert Glatzel aus Cardiff. Der ehemalige Heidenheimer schoss vor knapp zwei Jahren beinahe den FC Bayern München aus dem Pokal.  mehr...

Nach zunächst sechs Joker-Einsätzen am Stück stand Robert-Nesta Glatzel, wie er mit vollem Namen heißt, erstmals gegen die TSG Hoffenheim in der Startelf. 26 Sekunden benötigte der Angreifer für den Führungstreffer, Mainz gewann 2:1. Gegen Arminia Bielefeld kamen die Nullfünfer am vergangenen Spieltag trotz bester Gelegenheiten nicht über ein 1:1 hinaus. "Wenn wir bei den vielen Torchancen nur ein Tor schießen, ist das schon ärgerlich", analysierte Glatzel durchaus selbstkritisch: "Natürlich freut man sich über jede gute Aktion, mit der man der Mannschaft helfen kann, aber als Stürmer will man immer ein Tor machen."

Eine "richtig geile Aktion" reicht nicht aus

Das gelang dem Mittelstürmer zwar nicht, immerhin war er aber an der Entstehung des einzigen Mainzer Treffers beteiligt. Im Mittelfeld erhält er den Ball von Moussa Niakhaté, dreht sich geschickt um seinen Gegenspieler herum: "Ich sehe Johnny [Burkhardt] in die Tiefe starten und weiß, dass er sehr schnell ist. Er macht das klasse, macht einen Haken, klarer Elfmeter. Brosi [Daniel Brosinski] macht den super rein. Das war eine richtig geile Aktion von uns allen. Schade, dass es am Ende nicht gereicht hat."

Letztlich kostete die mangelnde Chancenverwertung wichtigte Punkte gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. "Wir sind nicht Bayern München oder Leipzig, die haben eine andere Qualität. Die brauchen drei Chancen und machen zwei Tore, wir sind aber nicht so gut. Deshalb sind wir unten drin", bemerkte Glatzel: "Wir müssen kleine Dinge besser machen, um uns komplett von unten abzusetzen."

Dafür braucht Mainz 05 in den kommenden Wochen noch den ein oder anderen Treffer von Stehauf-Männchen Glatzel: "Wir müssen weiter Gas geben, die Gegner bearbeiten und kämpfen. Wenn wir so weitermachen, wie in den letzten Wochen, dann bin ich mir sehr sicher, dass wir es schaffen."

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