Christian Heidel, Sportvorstand des FSV Mainz 05 (Foto: IMAGO, Imago/ Martin Hoffmann)

Fußball | Bundesliga

Sportvorstand Christian Heidel: "Alles über dem Strich ist gut für Mainz 05"

STAND
INTERVIEW
Claudia Deeg

Vor dem Bundesliga Re-Start äußert sich der Mainzer Sportvorstand Christian Heidel im SWR-Interview zu den Zielen der 05er, zum neuen Keeper des FC Bayern München und auch zur Rückkehr von Rudi Völler zum DFB.

SWR Sport: Am 13. November, beim 1:1 gegen Eintracht Frankfurt, rollte zum letzten Mal der Ball in der Fußball Bundesliga für den FSV Mainz 05. Wegen der WM in Katar gab es ja die längste Winterpause aller Zeiten. Christian Heidel, fühlt sich das jetzt an wie ein zweiter Saisonstart?

Christian Heidel: Ich muss ehrlich sagen, ich weiß gar nicht, wie es sich anfühlt. Ich hatte so etwas noch nie, dass wir so eine lange Pause haben. Es ist auf jeden Fall irgendwie alles sehr, sehr komisch und wir sind alle auch ein bisschen gespannt.

Aber freudig gespannt? Oder ist auch ein bisschen die Sorge da, dass vielleicht die Spannung fehlt und nicht alle auf den Punkt fit sind?

Das weniger. Jeder freut sich ja darauf, dass es wieder losgeht. Da habe ich jetzt weniger Bedenken. Aber jeder ist natürlich ein bisschen unsicher, wo er steht. Das geht aber uns genauso wie unserem Gegner VfB Stuttgart und auch allen anderen Mannschaften in der Bundesliga so.

Reden wir mal über das Sportliche. Mainz ist Zehnter in der Tabelle. Jetzt geht es zum Tabellensechzehnten VfB Stuttgart. Da muss doch eigentlich gleich mal ein Erfolg her, so als Signal?

Das wünschen wir uns wahrscheinlich beide, die Stuttgarter und auch wir Mainzer. Klar, der VfB ist da noch ein bisschen mehr unter Druck, insbesondere weil er zu Hause spielt. Und das wollen wir natürlich auch ein bisschen ausnutzen, dass wir die Nervosität, die sie vielleicht haben, noch ein bisschen steigern können. Aber wir sind uns natürlich schon darüber im Klaren, dass das eine ganz heiße Nummer wird in einem vollen Stadion in Stuttgart mit einer tollen Atmosphäre. Das wird sicherlich alles andere als einfach.

Stuttgart

SWR1 Stadion - Samstag von 14 - 18 Uhr Der 18. Spieltag der Fußball-Bundesliga

Freiburg und Mainz stehen vor schwierigen Auswärtsaufgaben: Mainz muss zu Union Berlin. Freiburg zu Borussia Dortmund.
SWR 1 Stadion mit dem 18. Spieltag der Bundesliga und den aufstiegsgefährdeten Teams aus Kaiserslautern und Heidenheim.

Stadion SWR1 Baden-Württemberg

Schauen Sie dann vielleicht eher schon auf die nächsten Spiele?

Nein, das wäre fatal. Ich hoffe, unsere Spieler auch nicht. Wir sind da schon sehr, sehr fokussiert auf das Spiel in Stuttgart. Jeder will einen guten Start haben, wir natürlich auch. Da macht sich keiner Gedanken, dass es nächste Woche gegen Dortmund, Bochum und Bayern München geht. Wir haben nur Stuttgart im Kopf.

Schauen wir einmal auf die Konkurrenz. Torwart Yann Sommer ist auf den letzten Drücker von Borussia Mönchengladbach zu den Bayern gegangen. Als Ersatz für den verletzten Manuel Neuer. Werden die Bayern jetzt vielleicht doch nicht Meister?

Ich glaube, sie haben sich jetzt auf der Torhüterposition ganz sicher nicht verschlechtert. Das ist sicherlich ein etwas kurioser Wechsel für so viel Geld, ein halbes Jahr vor Auslaufen eines Vertrages. Der Jüngste ist Yann Sommer ja auch nicht mehr (34, Anm. der Redaktion). Aber die Bayern gehen kein Risiko ein. Dann haben sie sicher, auch wenn es nicht günstig war, den bestmöglichen Torwart verpflichtet. Also das wird sicherlich nicht die Ansprüche des FC Bayern nach unten bringen.

Aber entspricht das wieder dem alten Vorwurf, so etwas kann sich ja nur der FC Bayern leisten und damit kaufen sie sich wieder den Sieg zusammen?

Sie haben das Geld ja nicht gestohlen. Also das sehe ich gar nicht als Vorwurf. Das ist das gute Recht des FC Bayern, ob es uns passt oder nicht passt. Das Geld haben sie sich verdient. Und wenn sie das Geld haben, dann können Sie auch so einen Transfer machen. Wir könnten es ganz sicher nicht. 

Der neue DFB Sportdirektor: Rudi Völler (Foto: IMAGO, Imago/ Sven Simon)
Für Christian Heidel die perfekte Übergangslösung als DFB Sportdirektor: Rudi Völler Imago/ Sven Simon

Schauen wir noch einmal bitte kurz zurück auf die WM. Die deutsche Mannschaft hat in Katar ja wirklich enttäuscht. Und in der Folge ist Oliver Bierhoff als Sportdirektor des DFB zurückgetreten. Als Nachfolger soll es jetzt der Weltmeister von 1990 und frühere Teamchef der Nationalelf Rudi Völler richten. Eine gute Lösung?

"Ich muss ehrlich sagen, mir fällt gar kein anderer ein"

Das ist ja eine ganz, ganz schwierige Situation. Die Europameisterschaft ist in anderthalb Jahren, da kann man nicht mehr groß ausprobieren und eingewöhnen. Rudi Völler kennt alle Abläufe, er weiß Bescheid. Das ist sicherlich keine Lösung für die nächsten zehn Jahre. Ich glaube aber, das will der Rudi auch nicht mehr. Aber als eine Lösung, jetzt bis zur Europameisterschaft in Deutschland, die ja ungemein wichtig für uns Deutsche ist, da sehe ich das schon als eine recht gute Lösung an.

DFB Präsident Neuendorf hatte aber gesagt, es wird einer gebraucht, Zitat, "der alles auf links dreht". Kann Rudi Völler das? Oder ist er mit seinen 62 Jahren nur so eine Art Übergangslösung?

Ich denke er wird sich selbst als Übergangslösung sehen. Eigentlich wollte er ja auch die Geschichte mit dem Fußball etwas zurückfahren, deswegen ist er ja auch nicht mehr bei Bayer Leverkusen. Ich glaube, jetzt geht es darum, alles dafür zu tun, dass wir eine erfolgreiche Europameisterschaft in Deutschland spielen können. Wenn es noch einmal schief geht, wäre das insgesamt für den deutschen Fußball schlecht. Ob man das jetzt erreichen kann, indem man alles auf links dreht und alles innerhalb  von eineinhalb Jahren zum Erfolg bringt – das halte ich für schwierig. Deswegen ist die Lösung, die jetzt getroffen wird, vielleicht die beste für diese eineinhalb Jahre. Und dann wird man sehen, wie es weitergeht.

Zum Schluss schauen wir natürlich noch auf ihr Team, auf den FSV Mainz 05. Was glauben sie, wo wird die Mannschaft am Ende der Saison stehen?

Das Wichtigste, das sage ich immer, ist, dass wir in der kommenden Saison wieder in der Bundesliga spielen. Das ist immer unser primäres Ziel. Ich glaube, viel wird davon abhängig sein, wie wir starten. Wir hatten jetzt große Verletzungsprobleme, das müssen wir irgendwie überwinden. Was bei uns etwas schwieriger ist, als zum Beispiel beim FC Bayern. Aber wir sind da eigentlich recht optimistisch, dass wir eine gute Rückrunde spielen können. Und alles, was über dem Strich ist, möglichst weit weg vom Strich, ist gut für Mainz 05.

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Claudia Deeg

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