Dimo Wache (Torhüter) beim Abschiedsspiel beim FSV Mainz 05 (Foto: IMAGO, IMAGO / Martin Hoffmann)

Fußball | Bundesliga

Ex-Mainz-Torhüter Wache: "Schmerzmittel sind mein täglicher Begleiter"

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AUTOR/IN
Christian Döring

Dimo Wache, ehemaliger Torwart beim FSV Mainz 05, bezahlt für seine erfolgreiche Profi-Karriere einen hohen gesundheitlichen Preis: 36 Operationen hat er an seinem geschundenen Körper bereits ertragen müssen. Für sein außergewöhnliches Durchhaltevermögen wurde ihm jetzt der DUMUSSTKÄMPFEN-Preis der Jonathan-Heimes-Initiative verliehen.

Noch eine Dreiviertelstunde bis zum Anpfiff: Dimo Wache ist auf dem Weg ins Böllenfalltor-Stadion. Die Fan-Gesänge schwellen an, die Luft vibriert. Der Torwart-Trainer des Zweitligisten Darmstadt 98 saugt die Stimmung bewusst auf. "Diese Atmosphäre zu spüren, zu riechen, zu schmecken", beschreibt er sein Empfinden im Interview mit SWR Sport, wenn er im Strafraum die Aufwärm-Arbeit der Torleute steuert. "Es ist für mich noch immer nicht selbstverständlich, dass ich da jede Woche reinlaufen kann. Definitiv!" Denn seine letzte Auszeit aufgrund schwerer Operationen dauerte ganze zwei Jahre, die Ärzte machten ihm keine Hoffnung mehr - doch der 49-Jährige kämpfte sich zurück. Zum X-ten Mal mittlerweile.

36 Operationen bei Dimo Wache

Dimo Wache bestritt 406 Pflichtspiele für den FSV Mainz 05, stieg zweimal in die Bundesliga auf, ist Ehrenspielführer des Klubs aus der rheinland-pfälzischen Hauptstadt. Der Preis für den Knochen-Job zwischen den Pfosten ist hoch: Schultern kaputt, Sprunggelenk versteift, zwei künstliche Knie-Gelenke und etliche weitere Operationen. "Es waren 35, 36 OPs, die ich über mich ergehen lassen musste", erzählt Dimo Wache und wird nachdenklich. Denn zu den latenten Schmerzen gesellt sich bei jedem Eingriff der Zwang, pausieren und neu anfangen zu müssen: "Weil man zum Nichtstun verdonnert ist. Man darf wirklich drei Monate keinerlei Belastung auf den Fuß ausüben. Und wenn man eigentlich ein aktiver Mensch ist, ist das nicht ganz so einfach. Und ich glaube, ich bin meiner Familie das eine oder andere Mal auf den Zeiger gegangen!" Dimo Wache lacht.

"Seine eiserne Disziplin und sein Glauben, das Unmögliche schaffen zu können, ist eine Geschichte mit einer ungeheuer positiven Kraft."

Familie als Rückhalt

Dass die Familie sein großer Rückhalt ist über all die schweren Jahre hinweg, zeigt sich am emotionalen Abend der Preis-Verleihung eindrucksvoll. Ehefrau Simone und Tochter Nele begleiten Dimo Wache in die Darmstädter Event-Location H7, wo ihm der DUMUSSTKÄMPFEN-Preis 2022 überreicht wird. Die Leistung des Ex-Profis würdigt kein geringerer als Torsten Lieberknecht, gebürtiger Pfälzer, Cheftrainer von Darmstadt 98 und vor allem: dicker Freund von Dimo Wache seit über zwei Jahrzehnten schon.

Lieberknecht bringt in seiner Laudatio Waches Kämpfernatur auf den Punkt: "Seine eiserne Disziplin und sein Glauben, das Unmögliche schaffen zu können, ist eine Geschichte mit einer ungeheuer positiven Kraft." Es folgen stehende Ovationen. Dimo Wache ist tief berührt. Und sein Dank geht noch einmal an seine Familie und Freunde, die ihm durch bewegte Zeiten hindurch beigestanden haben. "Und an Johnny. Er ist jetzt ganz sicher hier bei uns", formuliert Dimo Wache mit Tränen in den Augen.

Gedenken an Johnny Heimes

Johnny, das ist Jonathan Heimes, einstmals ein hochtalentierter Tennisspieler aus Darmstadt. Als Jugendlicher erkrankte er aber an einem Hirntumor, kämpfte jahrelang erfolgreich gegen den Krebs und gründete mit seiner Familie sogar die Initiative "DUMUSSTKÄMPFEN!". Bei den sensationellen Aufstiegen der Lilien von der 3. Liga bis in die Bundesliga war Johnny Motivator, Wegbegleiter und Maskottchen gleichermaßen. Als Jonathan Heimes dann doch mit 26 Jahren dem Tumor erlag, trauerte auch Dimo Wache bei dessen Beerdigung mit. "Ich bin wirklich heilfroh, dass ich diesen Weg ein kleines Stück mitgehen konnte", sinniert Wache. "Weil ich auch für mich persönlich daraus gelernt habe. Denn er hat nie aufgegeben!"

Tägliche Schmerzmittel

Und aufgeben will auch Dimo Wache nicht - trotz aller Folgen seiner Profi-Karriere, die auch jetzt noch tagtäglich zu spüren sind. Denn komplett fit oder gar schmerzfrei wird der 49-Jährige wohl nie mehr werden. "Schmerzmittel sind eigentlich mein täglicher Begleiter, leider Gottes, weil immer was anderes weh tut."

Dimo Wache im Tor vom FSV Mainz 05 (Archiv) (Foto: IMAGO, IMAGO / Alfred Harder)
In insgesamt 406 Pflichtspielen stand Dimo Wache für den FSV Mainz 05 zwischen den Pfosten IMAGO / Alfred Harder

Dass er am Tag der Preis-Verleihung zusammen mit seinem Freund Torsten Lieberknecht erfolgreich das Team gecoacht hatte, gerät fast zur Nebensache. Bei den Toren zum 2:0-Sieg von Darmstadt 98 gegen Nürnberg tobt das ganze Stadion, nur Dimo Wache genießt im Stillen und bleibt lieber sitzen: "Wenn zumindest einer auf der Bank klaren Kopf behält, ist das von Vorteil." Wache muss schmunzeln dabei und lacht herzhaft bei der Nachfrage, ob das Nicht-jubeln etwa eine Vorsichtsmaßnahme sei, um seinen Körper zu schonen: "Hochspringen würde vielleicht Probleme bereiten, aber aufstehen geht."

Und wenn einer aufstehen kann, dann er. Das hat er in seinem Leben schon unzählige Male bewiesen. Dimo Wache - im lauten Fußball-Geschäft ein stilles, aber eindrucksvolles Vorbild.

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