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Sieben Spiele in Folge ungeschlagen, den FC Bayern besiegt. Mainz 05 setzt in der Rückrunde und besonders im Abstiegskampf ein Ausrufezeichen nach dem anderen. Von der Konkurrenz bekommen die Rheinhessen große Anerkennung. Doch der Mainzer Sportvorstand Christian Heidel drückt dann doch etwas auf die Euphoriebremse. Aus guten Gründen.

Es war ein fast unwirkliches Bild am Samstag in der Mainzer Arena. Lachende, jubelnde, teils feiernde Profis samt Trainerstab. Doch nicht der Favorit und "Quasi-Meister" Bayern München freute sich über die neunte Meisterschaft in Serie. Der Außenseiter und Underdog Mainz 05 spielte den Partycrasher und bejubelte einen völlig verdienten Sieg. Es waren die Szenen des Spieltages.

Ein sensationelles Comeback

"Das ist schon was ganz Besonderes", gibt der 05er Sportvorstand Christian Heidel zu. "Das hat man, muss man zugeben, ja nicht auf dem Rechenzettel stehen." Diese Szenen nach Schlusspfiff dienen aber auch als Sinnbild für eine Rückrunde einer Mainzer Profimannschaft, die es so noch nie gegeben hat. 27 Punkte, seit sieben Spielen ungeschlagen. Top-Teams wie Leipzig, Gladbach oder eben auch die Bayern besiegt. Und das nach einer Hinrunde mit gerade mal sieben Zählern und ganz viel Frust. Im Dezember war der FSV abgeschrieben. Vorletzter.

Beeindruckende Wandlung

Seit Christian Heidel, Sportdirektor Martin Schmidt und Trainer Bo Svensson im Januar übernahmen, ging ein Ruck durch Mannschaft und Verein. "Ich konnte niemanden nach Mainz holen, der Mainz erst kennen lernen musste", erklärt Heidel die sportliche Auferstehung. "Uns ist es gelungen, sehr schnell Vertrauen zu schaffen, bei der Mannschaft, dass sie an diesen Weg glaubt und auch bei den Mitarbeitern, dass wir nur zusammen diesen Weg schaffen."

Svensson holte mit einer auch mental wiedererstarkten Mannschaft bislang 27 Punkte. Platz fünf in der Rückrundentabelle. Eine beeindruckende Wandlung hat die Mainzer Mannschaft in den letzten drei Monaten vollzogen. Neben Schalke 04 war der FSV klarer Abstiegskandidaten mit klarem Trend zweite Liga. Seit Svensson im Amt ist spielt das Team deutlich selbstbewusster, mit Leidenschaft, ausgeprägtem Kampfgeist aber auch einer gewissen Spielfreude. Der Däne lässt wieder nach den klassischen Mainzer Tugenden Fußball spielen.

Sinnbild für den Mainzer Mut

Die Leistung und auch die Herangehensweise gegen den deutschen Rekordmeister stehen daher sinnbildlich für Heidel. "Bo hat durchgewürfelt. Auch das ist ja Mut, einfach mal umzustellen gegen Bayern München. Dass zeigt natürlich auch, dass er das Vertrauen in diesen gesamten Kader hat, der jetzt so zusammengestellt ist, wie er eben ist. Das ist schon sehr außergewöhnlich ist, was da in den letzten drei, vier Monaten zusammengewachsen ist", erklärt Heidel gegenüber SWR Sport.

Abstiegskampf wird zur "Millimeterentscheidung"

Trotz starker Form und enormer Punkteausbeute, sieht der Mainzer Sportvorstand noch keinerlei Vorentscheidung im Abstiegskampf. Die 05er haben zwar mittlerweile fünf Punkte Abstand zum Relegationsplatz und noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Auf Rechenspielchen verfrühte Gratulationen zum Klassenerhalt, will sich Christian Heidel definitiv nicht einlassen. "So richtig raus kommen wir erst dann, wenn wir das fast Unmögliche wirklich möglich gemacht haben. Und es ist immer noch nichts sicher. Das Schulterklopfen kann jetzt vorbei sein. Der Blick geht schon Richtung Hertha BSC (Nachholspiel, 03.05., 18:00 Uhr)."

Und trotzdem weiß man in Mainz die Besonderheit und Wichtigkeit der drei Punkte gegen Bayern einzuordnen. "Man sieht ja, wie eng es zugeht. Ich glaube, dass, es eine Millimeterentscheidung am Ende sein kann." Der Klassenerhalt wäre unter diesen Umständen ein abolutes Novum. Noch nie ist eine Mannschaft mit einer solch niedrigen Punkteausbeute in der Hinrunde, anschließend in der Liga geblieben.

Ein Sieg im Heimspiel gegen Konkurrent Hertha BSC und Mainz 05 hätte eventuell sogar letzten großen Schritt gemacht. "Davon dürfen wir uns aber überhaupt nicht beeinflussen lassen, Genauso wie gegen Bayern auf den Platz gehen", gibt der 57-jährige Heidel die Richtung vor. Sie sollte und wird wohl in das für nicht mehr möglich gehaltene 13. Jahr Bundesliga führen. Es wäre irgendwie auch typisch für Geschichte von Mainz 05.

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