Die Mainzer Kaderplaner Martin Schmidt und Christian Heidel (Foto: IMAGO, Imago/Jan Huebner)

Fußball | Analyse

Mainzer Gelassenheit auf dem Transfermarkt

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Achim Scheu

Während die Clubs europaweit in den letzten Tagen noch Spieler hin und her verkaufen oder verleihen, herrscht bei Mainz 05 rheinhessische Ruhe und Beschaulichkeit - zumindest in der Außenwahrnehmung.

"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Und wenn morgen die Saison beginnen würde, dann hätten wir eine wettbewerbsfähige Mannschaft am Start". Diesen Satz hat 05-Sportvorstand Christian Heidel am Tag des Trainingsauftakts im Sommer, am 21. Juni 2022, in einem SWR-Interview gesagt. Und auch wenn diese Aussage vor zehn Wochen vielleicht ein leichtes Erstaunen oder Stirnrunzeln bei den Fans zur Folge hatte, Heidel sollte Recht behalten.

Bis auf den Niakathé -Transfer blieb alles ruhig

Einzig der Wechsel von Kapitän Moussa Niakhaté zu Nottingham Forest war von ein paar Nebengeräuschen begleitet. Wobei auch in dieser Personalie der Sportvorstand Heidel, genauso wie Sportdirektor Martin Schmidt, frühzeitig Position bezogen hatten. Entweder würde der Franzose seinen bis 2023 laufenden Vertrag verlängern und bleiben, oder eben vor Ablauf des laufenden Arbeitspapiers verkauft werden. Einen ablösefreien Wechsel im Sommer 2023 schlossen die Mainzer vorher aus, genauso beim ebenfalls transferierten Jeremiah St. Juste zu Sporting Lissabon. Über Transfersummen wird in Mainz nicht laut gesprochen, aber geschätze 20 Millionen Euro dürften beide Wechsel in die Mainzer Kassen gespült haben.

Frühzeitig die Kaderbaustellen geschlossen

Die offenen Planstellen in der Abwehr haben die Mainzer schnell geschlossen. Vom VfL Bochum kam Maxim Leitsch. Der 24-Jährige wurde sofort Stammspieler. Mit Niklas Tauer traut man einem Nachwuchsspieler aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum den nächsten Schritt zu, sich in der Bundesliga zu etablieren. Tauer kam bisher eher als Backup zum Einsatz, soll mittelfristig aber eine größere Rolle einnehmen, auch wenn die in der Dreierkette gesetzten Stefan Bell oder Alexander Hack mal ausfallen sollten.

Mittelfeld und Sturm gezielt verstärkt

Mit Marcus Ingvartsen (Union Berlin), Dominik Kohr (Eintracht Frankfurt) und Delano Burgzorg (Heracles Almelo) wurden drei bisherige Leihspieler fest verpflichtet. Danny da Costa und Aymen Barkok kamen von Eintracht Frankfurt dazu. Die Verpflichtung des Franzosen Anthony Caci von Racing Straßburg hatten die 05er schon im Winter fix gemacht. Einzig die Verpflichtung von Angelo Fulgini von Angers SCO aus Frankreich hatte einen gewissen Überraschungsmoment, denn mit diesem Neuzugang war nicht unbedingt zu rechnen. Insgesamt haben die Mainzer (Quelle: Sportinformationsdienst/sid) etwa 15,3 Millionen Euro für Nezugänge investiert.

Im Kader kräftig aufgeräumt

Auf der anderen Seite haben die 05er, fast schon unbemerkt, auch kräftig aufgeräumt im Profikader. Sieben Neuzugängen, wenn man die jetzt fest verpflichteten Leihspieler hinzuzählt, stehen 14 Abgänge gegenüber.

Neben den bereits erwähnten Moussa Niakhate und Jeremiah St. Juste gingen mit Luca Kilian (fest zum 1. FC Köln), David Nemeth (zum FC St. Pauli) und Dimitri Lavalee (zum KV Mechelen) drei Defensivspieler, die nie wirklich ihre Stärken im 05-Trikot dauerhaft zeigen konnten. Zudem haben Jonathan Meier (zu Dynamo Dresden), Kevin Stöger (ablösefrei zum VfL Bochum), Ronael Pierre-Gabriel (leihweise zu Racing Straßburg), Jean-Paul Boetius (ablösefrei zu Hertha BSC), Daniel Brosinski (Ziel unbekannt) sowie zumindest vorübergehend noch Paul Nebel und Merveille Papela den Club verlassen. Der Vertrag mit Issah Abbas wurde am Mittwoch noch aufgelöst. Anderson Lucoqui haben die Mainzer für ein Jahr an den Zweitligisten FC Hansa Rostock verliehen. Die Einnahmen (Quelle: Sportinformationsdienst/sid) für die Rheinhessen betragen demnach 23,75 Millionen Euro. Das wäre ein Plus von 8,45 Millionen Euro.

Talenten mit Leihen zu Spielzeit verhelfen

Das Nachwuchsleitungszentrum von Mainz 05 zählt zu den erfolgreichsten in Deutschland. Kein anderer Bundesligist zieht derart viele Talente aus der eigenen Jugend hoch zu den Profis. Die Mainzer haben in den letzten Jahren immer wieder mit geschickten Leihgeschäften den eigens ausgebildetet Spielern zum nächsten Karriereschrittt verholfen. Allein in diesem Jahr haben die 05er mit Paul Nebel (Leihe für ein Jahr zum Karlsruher SC) und Merveille Papela (ein Jahr Leihe zum SV Sandhausen) zwei hoffnugsvollen Nachwuchsspielern die Chance eröffnet, eine Liga tiefer Spielpraxis und Matchhärte zu bekommen. Beide Leihen sind jeweils ohne Kaufoption vereinbart. Im Sommer 2023, so der Plan, sollen beide wieder zu den Rheinhessen zurückkehren.

In der Ruhe liegt die Kraft

Was nach außen hin so ruhig wirkt, macht intern sicherlich sehr viel Arbeit. Christian Heidel und Martin Schmidt hatten bestimmt viel zu tun in den letzten Wochen. Auch wenn nach außen Ruhe und Gelassenheit demonstriert wurde. Insgesamt 22 Kaderbewegungen gab es in diesem Sommer beim FSV. Das ist schon mehr als ein mittelgroßer Umbruch, nur kommt das nicht so dramatisch daher wie bei manch anderem Verein.

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Achim Scheu

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