Mainz 05 - mit Rückenwind in die Bundesligasaison (Foto: Imago, Imago/Marcel Lorenz)

Fußball | Bundesliga

Teamcheck Mainz 05: Mit Rückenwind in die neue Saison

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Im DFB-Pokal kamen die Mainzer zwar nur glücklich weiter, in die Bundesligasaison gehen die Rheinhessen dennoch mit viel Selbstbewusstsein. Der Grund: Die letzte Rückrunde mit 32 Punkten.

So lief die vergangene Saison:

So oder so war die letzte Saison eine, die in die Geschichtsbücher des Vereins eingehen wird. Drei Trainer haben die 05er verschlissen, bevor Bo Svensson die Mannschaft wieder in die Spur brachte. Das war für den sonst so ruhigen Verein ein Novum in seiner Bundesligageschichte. Mit Achim Beierlorzer und Jan-Moritz Lichte hat nur sehr wenig funktioniert. Lediglich Schalke 04 spielte eine noch schlechtere Hinrunde als der FSV. Interimstrainer Jan Siewert saß nur ein Spiel auf der Bank, dann kam Svensson. Der legte mit einer bis dahin überhaupt nicht funktionierenden Mannschaft die besten Rückrunde der Vereinsgeschichte hin, unter anderem mit Siegen gegen die Topteams aus Leipzig und München. Mit famosen Leistungen, die keiner erwartet hatte, packten die 05er am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt. 32 Punkte holten die Rheinhessen in der zweiten Saisonhälfte, in der Rückrunden-Tabelle belegten sie am Ende Rang fünf. Nicht auszudenken wohin das geführt hätte, hätte die Mainzer auch noch eine halbwegs akzeptable Vorrunde gespielt.

 Wer kommt, wer geht:

Mainz will mit Dreierkette in der Defensive spielen. Das zeigen auch die Neuverpflichtungen. Die beiden Tempospieler Anderson Lucoqui (von Arminia Bielefeld) und der Schweizer Nationalspieler Silvan Widmer wurden für die Außenbahnen verpflichtet. Im defensiven Mittelfeld soll U21-Europameister Anton Stach (von der Spvgg Greuther Fürth) die Mannschaft verstärken, im zentralen Mittelfeld der Südkoreaner Jae-sung Lee (von Holstein Kiel) das Spiel lenken. Dazu kommen noch ein paar hoffnungsvolle Talente aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum, die Schritt für Schritt herangeführt werden sollen.

05-Sportvorstand Christian Heidel ist zufrieden mit der bisherigen Transferbilanz: "Wir haben Spieler dazu bekommen, die wir unbedingt haben wollten. Wenn es eine Möglichkeit gibt, noch etwas zu tun, sportlich und wirtschaftlich, dann machen wir es. Aber wir könnten am ersten Spieltag gegen Leipzig sicherlich eine Mannschaft aufbieten, die wettbewerbsfähig ist", so der Sportvorstand. Einzig im Sturm suchen die Mainzer noch Verstärkung. Die Chancenverwertung ist ausbaufähig, das hat auch das Pokalspiel gegen den Regionalligisten SV Elversberg (8:7 im Elfmeterschießen) gezeigt.

Den Verein verlassen haben mit Danny Latza (zu Schalke 04) und Robin Quaison (zu Al-Ettifaq/Saudi-Arabien) eigentlich nur zwei Stammspieler, die es adäquat zu ersetzen galt. Dies scheint den Mainzern schon jetzt gelungen zu sein.

Der Trainer:

Bo Svensson hat in Mainz jetzt schon Kultstatus, obwohl er erst eine Rückrunde lang Trainer in Mainz ist. Der manchmal schüchtern wirkende Däne hat dem ganzen Verein neues Leben eingehaucht. Die Euphorie bei den Fans ist riesig. In der Mannschaft ist der 42-Jährige absolute Respektperson. Einerseits Kumpeltyp, anderseits höchst fordernd in jeder Trainingseinheit, in jeder noch so kleinen, unwichtig erscheinenden Übung.

Svensson ist im positiven Sinne ein Verrückter, der den Verein mit seinen Werten wie kaum ein anderer lebt. Nach dem Pokalerfolg in Elversberg ließ er vielsagend durchblicken, was ihm am Spiel seiner Mannschaft missfallen hatte: "Aus Sicht der neutralen Zuschauer war das heute ok, aber aus Trainersicht nicht", analysierte Svensson lächelnd. Typisch für ihn. Nach außen zurückhaltend, teamintern aber wird er die Fehler von Elversberg der Mannschaft gnadenlos vorgehalten haben.

Svensson war selbst Profi in Mainz, hat von Jürgen Klopp, seinem Landsmann Kasper Hjulmand, von Thomas Tuchel und dem heutigen 05-Sportdirekor Martin Schmidt gelernt und scheint eine perfekt passende Mischung seiner Lehrmeister geworden zu sein. Svensson und Mainz 05 - das passt. Wenn die kommende Saison nur annähernd so erfolgreich verläuft, wie die letzte Rückrunde, dann dürfte es Christian Heidel viel Kraft kosten, Svensson über die nächsten Jahre in Mainz halten. Heidel ist sich dessen durchaus bewusst, lobt Svensson in höchsten Tönen: "Die wichtigste Person in einem Fußballverein ist der Trainer. Weil der Trainer mit dieser Mannschaft arbeitet und ein guter Trainer aus einer mittelmäßigen Mannschaft eine gute Mannschaft machen kann. Ein entsprechend schlechter Trainer kann allerdings auch aus einer guten Mannschaft, eine schwächere machen. Bo hat vom ersten Tag an angepackt, hat es sensationell rübergebracht, was er von ihnen verlangt. Die Mannschaft hat das aufgesogen und angenommen".

 Erwartungen an die Saison:

Zwar müssen die 05er aktuell erst einmal ihr Corona-Problem in den Griff bekommen, aber das Saisonziel lautet unabhängig davon wie jedes Jahr: Klassenerhalt! Einigen Fans reicht das aber nicht, sie wollen mehr. Natürlich weckt die letzte Rückrunde Hoffnungen, vielleicht auch mal wieder international spielen zu können, aber die Mainzer gehören immer noch, auch im 13. Erstliga-Jahr in Folge, zu den Mannschaften die möglichst schnell die berühmte 40-Punkte-Marke knacken wollen, um dann zu sehen, was noch möglich ist. Mainz 05 muss wieder über den Teamgeist kommen, dann sind Erfolge gegen die Größeren der Liga möglich. Sportvorstand Heidel wünscht sich zudem, dass die Mannschaft mit der Unterstützung der Fans im Stadion belohnt wird: "Sie hat in der Rückrunde in einer Art und Weise geliefert, wie es keiner erwarten konnte und auch wir es nicht erwartet haben. Aber sie ist dafür mit Emotionen eigentlich noch nicht belohnt worden. Ich würde der Mannschaft wirklich wünschen, dass sie beim ersten Spiel gegen gegen Leipzig einfach begrüßt wird, als ob sie die Deutsche Meisterschaft gewonnen hätte".

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