Hertha Coach Schwarz vor Mainz Rückkehr (Foto: IMAGO, Imago/Nordphoto)

Als Hertha-Coach vor Mainz-Rückkehr

Sandro Schwarz: "Ich weiß nicht, wie emotional es wird"

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Achim Scheu/dpa

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben die Fans in Mainz noch seinen Namen gerufen. Jetzt kehrt Sandro Schwarz erstmals als Gästetrainer in seine Heimat zurück.

Sandro Schwarz wurde 1978 in Mainz geboren und ist auch in der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz zur Schule gegangen. Insgesamt neun Jahre hat er als Spieler in der Mainz-05-Jugend und später bei den Profis gekickt. Nach der Karriere sieben Jahre als Trainer im Verein gearbeitet, zuerst im Nachwuchsleitungszentrum und schließlich ist Schwarz in Mainz zum Bundesligatrainer geworden.

Ein Kind der Mainzer Trainerschule

Sandro Schwarz ist wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel ein Kind der Mainzer Trainerschule. Mit diesem Label kann der 43-Jährige gut umgehen. Doch jetzt steht eine emotionale Prüfung bevor. Erstmals wird er mit Hertha BSC als Gästecoach in seine Heimatstadt kommen. Ein Riesending will Sandro Schwarz aus seiner Rückkehr nach mehr als 1.000 Tagen gar nicht machen. Natürlich kommt er nicht drumherum, über seine Gefühle nachzudenken. Wie es wohl sein wird, wenn er die Arena des 1. FSV Mainz 05 in seiner Heimatstadt betritt - als Trainer von Hertha BSC? "Das ist in der Tat das erste Mal, dass ich wieder zurückkehre, und wir wissen ja im Leben beim ersten Mal mal nie genau, wie es so ist", sagt Schwarz vor dem Spiel.

Mit 17 Jahren kommt Schwarz zum 1. FSV Mainz 05, spielte neun Jahre für den Club. 2004 steigt er mit dem Team im dritten Anlauf in die Fußball-Bundesliga auf, geht aber nicht mit in die 1. Liga, sondern wechselt nach Essen. Schwarz hat nie ein Erstligaspiel für die Mainzer bestritten. Neun Jahre nach dem Karriereende kehrt er als Jugendtrainer zurück, wird 2017 schließlich Chefcoach bei den Profis. Schwarz reiht sich in eine prominente Liste mit Namen wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel ein, als weiterer Erbe der von Wolfgang Frank gewissermaßen begründeten Mainzer Trainerschule.

Aus Mainz über Moskau nach Berlin

Sandro Schwarz kommt zwar aus der Mainzer Trainerschule, er ist nicht so redebegabt wie Klopp und nicht so taktikvernarrt wie Tuchel, aber Schwarz ist seinen Weg gegangen, hat bei Dynamo Moskau viel gelernt, als Trainer und in den Kriegstagen besonders als Mensch. Sandro Schwarz ist ein Typ, den man auch nach schweren Zeiten problemlos mögen kann. Und in Mainz haben sie seine Leistungen für den Club nicht vergessen. "Sandro ist ein Freund. Wir kennen uns seit über 25 Jahren und hatten auch während seiner Zeit in Moskau immer wieder Kontakt", sagt beispielweise FSV-Sportvorstand Christian Heidel vor dem Spiel.

Schwarz ist jetzt ein Herthaner

Sandro Schwarz selbst hat sich seinen Plan schon zurechtgelegt. "Es gilt jetzt mit Herz und Verstand hier bei Hertha BSC zu sein - so fühle ich mich auch jeden Tag hier in dieser Hertha-Familie und den Zusammenhalt, den ich hier spüre". Tatsächlich hat er als Chefcoach der Berliner in nicht einmal 100 Tagen ziemlich viel geschafft. Der zerrüttete Eindruck der Hertha ist passé. Die Fans jubeln wieder, obwohl aktuell mit Platz 15 in der Tabelle der Club noch weit weg zu sein scheint, von den eigenen Ambitionen des "Big City Clubs". Schwarz spricht von "unseren Werten" und "unseren Inhalten", die er mit der Hertha weiter verinnerlichen und transportieren will. Vokabeln und Redewendungen, die man aus seiner 05-Zeit in Mainz schon kennt. In dieser Hinsicht hat sich Sandro Schwarz also nicht verändert.

Mainz möchte den ersten Heimsieg

Die Mainzer wollen ihren im Großen und Ganzen gelungenen Saisonstart fortsetzen. Platz sechs nach sechs Spielen – da ist ok. Wobei die Rheinhessen neun ihrer insgesamt zehn Punkte bisher auswärts geholt haben. Das Ziel für das Team von Bo Svensson: ein Heimsieg. Die Niederlage am letzten Spieltag in Hoffenheim ist aufgearbeitet. Fehlen wird den Mainzern defintiv Stürmer Jonathan Burkardt, der Rest des Kaders ist fit.

Bo Svensson freut sich auf Sandro Schwarz

Svensson und Schwarz kennen sich lange und gut. Der Däne war U17-Coach in Mainz, als Schwarz die U23 trainierte, rückte später dann zur U19 auf, als Schwarz Coach der Profis wurde. Beide pflegen ein freundschaftliches Verhältnis, welches aber während der 90 Minuten ruhen dürfte, denn beide sind emotionale Typen an der Seitenlinie. "Aber nach Abpfiff ist das alles vergessen", prognostiziert Svensson. "Ich hoffe nur, dass die Fans Sandro herzlich begrüßen, denn so viele seiner Art gibt es in der Geschichte von Mainz 05 nicht", so der 05-Coach.

Svensson lobt zudem die Entwicklung bei den Berlinern: "Das ist schon eine andere Hertha als letzte Saison. Sie haben Stürmer, die über viel Tempo verfügen und eine hohe Qualität im Eins gegen Eins haben."

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