Eva Maria Federhenn - Aufsichtsrätin bei Mainz 05 (Foto: Imago, Imago)

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Mainz 05-Aufsichtsrätin Federhenn: "Situation im Verein ist sehr turbulent"

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INTERVIEW

Eva-Maria Federhenn ist Mitglied des Aufsichtsrats von Mainz 05. Noch - denn die 52-Jährige darf sich nicht zur Wiederwahl auf der Mitgliederversammlung im Februar stellen. Die Wahlkommission hat sie, wie vier andere Mitglieder des Aufsichtsrates auch, nicht mehr nominiert. SWR Sport hat mit ihr gesprochen.

SWR Sport: Frau Federhenn, wie geht es Ihnen momentan, die Situation im Verein ist derzeit ja keine einfache?

Eva-Maria Federhenn: Also grundsätzlich geht es mir gut. Die Situation rund um den Verein ist natürlich schon sehr turbulent. Durch die Nominierungen beziehungsweise die Nicht-Berücksichtigung von vier Personen aus dem Aufsichtsrat gibt es aktuell auch im Verein einiges an Diskussionsbedarf. 

SWR Sport: Wie haben Sie denn davon erfahren, dass sie diesmal nicht mehr auf der Kandidaten-Liste stehen? 

 Federhenn: Ich habe letzte Woche Montag einen Anruf der Wahlkommission erhalten. In diesen Anruf wurde ich dann darüber informiert, dass ich nicht mehr aufgestellt wurde für die Wahl zum Aufsichtsrat. Mir wurde außerdem gesagt, dass man mir aber die Gelegenheit geben wollte, meine Bewerbung noch zurückzuziehen. 

 

SWR Sport: Das ist ja jetzt nicht so ganz die feine Art. Was haben Sie gedacht, als Sie den Anruf bekommen haben?

Federhenn: Im ersten Moment war ich schockiert und sprachlos. Ich habe dann sehr spontan auch gesagt - nein, warum soll ich meine Bewerbung zurückziehen? Ich habe mich ja guten Gewissens und sehr bewusst dafür entschieden, mich zu bewerben. Ich habe dann kurz gefragt, was für Gründe denn dafür sprechen oder gesprochen haben, mich nicht mehr aufzustellen. Da wurde mir gesagt, das hänge mit wirtschaftlichen Themen zusammen und es gebe nun so viele Bewerber, die diese Themen abdecken, die ich nicht abdecken würde. Ich habe daraufhin gesagt, dass ich die Entscheidung akzeptieren müsse, wenn dem denn so sei. Da ich unsere Vereinssatzung ja auch kenne war mir klar, dass ich die Entscheidung nicht anfechten kann und deshalb blieb mir nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren. 

 2018 Kandidatin für Vereinsvorstand

SWR Sport: Sie sind seit vielen Jahren für den Verein aktiv. Vor nicht allzu langer Zeit wurden Sie sogar vom Aufsichtsrat vorgeschlagen, um sich als Kandidatin für das Amt als Vereinspräsidentin zu bewerben. Leuchtet Ihnen denn ein, dass sie jetzt  auf einmal nicht mehr gut genug sind?

 Federhenn: Das leuchtet mir natürlich nicht ein und so geht es einigen. Ich habe auch viele Rückmeldungen bekommen. Nachvollziehbar ist das Ganze für mich nicht. Aber das ist ja meine persönliche Situation. Wenn es jetzt tatsächlich viele bessere Bewerber geben würde, dann würde ich das natürlich auch so akzeptieren. Eine Kehrtwendung hat das Ganze allerdings genommen, als ich erfahren habe, dass die Wahlkommission lediglich zwölf Bewerber aufstellt, obwohl sie eigentlich 16 hätte aufstellen können. 

 SWR Sport: Gab es dafür irgendeine Erklärung?

Federhenn: Nein, mir liegt keine Erklärung der Wahlkommission vor. Aber es ist natürlich auch die Frage, ob die Wahlkommission mir das erklären muss.

 SWR Sport: Aber wie erklären Sie sich das Ganze, schließlich haben Sie bei der letzten Wahl sehr viele Stimmen von den Mitgliedern bekommen? 

Federhenn: Für mich ist es überhaupt nicht nachvollziehbar. Vor allem, weil die Wahlkommission damit rechnen musste, dass es Kritik geben wird. Wenn Sie mich jetzt persönlich fragen und nicht als noch amtierendes Mitglied des Aufsichtsrats, dann bin ich der Auffassung, dass das ein starker Eingriff in die Mitgliederrechte ist. Ich kann es Ihnen auch nicht als Aufsichtsratsmitglied erklären, weil auch der Aufsichtsrat offiziell von der Wahlkommission dazu keine Infos bekommen hat. 

SWR Sport: Wie groß ist denn die Sorge, dass das Ganze ein schlechtes Bild auf den Verein wirft, in den vergangenen Monaten war die Außendarstellung von Mainz 05 ja durchaus verbesserungswürdig? 

Federhenn: Das ist eine berechtigte Frage. Durch die Rückkehr von Christian Heidel, Martin Schmidt und Bo Svensson hatte ich schon die Hoffnung, dass wir jetzt wieder mehr Identifikation mit dem Verein erzeugen können. Insofern ist es natürlich sehr schade, dass diese Diskussionen jetzt aufkommen, die eigentlich unnötig sind. Für den Verein ist einfach ein Schaden entstanden, den es jetzt aber zu minimieren gilt.

SWR Sport: Wie geht es jetzt mit Ihnen weiter?

Federhenn: Ich werde mich jetzt nicht deswegen zurückziehen, mein Herz schlägt auch weiterhin für Mainz 05. Ich engagiere mich seit knapp 26 Jahren in der Handballabteilung und das wird auch weiterhin so sein. Schade allerdings, dass die Handballer im neuen Aufsichtsrat dann keine Stimme mehr haben.

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