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Mainz 05-Trainer Jan-Moritz Lichte spricht im SWR Sport Podcast über seinen Rollenwechsel vom Co- zum Cheftrainer. Außerdem verrät Lichte, was ihm an der Mainzer Fastnacht gefällt und was ihm Hoffnung macht im Abstiegskampf.

Über seine neue Rolle als Cheftrainer:

Lichte: "Für mich ist es keine große Veränderung in der Beziehung zu den Spielern gewesen. Natürlich tut man Spielern mehr weh als Cheftrainer. Definitiv. Wenn der Cheftrainer über den Kader spricht oder ein Spieler nicht zum Einsatz kommt, dann weiß der Spieler, dass es meistens eine gemeinsame Trainerentscheidung ist, aber als Co-Trainer kannst du eher nochmal hingehen, dem Spieler auf die Schulter klopfen und ihm einfach das Gefühl geben, es geht jetzt weiter. Als Cheftrainer bist du in der Position, dass dieser Frust des Spielers direkt mit dir in Verbindung steht. Das ist ein Unterschied."

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Über Sandro Schwarz:

Lichte: "In der Beziehung zu den Spielern habe ich versucht, viel von Sandro mitzunehmen. Natürlich bin ich nicht so wie er. Aber ich finde man kann immer von jedem, mit dem man zusammengearbeitet hat, auch eine Menge mitnehmen. Und das war eine große Stärke von Sandro: Nämlich, dass Entscheidungen getroffen werden müssen, dafür aber die Beziehung zum Spieler nicht zu distanziert sein muss."

Über die anfängliche Skepsis, er sei zu ruhig für den Job:

Lichte: "Als Mensch bleibe ich so, wie ich bin. Als Cheftrainer hast du eine gewisse Rolle. Da brauchst du andere Charaktereigenschaften, die du in den Vordergrund schiebst. Es hieß über Jahre als Co-Trainer 'er ist sehr ruhig, sehr analytisch'. Das sind Eigenschaften, die dir angedichtet werden. Natürlich habe ich diese Eigenschaften, aber ich habe auch andere Eigenschaften und ich bin auch in der Lage lauter zu werden, Emotionen reinzubekommen."

Zum Spielerstreik:

Lichte: "Das ist jetzt keine böswillige Mannschaft. Das sind keine Charaktere, die man verfluchen muss, weil sie – in meinen Augen – diese falsche Entscheidung getroffen haben."

Was ihm Hoffnung macht:

Lichte: "Dass ich sehe, dass die Spieler in jedem Training Gas geben. Dass die Spieler mir das Gefühl vermitteln, dass sie verstehen, worum es geht. Dass nur ein Prozent weniger nicht dazu führt, dass wir uns dahin entwickeln, wo wir uns hin entwickeln müssen. Wenn du so wenig Punkte und so wenig Erfolgserlebnisse hast wie wir, dann ist das nicht nur Pech. […] Und das ist es, was mich positiv stimmt. Dass ich Spieler sehe, die das sehen. Dass ich Spieler sehe, die versuchen, jeden Tag einen Tick besser zu werden. Und wenn das im Kopf drin ist, dann werden wir das auch schaffen."

Was der Coach zur Fastnacht sagt und weshalb er im Frühjahr seine Frisur ändern musste, das hören sie im SWR Sport Podcast - Nur der FSV mit Jan-Moritz Lichte.

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