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Wie geht es nach dem Spielerstreik beim 1. FSV Mainz 05 weiter? Die Rheinhessen bestätigten in einer Pressekonferenz die Weigerung der Mannschaft, ein Training durchzuführen und räumten "Fehler im Kommunikationsfluss" ein. Gleichzeitig sagte Sportvorstand Rouven Schröder, dass der Vorfall "aufgearbeitet" worden sei.

Update, 24. September, 21:00 Uhr

Der suspendierte Stürmer Adam Szalai will seine Rückkehr ins Mannschaftstraining beim FSV Mainz 05 notfalls erzwingen. "Wir werden standhaft bleiben und durchsetzen, dass Adam nächste Woche wieder teilnehmen darf", sagte Szalais Berater Oliver Fischer der "Mainzer Allgemeinen Zeitung". Ebenso werde der Ungar in Mainz bleiben. "Adam wird keinen neuen Verein suchen", sagte Fischer. Nach Szalais Suspendierung hatten seine Mainzer Mitspieler am Mittwochnachmittag geschlossen das Training verweigert. Der 32-Jährige darf sich derzeit nur bei der U23 fit halten.

Ursprünglicher Artikel, 24. September, 12:45 Uhr

Sportvorstand Rouven Schröder bestätigte, dass sich die Mainzer Mannschaft am Mittwoch geweigert hatte, das Training um 16:00 Uhr durchzuführen. "Es ist gestern etwas passiert, was für uns alle unangenehm ist. Dass eine Mannschaft nicht rausgeht zum Training, ist einzigartig."

"Kein schöner Moment"

Schröder sprach zudem von einer "Eskalationsstufe", mit der man nun umgehen müsse. "Das war kein schöner Moment. Ich bin überzeugt, dass wir nicht noch einmal in eine solche Situation kommen."

"Die Thematik Szalai hat keine finanziellen, sondern rein sportliche Gründe"

Ursache seien emotionale Diskussionen innerhalb der Mannschaft um Adam Szalai gewesen, der am Nachmittag nicht mit der Profimannschaft trainieren sollte. "Die Thematik war der Grund dafür, dass die Mannschaft nicht zum Training raus ist", bestätigte Schröder. Gleichzeitig betonte er, dass nicht eventuelle Diskussionen um einen Gehaltsverzicht aufgrund der Corona-Krise die Ursache für die Entscheidung gewesen sei, dass der Angreifer sportlich keine Rolle mehr bei den 05ern spielt. "Die Thematik Szalai hat keine finanziellen, sondern rein sportliche Gründe", sagte Schröder.

Fussball | Spieler-Streik Mannschaft gegen Verantwortliche - das gab's nicht nur bei Mainz 05

Die Mannschaft von Mainz 05 steht beim ersten Traning nach dem Streik zusammen. Am Mittwoch verweigerten die Spieler die Einheit um 16.00 Uhr ... (Foto: Imago, imago sport )
Die Mannschaft von Mainz 05 steht beim ersten Traning nach dem Streik zusammen. Am Mittwoch verweigerten die Spieler die Einheit um 16.00 Uhr. ... Imago imago sport Bild in Detailansicht öffnen
... Auslöser für den Streik: "Emtionale Diskussionen innerhalb der Mannschaft um Adam Szalai, der am Nachmittag nicht mit der Profimannschaft trainieren sollte", teilte der Verein mit. Szalai wurde einen Tag zuvor suspendiert. Die Ausmusterung habe rein sportliche Gründe, sagt Sportvorstand Schröder. Imago imago sport Bild in Detailansicht öffnen
Skandal von Knynsa 2010: Es ist der Auslöser für einen Skandal in der französischen Nationalmannschaft, mitten während der WM in Südafrika beim Spiel gegen Mexiko. Trainer Raymond Domenech und Stürmer Nikolas Anelka (beide im Bild) geraten in der Halbzeitpause aneinander. Anelka beleidigt Domenech, der Trainer wechselt ihn aus, Frankreich verliert. Zwei Tage später berichtet die L'Equipe darüber, der Verbandspräsident fordert von Anelka eine Entschuldigung. Der Stürmer weigert sich ... Imago PanoramiC Bild in Detailansicht öffnen
... und wird deshalb aus dem Quartier nach Hause geschickt. Aus Solidarität mit Anelka streiken die Nationalspieler bei einem Traning und verfassen eine Erklärung. Trainer Domenech, der nicht nur bei der Mannschaft unbeliebt ist, verliest diese vor der Presse, ... Imago PanoramiC Bild in Detailansicht öffnen
... während die Mannschaft vom Platz geht und in den Teambus steigt. Zu den sechs ausgemachten Rädelsführern gehört auch Franck Ribery, damals Spieler bei Bayern München. Kurz darauf scheiden die Franzosen in der Vorrunde aus. "Le fiasco de Knysna" versetzte das ganze Land in Aufruhr. Imago PanoramiC Bild in Detailansicht öffnen
Aufstand beim Club 1984: Beim 1. FC Nürnberg, im Mai abgestürzt aus der Bundesliga, hat der zum Jahreswechsel verpflichtete Trainer Heinz Höher (im Bild links, im Gespräch mit mit dem Präsidenten Gerd Schmelzer) nach dem 1:1 gegen Rot-Weiß Oberhausen ein Straftraining angesetzt. Um sechs Uhr morgens. Im Anschluss daran beschließt die Mannschaft einstimmig, mit einem offenen Brief an die Presse zu gehen. ... Imago Horstmüller Bild in Detailansicht öffnen
... Darin kritisieren sie unter anderem die Trainingsmethoden von Höher und dessen gestörtes Verhältnis zur Mannschaft. Einen Tag später erscheinen nur fünf Spieler zum Training, der Rest streikt. Der Präsident greift durch und entlässt Udo Horsmann (Mitte, 3. v. re.), Rudi Kargus (vorne, 3. v. re), Stefan Lottermann (2. v. re.) und Horst Weyrich (vorne 2. v. li.), Manfred Walz und Detlef Kella. Mit einer blutjungen Mannschaft macht Höher weiter und feiert am Ende den Bundesliga-Aufstieg. Imago Kicker/Liedel Bild in Detailansicht öffnen
Meuterei beim FC Bayern 1979: Der Trainer Gyula Lorant ist erst vor zweieinhalb Wochen suspendiert worden, am 17. März tritt das Team um die Kapitäne Sepp Maier (Torwart, im Bild) und Paul Breitner bei Eintracht Braunschweig an. Auf der Rückreise bekommen sie mit, ... Imago imago sport Bild in Detailansicht öffnen
... dass Max Merkel der neue Trainer werden soll. Es ist der Wunsch von Präsident Wilhelm Neudecker (beide im Bild). Sepp Maier und Paul Breitner ergreifen die Initiative und lassen die Mannschaft abstimmen. Das Ergebnis: 16:0 - gegen Merkel. Breitner kündigt einen Tranings-Streik für den kommenden Tag an und fordert von Präsident Neudecker seinen Rücktritt: Mit einem Grantler wie Merkel wolle man nichts zu tun haben. Neudecker tritt aus Protest zurück, Breitner übernimmt das Kommando. Imago Fred Joch Bild in Detailansicht öffnen

Das habe man dem Ungarn bereits frühzeitig kommuniziert. "Wir haben ihm bereits im letzten Sommer mitgeteilt, dass es sportlich für ihn schwer werden wird, Einsatzzeiten zu bekommen. Wir haben ihm damals bereits klar mitgeteilt, wie die Situation ist und das er sich auf dem Markt umgucken soll, um einen neuen Verein zu finden. Wir wollten nun, da der Transfermarkt bald schließt (05. Oktober, Anm. d. Red.), ein klares Verhältnis schaffen, deswegen die Ansage vom Beginn dieser Woche", so Schröder.

Beierlorzer begründet Szalai-Ausmusterung

Auch Trainer Achim Beierlorzer bestätigte, dass die angestrebte Trennung von Szalai sportliche Gründe habe. "Wir haben für uns beschlossen, Adam freizustellen, sich einen Verein zu suchen, weil wir jungen Spielern mehr Zeit und Raum geben wollen, sich zu entwickeln. Das haben wir ihm schon nach dem letzten Spiel der abgelaufenen Saison gesagt", so der 05-Coach: "Die Entscheidung, ihn nicht mehr im Training haben zu wollen hat damit zu tun, dass wir nicht in Konflikte kommen wollten."

Der Trainer sieht kein Zerwürfnis zwischen ihm und dem Team, wie es in manchen Medien bereits angedeutet wurde: "Die Mannschaft hat ein Statement gesetzt, das aber nicht persönlich gegen mich gerichtet war", sagte der 52-Jährige. Er könne den Zusammenhalt der Profis und die Solidarität mit Szalai, der am Donnerstag erstmals bei der U23 trainierte, nachvollziehen. "Ich habe aber kein Verständnis dafür, dass dies in den Trainingsbereich reinspielt."

Schröder: "Kommunikationsfluss falsch eingeschätzt"

Sportvorstand Schröder räumte indes Defizite in Sachen Kommunikation seitens des Vereins ein. "Wir wussten, dass diese klare Entscheidung eine unpopuläre ist. Wir müssen sagen, dass wir den Kommunikationsfluss falsch eingeschätzt haben", sagte er: "Das Thema hat sich in der Mannschaft in einer emotionalen Art und Weise aufgeladen."

Dieses Missverständnis sei am frühen Donnerstag Morgen in einem langen Gespräch ausgeräumt worden. "Wir haben miteinander kommuniziert und die Dinge klargestellt. Aber auch der Mannschaft die Konsequenzen aufgezeigt", sagte Schröder. Direkte Reaktionen hätte die Mannschaft allerdings nicht zu befürchten: "Wir haben festgestellt, dass Druck, Härte oder Abstrafung nichts bringen würden."

Klar ist allen Beteiligten, dass es bei Mainz 05 vorerst keine "heile Welt" geben wird: "Das Thema wird nicht von jetzt auch gleich behoben sein", sagte Schröder: "Aber entscheidend ist auch, dass wir das, was wir mit der Mannschaft besprochen haben, intern behalten. Das ist die Position des Vereins und der Wunsch der Mannschaft."

Krisensitzung am Abend

Der 32-jährige Szalai war am Dienstag suspendiert worden. Der Angreifer war am Mittwoch trotz seiner Suspendierung auf dem Trainingsgelände erschienen. Darauf folgte der Eklat, der zu einer Krisensitzung des Vorstandes am Abend geführt hatte.

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