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Historisch schlechter Saisonstart, vereinsinterne Unruhe, lange Sieglosserie: All das teilt der 1. FSV Mainz 05 mit dem FC Schalke 04. Am Samstag (15:30 Uhr) empfängt der Tabellenletzte den Vorletzten zum Krisengipfel.

"Wenn nicht jetzt, wann dann?", fragt man sich in Mainz vor der Partie gegen den Tabellenvorletzten aus Gelsenkirchen. Schließlich scheint es in der derzeitigen Situation schwierig, eine Bundesligamannschaft zu finden, die die Rheinhessen schlagen können. Nach sechs Spieltagen steht das Team von Trainer Jan-Moritz Lichte immer noch ohne einen einzigen Punkt da. Es ist schon jetzt der schlechteste Saisonstart der Bundesliga-Geschichte, nur Fortuna Düsseldorf startete 1991 ebenfalls mit sechs Niederlagen.

Konflikte im Training unter der Woche

Das sorgt für "Wut im Bauch" bei den Spielern, was sich in der Trainingswoche auch durch mehr Konflikte auf dem Platz geäußert habe, so der 05-Coach. Die bewertet Lichte aber positiv: Die angespannte Stimmung sei ein Zeichen dafür, "dass jeder Einzelne gemerkt hat, es war von ihm auch nicht so gut und jetzt versucht, die Antwort auf dem Platz zu finden". Eine Niederlage am Samstag wäre ein weiterer historischer Tiefpunkt: Noch nie hat eine Mannschaft zum Start die ersten sieben Spiele alle verloren, die Mainzer wollen auf keinen Fall die erste sein.

Schalke ist seit Januar ohne Sieg

Da trifft es sich gut, dass auch der nächste Gegner momentan nicht in der Lage ist, eine Erstliga-Partie für sich zu entscheiden. Und das schon seit einer ganzen Weile: Zum Rückrundenauftakt der vergangenen Spielzeit schlug Schalke Borussia Mönchengladbach - seitdem blieb man saisonübergreifend in 22 aufeinanderfolgenden Ligapartien ohne Sieg. Und auch die Königsblauen haben in dieser Spielzeit bereits einen Negativrekord aufgestellt: Satte 20 Tore hat Schalke nach sechs Spieltagen bereits kassiert, kein Bundesliga-Team hatte zu diesem Zeitpunkt eine schlechtere Tordifferenz. Die Aggressivität, die seine Mannschaft im Training unter der Woche gezeigt hat, vermutet Jan-Moritz Lichte deshalb auch beim Gegner: "Hektik erwarten wir auch von Schalker Seite - das ist aber für unser Spiel eigentlich gut. Wir müssen dann nur versuchen, im letzten Drittel Ruhe zu bewahren."

Unruhe im Verein - auf beiden Seiten

Am Bruchweg sorgte in den vergangenen Monaten nicht nur die sportliche Misere für Unruhe, auch abseits der schlechten Resultate machten die Nullfünfer mit Spieler-Streik und früher Trainer-Entlassung Schlagzeilen. Chaotische Zustände, die man aus Mainz eigentlich nicht kennt. Ganz anders beim Gegner aus dem Ruhrgebiet, wo Unruhe ohnehin ein ständiger Begleiter ist. Auch hier wurde Trainer David Wagner bereits nach zwei Spielen durch Manuel Baum ersetzt, zudem hat der Verein große finanzielle Sorgen.

Kein Endspiel für den Trainer

Die Situation ist also auf beiden Seiten enorm angespannt, Entlastung durch einen Sieg im Wochenende käme gerade recht. Rouven Schröder versuchte unter der Woche, zumindest den Druck auf den Trainer ein wenig zu senken. Das Spiel habe für ihn "keinen Endspielcharakter", der Job von Jan-Moritz Lichte ist also auch bei einer erneuten Niederlage nicht gefährdet, so der Sportvorstand: "Die Überzeugung ist definitiv da, Jan-Moritz macht einen sehr guten Job."

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Lichtblicke, an denen man sich in der Krise festhalten kann, gab es in den letzten Wochen in Mainz wie auf Schalke wenige. Nachdem der FSV gegen Leverkusen und Gladbach zumindest ansprechende Leistungen gezeigt hatte, folgte gegen Augsburg vor allem in der ersten Hälfte wieder ein Rückfall in alte Muster. Schalke hat unter der Woche nach langer Durststrecke zwar mal wieder ein Pflichtspiel gewonnen, hatte beim Nachholspiel im DFB-Pokal aber große Probleme mit dem Regionalligisten Schweinfurt. Ein Aufwärtstrend oder gar eine Kehrtwende ist dementsprechend auch im Ruhrgebiet nicht zu erkennen.

Wenn nicht jetzt, wann dann: Die Konstellation am Samstag scheint wie gemacht für den langersehnten Mainzer Befreiungsschlag, denn ein harmloserer Gegner ist in der Bundesliga aktuell wohl nicht zu finden. Das Problem ist, dass es - wie so vieles in diesen Tagen - aus Schalker Sicht ganz genauso aussieht.

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