Mainz Trainer Bo Svensson vor dem Rückrundenstart in Leipzig (Foto: imago images, Imago)

Fußball | Bundesliga

Mainz-Coach Bo Svensson: "Da ist schon echt viel passiert in den letzten Monaten"

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INTERVIEW

Mainz 05 trifft zum Rückrundenauftakt auf RB Leipzig. Das Team um Trainer Bo Svensson hat sich einiges vorgenommen für 2022. SWR Sport hat unmittelbar vor dem ersten Spiel des Jahres exklusiv mit dem Dänen gesprochen.

SWR Sport: Bo Svensson, Anfang der Woche am 4.Januar, um genau zu sein, vor einem Jahr wurden sie Trainer bei Mainz 05. Das war ein unfassbares Jahr. Zuerst das Kunststück Klassenerhalt mit einer furiosen Rückrunde und die laufende Saison, die Hinrunde, die lief auch sehr gut. Haben Sie irgendwann mal da gesessen und sich kneifen müssen; "Hey Bo, was passiert da eigentlich gerade mit dir?"

Bo Svensson (lacht): Nein, es hört sich vielleicht ein bisschen komisch an, wenn ich nein sage. Aber ich war halt jeden Tag dabei und habe die Entwicklung so angenommen, dass es langsam vorwärts geht. Da steckt auch viel Arbeit dahinter. Ich war natürlich froh, dass es in diese Richtung gelaufen ist. Das hätte ich mir auch nicht vorstellen können. Am Ende vom Jahr, als ich im Urlaub war, über Weihnachten, da habe ich mir das schon noch mal durch den Kopf gehen lassen und schon auch gedacht "da ist schon echt viel passiert in den zwölf Monaten".

SWR Sport: Irgendwie absehbar war das Ganze bei Dienstantritt im Januar 2021 aber nicht?

Bo Svensson: Nein, das wäre schon ein bisschen zu optimistisch gewesen, dass man sich vorstellen hätte können, dass es genau so laufen würde. Wenn du am Abgrund stehst, mit so wenigen Punkten und auch so vielen Baustellen innerhalb des Vereins hast und es dann trotzdem schaffst. Und dann auch eine relativ stabile Hinrunde danach spielst. Das ist schon über die Erwartungen gelaufen.

Wenig Zeit für die Familie

SWR Sport: Was macht besonders Spaß an dem Job und die zweite Frage gleich hinterhergeschoben, was nicht?

Bo Svensson: Es macht Spaß als Trainer allgemein zu arbeiten, als Bundesliga-Trainer. Das war der Grund, warum ich damit angefangen habe, weil ich es einfach mag. Es ist eine vielfältige Arbeit. Es ist natürlich, wie alle wissen, Training und Taktik und so weiter. Es ist die Arbeit mit den Menschen, dass ich kaum zwei Tage erlebe, die sich ähnlich sind. Und man lernt sehr sehr viel über sich selbst. Und negativ? Ja, es kostet wirklich viel Zeit und der mentale Zeitaufwand ist auch nicht weniger. Es ist schwer manchmal abzuschalten, auch wenn man mal zu Hause ist. Und ja, als Familienmensch ist das manchmal schwer, das zu balancieren.

Svensson: "Wir sind bei Mainz 05 alle geimpft"

SWR Sport: Kommen wir noch mal zum Thema Corona. Aktuell am heftigsten ist Bayern München in Deutschland derzeit gebeutelt. Ganz Europa leidet im Sport ja unter Corona. Ist das nicht vielleicht doch ein bisschen Wettbewerbsverzerrung? Oder ist es nur so eine Ungewissheit, wie kommen die anderen da durch? Und vor allem, wie kommen wir selbst da durch als Mainz 05?

Bo Svensson: Ich weiß nicht, was wir noch mehr machen können. Wir sind alle geimpft. Wir tun alles im Alltag um die Regeln zu respektieren. Und trotzdem sind wir auch mit Moussa Niakhaté davon betroffen. Was halt immer passieren kann, es kann auch bei anderen Vereinen passieren. Aber ich weiß nicht, wie wir sonst damit umgehen sollen, als das, was wir jetzt gemacht haben. Und trotzdem müssen wir morgen in ein Geisterspiel gehen, was sehr schade ist.

Zum Thema Wettbewerbsverzerrung: Fair oder nicht? Es wird uns, glaube ich, die nächsten Wochen und Monate begleiten. Eine Mannschaft wird davon profitieren, eine andere Mannschaft wird darunter leiden. Am Ende wird man nicht sagen können, das ist wegen Corona, dass ein Mannschaft abgestiegen ist, oder es halt nicht bis nach Europa geschafft hat, oder nicht Meister geworden ist. Das ist auch eine Ausrede. Wir können immer noch zusammen arbeiten. Und es ist auch nicht so, dass Spieler mit einer Infektion für mehrere Monate ausfallen.

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SWR Sport: Werden wir mal rein sportlich. Wie werden Sie es angehen gegen RB Leipzig?

Bo Svensson: So, wie wir halt in Mainz Fußball spielen wollen: Die große individuelle Qualität von Leipzig versuchen, im Kollektiv, in den Griff zu bekommen. Sowohl mit dem Ball, als auch gegen den Ball. Wir wollen aggressiv spielen und eine gute mannschaftliche Leistung auf den Platz bringen. Wir wissen schon, dass die Hürde morgen sehr hoch ist. Aber wir haben auch schon bewiesen, dass wir gegen alle Mannschaften mithalten können, in dieser Liga. Eine geschlossene Mannschaftsleistung auf den Platz bringen, das steht erstmal im Fokus. Das ist das, was ich erwarte und was ich von meinen Spielern sehen möchten.

Keine konkrete Zielvorgabe für 2022

SWR Sport: Welche Ziele hat Mainz 05. Welche Ziele haben Sie mit der Mannschaft? Für die jetzt folgende Rückrunde. Gibt es eine Zielvereinbarung?

Bo Svensson: Es gibt keine Zielvereinbarungen. Aber wir haben uns schon darüber unterhalten, weil die Initiative auch von den Spielern kam. Aber jetzt darüber zu sprechen, wo wir am Ende der Saison, nach weiteren 17 Spielen, stehen möchten, das ist ein bisschen zu weit weg und genauer haben wir das auch nicht entschieden. Dabei spielt das schon eine Rolle in den Köpfen bei uns, bei den Spielern. Sonst bleibt das Ziel immer gleich: Jedes Bundesligaspiel so bestreiten, wie wir es hier machen möchten: An unsere Grenzen zu kommen und konstant einfach ein hohes Niveau spielen zu können. Darum geht es in der in erster Linie.

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