Christian Heidel im Trainingslager von Mainz 05 in Österreich (Foto: SWR, SWR)

Fußball | Bundesliga

Mainz-05-Boss Heidel auf der Suche nach dem neuen Wir-Gefühl

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Mainz 05 macht sich in Bad Häring (Tirol) fit für die neue Saison. Die Stimmung ist bestens, auch weil im Verein und in der ganzen Stadt gerade ein neuer Zusammenhalt entsteht, wie Sportvorstand Christian Heidel im SWR-Sport Interview erzählt.

SWR Sport: Christian Heidel, im Trainingslager hier in Österreich, wie ist ihr Gefühl? Was macht Mainz 05 jetzt gerade aus?

Christian Heidel: Also ich glaube, das war eigentlich immer unser Pfund und das haben wir wieder hinbekommen: Mein Gefühl ist, dass das Zusammenleben der Mannschaft, das Miteinander - das geht eigentlich nicht viel besser. Da hat sich in dem halben Jahr ganz sicher etwas entwickelt, was wir unbedingt brauchen. Bei den neuen Spielern zeigt sich das genauso. Wir haben bei allen das Gefühl, dass sie schon länger da sind, obwohl sie teilweise erst ein paar Tage dabei sind. Das macht vieles aus.

Gehen wir mal zu den neuen Spielern. Mainz holte punktuell Verstärkungen. Da sind keine großen Millionen-Transfers dabei. Anderson Lucoqui zum Beispiel, da waren ja auch andere Vereine dran. Dann Silvan Widmer, der schweizer Nationalspieler. Ist das der Weg, auf dem sich Mainz 05 in der Bundesliga weiter stabilisieren will?

Heidel: Es ging uns in erster Linie darum, dass wir Spieler nach Mainz bekommen, für die Mainz etwas Besonderes ist, für die auch die Bundesliga etwas Besonderes ist. Was wir jetzt nicht wollten, sind Spieler mit 287 Bundesliga-Spielen, die dann unseren Jungs erklären wollen, wie toll das war in den letzten zehn Jahren.

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Wir wollen wieder zurück zur Leidenschaft und dass man sich freut. Auf Spiele gegen die Großen - ohne Angst. Dass man aber auch die Spiele gegen zum Beispiel die Aufsteiger total ernst nimmt und nicht arrogant wirkt. Dass die fußballerische Qualität da sein muss, ist klar. Aber Charakter, Mentalität, Herz - das hat alles eine große Rolle gespielt. Danach haben wir ausgesucht.

Großes Vertrauen in den Spielerkader

Sie haben gesagt, dass sie keine Sorgen haben, wenn die Bundesliga morgen los ginge. Ist das Vertrauen in diesen Kader riesengroß?

Heidel: Ja. Es hat sich doch gar nicht viel verändert im Vergleich zu der Mannschaft, die in der Rückrunde 32 Punkte geholt hat. Wir haben eigentlich nur einen ungeplanten Abgang, das war Philipp Mwene. Ansonsten ist kein Spieler gegangen, den wir unbedingt halten wollten. Und wir haben Spieler dazu bekommen, die wir unbedingt haben wollten. Wenn es eine Möglichkeit gibt, noch etwas zu tun, sportlich und wirtschaftlich, dann machen wir es. Aber wir könnten morgen beginnen und können am ersten Spieltag gegen Leipzig sicherlich eine Mannschaft aufbieten, die wettbewerbsfähig ist.

Welchen Anteil hat Trainer Bo Svennson an dieser ganzen Entwicklung?

Heidel: Seitdem ich in diesem Geschäft bin, ich würde sagen: Die wichtigste Person in einem Fußballverein ist der Trainer. Weil der Trainer mit dieser Mannschaft arbeitet und ein guter Trainer aus einer mittelmäßigen Mannschaft eine gute Mannschaft machen kann. Ein entsprechend schlechter Trainer kann allerdings auch aus einer guten Mannschaft, eine schwächere machen. Bo hat vom ersten Tag an angepackt, hat der Mannschaft sensationell rübergebracht, was er von ihnen verlangt. Die Mannschaft hat das aufgesogen und angenommen. Aber es ist nur nicht nur er, es ist das gesamte Trainerteam. Das passt einfach. Das passt zu Mainz, und das ist das, was wir wollen.

Blick in die Zukunft von Mainz 05

Aber warum? Warum haben das die anderen nicht entdeckt und gemacht. Warum braucht es dann die Rückkehr von Christian Heidel?

Heidel: Ich rede nie über die Vergangenheit. Da wird es von mir auch nie ein kritisches Wort geben. Das wäre auch nicht fair, weil ich nicht dabei war. Ich kannte die Umstände gar nicht, das ist Schnee von gestern. Das ist auch nicht nur Christian Heidel, wir sind ja zu dritt gekommen und haben das sehr schnell analysiert. Und eines darf man auch nicht vergessen: Wir hatten auch ein bisschen Glück. Wir hatten das Spielglück.

Wir brauchen auch die Fans. Es ist wichtig, dass die Leute Leistung auch anerkennen und dass sie Feedback geben, indem sie einfach ins Stadion kommen. Sollte es wieder möglich sein, dass wir dieses Mainzer Gefühl wieder hinbekommen? Das wäre man mein großer Wunsch.

Gibt es darüber hinaus einen Wunsch?

Heidel: Ich würde mir etwas für die Mannschaft wünschen. Sie hat ja in der Vorrunde der vergangenen Saison so oft auf die Mütze bekommen -natürlich auch zurecht, weil sie nicht geliefert haben. Aber sie hat in der Rückrunde in einer Art und Weise geliefert, wie es keiner erwarten konnte und auch wir es nicht erwartet haben. Aber sie ist dafür mit Emotionen eigentlich noch nicht belohnt worden. Ich würde der Mannschaft wirklich wünschen, dass sie beim ersten Spiel gegen gegen Leipzig einfach begrüßt wird, als ob sie die Deutsche Meisterschaft gewonnen hätte.

SWR Sport: Und welchen Wunsch haben sie an die Fans in der Stadt?

Heidel: Wir brauchen noch mehr Rückhalt in dieser Stadt. Wenn ich durch die Stadt gegangen bin, dann habe ich viele Leute getroffen, und die haben mir dann ihr Leid geklagt. Ich hatte, wenn ich einmal über den Marktplatz gelaufen bin, dreimal Krach. Weil Leute zu mir kamen und von den Nullfünfern haben gesprochen: 'Morgen verlieren die, alles ist so schlecht und die Welt geht unter.' Und ich habe jedem gesagt: 'Ich kenne nur: Wir.' Wenn man Mainzer ist, muss man einfach auch 05er sein. Wir müssen alle wieder von 'Wir' sprechen, dass wir ein verschworener Haufen werden, eine große Gemeinschaft.

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