STAND
AUTOR/IN

Nach dem 1:1 gegen Hertha BSC ist für den 1. FSV Mainz 05 der Klassenerhalt zum Greifen nah - nachdem die Rheinhessen in der Rückrunde die Bundesliga aufgemischt haben. Was sind die Gründe für den Höhenflug der 05er?

Sieben Punkte zum Ende der Hinrunde. Mit dieser Bilanz ist noch kein Klub in der Bundesliga geblieben. Doch der 1. FSV Mainz 05 schickt sich an, diese historische Rettung als erster Klub zu feiern. Nach dem 1:1 gegen Hertha BSC ist die Ausgangsposition der 05er hervorragend.

28 Punkte haben die Rheinhessen in der Rückserie geholt - in 14 Spielen. Eine Bilanz, mit der man - auf die Saison hochgerechnet - im Rennen um die Champions-League-Plätze wäre. Doch was sind die Gründe für den Wandel vom absoluten Kellerkind zum "Liga Aufmischer"?

Neubesetzung der "Kommandozentrale"

Ein wichtiger Faktor für die sportliche Wiederauferstehung war die Neubesetzung der "Kommandozentrale". Ende Dezember kehrten der langjährige Manager Christian Heidel als Sportvorstand sowie der frühere Trainer Martin Schmidt als Sportdirektor zurück. Mit einer der ersten Amtshandlungen wurde Bo Svensson Anfang Januar als neuer Trainer installiert.

Für den absoluten Wunsch-Coach Svensson blätterte der FSV sogar eine Ablöse von knapp 1,5 Millionen Euro an den FC Liefering hin. Vor seiner Zeit beim österreichischen Zweitligisten - übrigens Farmteam von RB Salzburg - war der inzwischen 41-Jährige von 2007 bis 2019 als Spieler und Nachwuchstrainer in Mainz tätig. Als Profi lernte er damals viel von Coaches wie Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel. Auch deshalb heißt es über ihn, er habe bereits als Spieler wie ein Trainer gedacht.

Der "Mainzer Weg"

Das Trio eint eine Vergangenheit im Klub, es besitzt die sogenannte "05-DNA". Svensson, Heidel und Schmidt arbeiten zielorientiert und unaufgeregt, sowohl in ihrem jeweiligen Bereich, als auch miteinander. Es ist die Wiederbelebung des sogenannten "Mainzer Wegs". Dieser beinhaltet, dass von Anfang an klar war: Im Falle eines Abstiegs wird es einen Neuanfang in eben dieser Besetzung geben.

Ein Vertrauensvorschuss, der zum Teil in der gemeinsamen Vergangenheit begründet liegt, aber mit dem vor allem vermieden werden sollte, dass Entscheidungen kurz- statt langfristig getroffen werden. Ein Zeichen: Der sonst im Abstiegskampf so omnipräsente Aktionismus sollte bei Mainz 05 keinen Platz finden.

Stefan Bell - plötzlich wieder wichtig

Die drei Protagonisten haben den in der Hinrunde chronisch unruhigen Verein - so gab es etwa einen Spielerstreik sowie Machtkämpfe in der Führungsebene - zur Ruhe gebracht. Unter diesen Rahmenbedingungen gewann die Mannschaft an Stabilität. Vermeintliche Auslaufmodelle wie Stefan Bell oder Adam Szalai kehrten bei Svensson auf den Rasen zurück, Bell sogar als Stammkraft und Abwehrchef. Der 29-Jährige dirigiert trotz seines Geschwindigkeitsdefizits lautstark die Dreier- bzw. Fünferkette, schließlich hat er mit Jeremiah St. Juste und Moussa Niakhaté zwei Verteidiger neben sich, die höchstes Tempo gehen können.

Die einstige Schießbude ist geschlossen

Das Konstrukt funktioniert, 14 Gegentreffer hat Mainz in der Rückrunde bisher kassiert, also genau einen pro Spiel - der viertbeste Wert der Liga. Die einstige Schießbude ist geschlossen. Bell ist auch als Führungsspieler zurück, der reflektierte und kritische Profi gilt als meinungsstarker Leader. Er bildet mit Torhüter Robin Zentner und den Mittelfeldspielern Danny Latza sowie Dominik Kohr das Gerüst des Teams.

In der Hinrunde fiel die Mannschaft beim geringsten Rückschlag in sich zusammen. Nun ist das Selbstvertrauen in die eigenen Stärken längst wieder da - daran hat neben den Führungsspielern auch Coach Svensson seinen Anteil.

Wintertransfers schlagen ein

Zum Aufschwung in der Rückrunde haben außerdem die Wintertransfers beigetragen. Sechser Kohr sowie Rechtsverteidiger Danny da Costa sind von Eintracht Frankfurt für ein halbes Jahr ausgeliehen worden. Kohr gibt den spielstarken Abräumer, der nach Balleroberung sofort versucht, den Gegenangriff zu initiieren. Da Costa ist ein echter Flügelflitzer. Zudem ist der 27-Jährige ein positiver Typ und als Stimmungskanone wichtig für das Klima innerhalb des Teams.

Der dritte Neue wurde ebenfalls auf Leihbasis verpflichtet: Stürmer Robert Glatzel, für den die Bundesliga Neuland ist, kam von Cardiff City. Tore beim Punktgewinn in Leverkusen und beim Sieg in Hoffenheim sowie sein Assist zum Siegtreffer gegen Freiburg belegen, dass sich auch dieser Transfer bezahlt gemacht hat.

Nach dem Remis gegen Hertha scheint die Rettung zum Greifen nah. Dass Coach Svensson trotzdem nicht zufrieden war, steht sinnbildlich für den neuen FSV Mainz 05. "Wir haben keine disziplinierte Leistung auf den Platz gebracht", kritisierte der Coach nach dem Spiel gegen den Hauptstadtklub: "Jetzt kommen drei Top-Gegner, da müssen wir uns besser präsentieren."

Schweres Restprogramm

Das Restprogramm hat es in der Tat in sich. Frankfurt, Dortmund und Wolfsburg warten noch. Es fehlt nicht mehr viel zum "Wunder von Mainz". Und doch sollte die Mannschaft von Svensson nochmal punkten. Und damit Bundesligageschichte schreiben.

Mainz

"Keine disziplinierte Leistung" Mainz 05 macht gegen Hertha BSC großen Schritt zur Rettung - und hadert trotzdem

Mit dem 1:1 gegen Hertha BSC bleibt der 1. FSV Mainz 05 auch im achten Spiel in Serie ungeschlagen. Der erhoffte Sieg gegen den Tabellenvorletzten und der damit fast schon vorzeitig gesicherte Klassenerhalt wurde aber verpasst.  mehr...

Mainz

Fußball | Bundesliga Das Ass im Abstiegskampf: Bo Svensson als Trumpfkarte des 1. FSV Mainz 05

"Magier" und "Super-Svensson": Der Mainzer Cheftrainer Bo Svensson steht derzeit hoch im Kurs und wurde kurzzeitig sogar mit RB Leipzig in Verbindung gebracht. Doch der riesige Vertrauensvorschuss der Führungsriege ist auch ein Versprechen für eine gemeinsame Zukunft.  mehr...

Mainz

Fußball | Bundesliga "Miraklet i Mainz" - Das dänische Wunder von Mainz 05

Kasper Hjulmand kennt Bo Svensson noch aus seiner Zeit, als er selbst Trainer bei den Nullfünfern war. Zwei Dänen in Mainz. Kasper war der Chef, Bo der Praktikant. Heute ist Bo Svensson Chefcoach bei Mainz 05 und Hjulmand dänischer Nationaltrainer. Nach dem Sieg der Mainzer gegen Bayern München hat SWR Sport Kasper Hjulmand getroffen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN