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Kurz vor Jahresende 2020 kam Christian Heidel zurück zu Mainz 05. Als Sportvostand räumt er auf und krempelt gemeinsam mit Sportdirektor Martin Schmidt und Trainer Bo Svensson den Verein um - bisher sehr erfolgreich.

Gerade einmal acht Wochen ist Christian Heidel wieder bei Mainz 05. Acht Wochen, in denen viel passiert ist. Zwar stehen die Mainzer immer noch auf einem Abstiegsplatz in der Tabelle der Fußball-Bundesliga, aber die Hoffnung ist zurück. Die Mannschaft scheint von der neuen sportlichen Führung neues Leben eingehaucht bekommen zu haben.

Wo noch im Dezember 2020 eine Ansammlung von mehr oder weniger motivierten Einzelspielern auf dem Platz stand, kämpft, spielt und gewinnt heute ein Team gemeinsam, sogar gegen Spitzenmannschaften wie RB Leipzig oder am Samstag bei Borussia Mönchengladbach. Auf dem Platz sicherlich der Lohn für die akribische Arbeit des Trainers Bo Svensson, im Hintergrund aber wirkt, für die Öffentlichkeit fast ein bisschen zurückhaltend, der zurückgekehrte Sportvorstand Christian Heidel. "Es war wie nach Hause kommen. Irgendwie war ich aus Mainz nie richtig weg, und den Verein kenne ich immer noch sehr gut. Es sind viele Leute aus meiner früheren Zeit noch da. Es war sehr, sehr einfach mit der Eingewöhnung."

Der Neubeginn im neuen Jahr

Seit dem 28. Dezember 2020 ist Heidel der neue alte Vorstand Sport, dazu auch noch zuständig für die Bereiche Strategie und Kommunikation. Heidel holte Martin Schmidt als Sportdirektor und verpflichtete Bo Svensson als Trainer - zwei weitere Identifikationsfiguren für den FSV Mainz 05. Heidel selbst arbeitet eher im Hintergrund, Schmidt ist der Sportdirektor "an der Front", Bo Svensson der Verantwortliche für die Mannschaft. Alle drei reden viel miteinander, tauschen sich permanent aus. "Martin ist der, der näher bei der Mannschaft ist, ich bin nicht ganz so oft in der Kabine", spricht Heidel nur positiv über die Aufgabenverteilung. Der aktuelle sportliche Erfolg gibt den "Machern" recht. Die Aufteilung der Arbeit scheint zu passen und zu fruchten.

Rückkehr in die Erfolgsspur

Zehn Punkte holten die 05er im neuen Jahr gegen Mannschaften, gegen die es in der Hinrunde nicht einen Punkt zu holen gab. Kann gut sein, dass Heidel und seine Ideen den Nullfünfern doch noch den Klassenerhalt sichern. Wobei Heidel im Interview mit SWR Sport warnt: "Das Allerwichtigste ist, dass wir jetzt nicht in Euphorie verfallen. Ich glaube, das gibt einen Marathonlauf bis zum Saisonende. Ganz Mainz hat wieder Hoffnung, dass wir es schaffen können, aber wir haben noch nichts erreicht."

Mehr Mainzer als Heidel kann ein Mensch kaum sein

Dass erst am Schluss abgerechnet wird, weiß Heidel nur allzu gut, schließlich ist er seit Jahrzehnten im Geschäft. Angefangen hat damals alles mit einer Idee. Heidel, jung-dynamischer Geschäftsführer eines Autohauses, kaufte zu Werbezwecken alle Eintrittskarten für den Oberliga-Kracher Mainz 05 gegen Saarwellingen. Mehr als 30 Jahre ist das mittlerweile her. Danach meinte er, er könne als Manager den 05ern ein bisschen helfen, nebenberuflich, weil "eine hauptamtliche Tätigkeit bei Mainz 05 für mich nicht infrage käme. Weil - das ist meine Heimatstadt hier", erklärt Heidel damals. 1992 ließ er sich dann in den Vorstand wählen und liefert seine Ideen fortan zunächst kostenfrei bei den 05ern ab.

Christian Heidel ist ein Trainer-Entdecker

Besonders erfolgreich war er bei der Entdeckung von Trainern, angefangen mit Wolfgang Frank, der den Grundstein für eine ganz besondere Mainzer Spiel-Philosophie legte. Herausragend war und ist sicherlich die Beförderung des mittelmäßig begabten Zweitliga-Kickers Jürgen Klopp an Rosenmontag 2001 zum Cheftrainer. Was aus Kloppo wurde, ist ja hinreichend bekannt. Spätestens nach der Sache mit Thomas Tuchel gilt für ihn die Berufsbezeichnung "Trainer-Entdecker".

Heidel war 2011 auch auch für den Bau des neuen Stadions verantwortlich

Auch das neue Stadion draußen auf dem Feld vor den Toren der Stadt war seine Idee, die er ab 2005 in Vollzeit verfolgte. Damals wurde Heidel zum hauptamtlichen Manager des Vereins ernannt. Der Umzug in die neue Arena 2011 ist sicherlich ein Höhepunkt in der Mainzer Vereinsgeschichte. Christian Heidels Wert für Mainz 05 versuchte Jürgen Klopp mal in Worte zu fassen: "Der Mann ist unterbezahlt. Für alle im Vorstand, wenn das nächste mal drüber geredet wird: das Gehalt verdoppeln. Und dann ist es immer noch um die Hälfte zu wenig", sagte Klopp auf der Feier zu Heidels 50.Geburtstag.

2016: Das zwischenzeitliche Ende einer Ära

2016 endete die Ära Heidel beim FSV Mainz 05 vorerst. Der damals 53-Jährige wechselte als Sportvorstand zum FC Schalke 04. Diese Zeit stand allerdings unter keinem allzu guten Stern. Nach sportlichem Misserfolg verließ er den Verein vorzeitig im Februar 2019. Noch im gleichen Jahr erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich jedoch vollständig erholen konnte. Heidel lebt seitdem größtenteils auf Mallorca. Seine Lebensgefährtin und seine Tochter sind ganzjährig auf der Insel, das Kind geht dort zur Schule.

Pendeln zwischen Mainz und Mallorca

Christian Heidel pendelt zwischen Mainz und der Mittelmeerinsel. Als die 05er in der laufenden Saison immer tiefer in die Krise rutschen - Corona, Spielerstreik, Trainerentlassung und sportliche Talfahrt inklusive - und mit mageren sieben Pünktchen bis zum Jahresende Vorletzter sind, folgte er dem Ruf von Vereinschef Stefan Hofmann und Aufsichtsratsboss Detlev Höhne. Die Idee: Christian Heidel muss zurückkommen, und Christian Heidel kam zurück. Bisher sehr erfolgreich.

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