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Die sportliche Aufholjagd des FSV Mainz 05 ist schon vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund (Sonntag, 18 Uhr) vorzeitig gekrönt worden. Die Rheinhessen sind dank der anderen Resultate des 33. Spieltags gerettet. Sportvorstand Christian Heidel sprach dazu exklusiv in SWR-1-Stadion RLP mit Moderator Achim Scheu.

SWR-1-Stadion: Klassenerhalt für Mainz 05 - und das ohne eigene Zutun, weil Bremen gegen Augsburg 0:2 verlor und Bielefeld gegen Hoffenheim 1:1 gespielt hat. Damit steht fest, dass Mainz auch nächstes Jahr in der Bundesliga spielt. Mainz bleibt Eins. Wir sprechen darüber mit dem aktuell wohl glücklichsten Sportvorstand der Bundesliga: Christian Heidel!

Christian Heidel (lacht): Ich glaube, das ist schwer zu toppen heute. Das würde ich daher so annehmen!

Wie groß ist die Last, die da von Ihnen abgefallen ist?

Ich muss ehrlich sagen, dass es momentan noch ein bisschen komisch ist. Wenn man im Stadion ist, ein Tor fällt und alle jubeln ist das was anderes, als wenn man die ganze Zeit auf drei Bildschirme schaut und sich die Spiele anguckt. Ich glaube, das realisiert man erst wirklich im Laufe des Abends, trotzdem sind wir überglücklich. Das ist großartig, dass wir einen Spieltag vor Saisonende durch sind, wenn man bedenkt, wo wir herkommen. Riesenkompliment an die Mannschaft und an alle, die daran beteiligt waren. Spieler, Trainer Bo Svensson und sein Team, der ganze Verein. Alle haben sich an das gehalten, was wir vor einem halben Jahr ausgemacht haben - und deswegen sind wir auch nächstes Jahr in der Bundesliga.

Ganz ehrlich: Hätten Sie Anfang des Jahres, als Sie als Sportvorstand zu Mainz 05 zurückkehrten, gedacht, dass es mit dem Klassenerhalt noch was werden kann? Mainz hatte nach der Hinrunde nur sieben Punkte!

Man muss das ja immer realistisch sehen. Unser Traum war, dass wir am letzten Spieltag noch eine Chance auf den Relegationsplatz haben. Alles, was da jetzt passiert ist, ist ja schon ein bisschen außerhalb des Vorstellbaren. Aber ich bin auch so ein Typ, der in so eine Geschichte reingeht und auch noch ein bisschen daran glaubt, aber ohne jetzt davon auszugehen, dass es klappt. Die Wahrscheinlichkeit runterzugehen war deutlich größer als die Wahrscheinlichkeit, drin zu bleiben.

Ex-05-Trainer Achim Beierlorzer (Foto: Imago, Imago)
Nach nur zwei Spielen in der neuen Bundesliga-Saison war die Zeit für Trainer Achim Beierlorzer bei Mainz 05 schon abgelaufen Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Beierlorzer wurde nicht nur die sportliche Misere zum Verhängnis, sondern auch die Entscheidung, Stürmer Adam Szalai wegen mangelnder Fitness zu suspendieren. Die Mannschaft zeigte sich solidarisch, streikte. Nach dem folgenden 1:4 gegen Stuttgart musste Beierlorzer gehen. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Der bisherige Co-Trainer Jan-Moritz Lichte sollte es dann richten. Aber auch er hatte nur mäßigen Erfolg. Nach sechs Punkten aus zehn Spielen und dem Aus im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten Bochum war auch für Lichte kurz vor Ende des Jahres Schluss. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Kurz vor Weihnachten bat der damalige Sportvorstand Rouven Schröder um die Auflösung seines Vertrags. Er müsse zu 100 Prozent hinter dem stehen, was er tue, sagt Schröder. Dies sei nun nicht mehr der Fall. Zudem wurde bereits Christian Heidel als neuer Sportvorstand gehandelt. Schröder fürchtete, in seinen Befugnissen beschnitten zu werden. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Zu Jahresbeginn kommt ein alter Bekannter: Bo Svensson. Der Däne bringt neuen Schwung, gibt der Mannschaft Selbstvertrauen, zeigt ihr den richtigen Weg. Svensson führt die Mainzer in die Erfolgsspur zurück. Die Mannschaft spielt eine beeindruckene Rückrunde. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Svensson hauchte der Mannschaft neues Leben ein. In der Winterpause verließ Jean-Philippe Mateta den Verein. Der bis dahin mit sieben Toren beste Stürmer der 05er wechselte zu Chrystal Palace in die englische Premier League. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Welcome back am Bruchweg! Mit Sportvorstand Christian Heidel und Sportdirektor Martin Schmidt kamen zwei mit "Stallgeruch". Auch sie trugen ihren Anteil dazu bei, der Mannschaft die Überzeugung und das Selbstvertrauen zurückzugeben. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Unter Bo Svensson entwickelte sich Mainz 05 zum "Favoritenschreck", besiegte unter anderem Spitzenmannschaften wie Leipzig oder Mönchengladbach. Der 2:1-Sieg über Rekordmeister Bayern München am 24. April war der größte Coup und ein Riesenschritt zum Klassenerhalt. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Mit dem Punktgewinn am 32.Spieltag in Frankfurt hatten es die Mainzer tatsächlich geschafft. Sie konnten nicht mehr direkt absteigen. Der Relegationsplatz war nur noch theoretisch möglich, der Klassenerhalt zu 99,9 Prozent geschafft. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen

Wer hat denn aus Ihrer Sicht den größten Anteil am Klassenerhalt?

Ich finde, so etwas ist immer ein gemeinsames Werk von Mannschaft, Trainer und Verein. Leider Gottes konnten unsere Fans das jetzt nicht mitfeiern, aber auch die Stimmung in der Stadt hat sich ab Januar einfach komplett gedreht. Das war so immens wichtig für die Jungs, das Gefühl zu bekommen, dass das honoriert wird, was sie tun. Die Mannschaft hat in der Hinrunde zurecht auf die Mütze bekommen ohne Ende. Jetzt muss sie gefeiert werden ohne Ende.

Sie sind ja auch im regelmäßigen Austausch mit Jürgen Klopp (ehemaliger Mainzer Trainer, Anm. d. Red.). Gab es den auch in den letzten Tagen oder eventuell sogar heute nach dem Schlusspfiff schon?

Ich glaube, eine Minute nach Schlusspfiff kam per Whatsapp ein "Yeeees" und jeder Menge Bildchen. Der hat sich genauso gefreut wie wir auch.

Sie handeln ja auch immer weitsichtig. Haben Sie schon Pläne in der Schublade, damit eine solche Saison sich nicht wiederholt. Wie sehen diese Pläne aus?

Ehrlich, das ist heut überhaupt kein Thema. Wir haben die Saison im Januar darauf ausgelegt, in der Bundesliga zu bleiben. Das ist ja keine Planung, die sehr weitsichtig ist. Man muss sich immer überlegen, sieht man noch eine Chance oder plant man für die 2. Liga? Wir werden jetzt erstmal morgen versuchen, Borussia Dortmund zu schlagen, und dann mit der Planung für die neue Saison zu beginnen. Mehr passt jetzt noch nicht. Wir werden das Erreichte jetzt erstmal alle zusammen genießen und dann werden wir schauen, dass wir auch in der nächsten Saison eine gute Mannschaft haben.

Mainz

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