Bo Svensson jubelt mit seinen Spielern nach dem 2:1-Erfolg gegen den FC Bayern (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fußball | Bundesliga

Das Ass im Abstiegskampf: Bo Svensson als Trumpfkarte des 1. FSV Mainz 05

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"Magier" und "Super-Svensson": Der Mainzer Cheftrainer Bo Svensson steht derzeit hoch im Kurs und wurde kurzzeitig sogar mit RB Leipzig in Verbindung gebracht. Doch der riesige Vertrauensvorschuss der Führungsriege ist auch ein Versprechen für eine gemeinsame Zukunft.

An Weihnachten waren der FC Schalke 04 und der FSV  Mainz 05 mal gleichauf ganz unten. Dann folgten im Ruhrpott weitere Querelen, misslungene Wintertransfers, das nächste teure Trainermissverständnis und am Ende gar körperliche Attacken von Fans. In Rheinhessen kam Bo Svensson. Eine schillernde Trainervita hatte er genauso wenig im Gepäck wie große Sprüche - dafür erhielt er einen langfristigen und ligaunabhängigen Vertrag bis 2024 und das volle Vertrauen von Martin Schmidt und Christian Heidel, die in der großen sportlichen Not ebenfalls zu den 05ern zurückkehrten.

Quasi-Matchball gegen Hertha BSC

Schalke ist längst abgestiegen, Mainz hingegen kann am Montag (18 Uhr) gegen Hertha BSC eine herausragende Rückrunde krönen und den Quasi-Matchball zum vorzeitigen Klassenerhalt nutzen. Eine herausstechende Figur auf dem Rasen hat die Erfolgsgeschichte nicht, weder einen überragenden Torhüter, noch einen Strategen im Mittelfeld und erst recht keinen Torjäger, der diese Wende herbeigeführt hätte. Die herausstechende Figur heißt Bo Svensson und wurde zuletzt bereits als "Super-Svensson" oder "Magier" bezeichnet sowie kurzzeitig gar mit Spitzenklub RB Leipzig in Verbindung gebracht.

Svensson bleibt gelassen

Der Däne sieht den Hype nüchtern. "Ich bin trotz der Bezeichnung 'junger Trainer' immer noch 41 und habe einiges in meinem Leben erlebt. Man hat halt zwei gute Geschichten, wenn man erstmal einen Trainer in den Himmel lobt - wenn er dann nicht mehr performt, hat man eine bessere Geschichte", beschreibt Svensson. Die Emotionen und das Extra-Lob, das es sonst auf den vollen Tribünen im Stadion gerade geben würde, holt man sich in Corona-Zeiten schon mal beim Einkaufen im Supermarkt ab, wie Svensson schilderte.

Ein absolutes Meisterwerk

Blickt man zurück, unter welchen Bedingungen Svensson im Januar den Job übernahm, ist das Kurzzeitergebnis des Langzeitprojekts ein absolutes Meisterwerk. Die 05er hatten nach 14 Spielen sechs Punkte und einen einzigen bundesliga-tauglichen Stürmer: Jean-Philippe Mateta, der prompt nach England an Crystal Palace abgegeben wurde. Und seither punkten die minimalistischen Mainzer auf Augenhöhe mit Leipzig, Frankfurt oder Dortmund.

"Ich sehe meine Zukunft in Mainz"

"Ich glaube, es ist gar nicht meine Aufgabe, so viel zu bewerten. Ich kann das ganz gut einordnen", sagte Svensson über die Lobeshymnen zu seiner Person. Offerten von anderen Topklubs interessieren ihn derzeit nicht, denn der Vertrauensvorschuss der Bosse im Winter ist nun auch ein Versprechen, das Projekt nicht gleich im erstbesten Fall abzubrechen. "Ich sehe meine Zukunft in Mainz. Wir haben eine Menge vor", sagte Svensson. 

Er weiß zu gut, dass von diesem Ort schon ganz andere Trainerkarrieren begonnen haben. Der ehemalige Verteidiger hat in den Erfolgsmonaten auch an Format und Witz gewonnen. Als es in dieser Woche in einer Online-Presserunde kleinere technische Probleme gab, bat Svensson die Pressesprecherin grinsend, den nächsten Fragesteller aufzurufen. "Sonst mach' ich das!", scherzte der Coach. Gelächter. 

Keine Ausstiegsklausel

Wo im Herbst Tristesse und Frust herrschten, ist nun eine neue Begeisterung - entfacht von einem jungen Trainer mit Mainzer Stallgeruch. Sportvorstand Heidel stellte jüngst in einem Talk der VRM-Gruppe klar, dass Svensson anders als Marco Rose (von Gladbach zum BVB) oder Adi Hütter (von Frankfurt nach Gladbach) keine Ausstiegsklausel habe. "Ich finde es merkwürdig, wenn sich ein Trainer hinstellt und sagt, er will was aufbauen und gleichzeitig eine Ausstiegsklausel fordert. Ich habe noch nie eine unterschrieben", sagte Heidel. 

Auch seine Entscheidung scheint nicht die schlechteste gewesen zu sein. Er wird zumindest froh sein, in diesen Zeiten nicht mehr bei seinem Ex-Klub auf Schalke zu sein.

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