SWR-Sport Interview mit Christian Heidel (Foto: SWR, SWR)

Bilanz | Trainingslager Mainz 05

Christian Heidel: "Wir haben ein gutes Gefühl - da entwickelt sich was"

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Jan Ebling
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Achim Scheu

Zehn Tage war der 1. FSV Mainz 05 im Trainingslager in Marbella. Sportvorstand Christian Heidel zieht im Interview mit SWR Sport eine positive Bilanz.

SWR Sport: Christian Heidel, sie haben ja sicherlich auch viele Gespräche geführt in Marbella, mit dem Trainer und den Spielern. Wie ist die Stimmung?

Christian Heidel: Wer hier ist spürt, dass die Stimmung sehr, sehr gut ist. Für mich ist auch immer wichtig: Wie ist die Stimmung beim Trainer? Und die ist auch sehr, sehr gut. Wir sind hier jeden Tag im Austausch. Die Mannschaft, die wir hier haben, ist eine sehr junge Mannschaft. Eine Mannschaft, die überragend gut trainiert. Alles ist im Lauf und was ganz wichtig ist: Die verletzten Spieler stehen inzwischen auch auf dem Trainingsplatz, mit Ausnahme von Johnny Burkardt. Das gibt uns insgesamt ein sehr gutes Gefühl.

Bo Svensson lobt viel, wird wenig laut, was ja durchaus auch mal vorkommt, wenn er unzufrieden ist. Woran liegt das? Was hat er Ihnen rückgemeldet?

Bo lobt nur, wenn es angebracht ist, das weiß man. Er ist ja eher so der Kritiker und ich habe jetzt auch selten erlebt, dass er das alles wirklich als gut einschätzt. Wir sind hier mit zehn jungen Spielern. Zehn Jungs, die jünger als 21 sind. Und das Niveau ist trotzdem sehr, sehr hoch. Und das gibt uns allen, insbesondere Bo, einfach ein sehr gutes Gefühl. Da entwickelt sich etwas. Wir haben ein überragendes Nachwuchsleistungszentrum.

Jetzt müssen wir versuchen, die Jungs auch nach oben durchzubringen. Es wird nicht so sein, dass wir jedes Jahr fünf Spieler in den Profikader bringen. Die Ungeduld im Umfeld ist teilweise einfach zu groß. Wir können den Sprung aus der Jugend in die Bundesliga schon einschätzen, wissen, was das bedeutet. Wir sind da, glaube ich, auf einem sehr guten Weg.

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Sind Sie deshalb vielleicht noch ein bisschen gelassener, was Neuzugänge angeht? Es gibt Wünsche, auch von Trainer Bo Svensson, aber Hektik merkt man bei Ihnen eher selten. Ist das auch so, weil eben so viele, gute junge Spieler nachkommen?

Zum einen hängt das damit zusammen, dass ich viel Erfahrung habe. Ich weiß, wie ich mit so etwas umzugehen habe. Es braucht jetzt keiner zu glauben, dass Bo Tag für Tag bei mir vor dem Zimmer steht und sagt, wir brauchen Spieler. Wir sind da im Austausch. Die gleichen Leute, die jeden Tag fünf Neuzugänge fordern, sind die gleichen, die sagen, die jungen Spieler müssen eine Chance bekommen. Die Jungen bekommen dann eine Chance, wenn eben mal eine Verletzung passiert. Johnny Burkardt kommt vielleicht zwei Wochen später zur Mannschaft zurück, das haben wir schon alles im Griff.

"Wir haben eine gute Mannschaft. Die könnte morgen anfangen, Fußball-Bundesliga zu spielen"

Gibt es einen Stand der Dinge in Sachen Neuzugängen?

Klar ist, wir hätten vielleicht noch besseres Gefühl, wenn wir wüssten, dass alle Verletzten wieder da sind. Es gibt einen Stand der Dinge, aber den werde ich euch nicht verraten. Aber wir sind da dran, ohne Aktionismus. Und wir werden auch nicht jeden Preis bezahlen. Das können wir auch nicht. Wir müssen schauen, ob wir die Spieler bekommen, bei denen wir glauben, dass sie uns weiterhelfen können. Wenn das nicht der Fall ist, dann verpflichten wir eben keinen. Und dann haben die Jungs, die jetzt hier trainieren, eben unser Vertrauen.

Was möchten Sie sehen, wenn die Saison am 21. Januar mit dem Spiel beim VfB Stuttgart wieder anfängt? Das wird ja ein richtig hartes Programm. Wie möchten sie ihre Mannschaft sehen?

Ich möchte eine Mannschaft in Stuttgart sehen, die ohne jegliche Angst und mit viel Mut aufläuft. Gegen einen Gegner, der es sicherlich noch dringender notwendig hat, gewinnen zu müssen. Wir haben uns den VfB hier angeschaut in einem Freundschaftsspiel, da kommt einiges auf uns zu. Aber wir haben auch da ein gutes Gefühl. Ich wünsche mir danach gegen Borussia Dortmund ein ausverkauftes Stadion, eine unglaubliche Stimmung gegen einen noch stärkeren Gegner. Ich wünsche mir, dass wir dann die die Vorrunde mit mehr Punkten abschließen, als wir jetzt haben, und gehen dann mit einem guten Gefühl in die Rückrunde. Und ich wünsche mir für die Rückrunde, dass die gerade die jungen Spieler mit dem nächsten Schritt dran kommen.

Man weiß ja seit Jahren, Christian Heidel hat einen Traum: Das DFB-Pokalfinale in Berlin. Die Chance ist wieder da, aber mit einem der härtesten Gegner im Achtelfinale - Bayern München. Aber ist der Traum da und haben Sie die Hoffnung, dass es vielleicht klappt mit dem Pokal?

Unser Traum lebt ja. Bei mir lebt der seit 32 Jahren. So gegen Ende könnte es ja jetzt mal irgendwann klappen. Natürlich ist es ein Spiel, wo wir krasser Außenseiter sind. Wir spielen da gegen die Übermannschaft, aber das weiß jeder. Die Bayern hatten schon öfters mit uns Probleme. Das wird unser Ziel sein, ihnen Probleme zu bereiten.

Am Sonntag war hier ein Fantreffen. Sie wollen ja auch immer spüren, wie es den Anhängern geht. Was haben sie da so gehört? Wie sind die Fans zufrieden?

Also ich habe da eigentlich ein sehr gutes Feedback bekommen. Insbesondere über die Art, wie wir das gemacht haben. Das war ja wie ein großes Familientreffen. Unsere Jungs haben mittendrin gestanden in den Leuten. Wir hatten gar kein Programm, sondern wir haben den Fans einfach mal die Möglichkeit gegeben, mit jedem zu quatschen, egal, was sie wollten. Es war ein sehr kurzweiliger Abend, der gut angekommen ist. Mainz 05 soll ein bisschen anders sein, wesentlich nahbarer. Natürlich geht es nicht immer und überall. Aber so in der Art, wie es gelaufen ist, so stelle ich mir Mainz 05 vor. Und ich glaube die Fans auch.

Was hat Mainz 05 da für die Zukunft noch geplant?

Ich glaube, wir müssen einfach den Weg weitergehen. Wir spüren das momentan. Wir haben einen starken Mitgliederzuwachs. Die Zuschauerzahlen steigen wieder an, wir haben überragende Sponsoren, wir sind da inzwischen wieder auf einem guten Weg. Und wir müssen es immer wieder auch mit sportlichen Leistungen untermauern. Das Allerwichtigste ist, dass die Leute im Stadion das Gefühl haben, wir wollen bei jedem Spiel unbedingt gewinnen. Wir werden auch das eine oder andere Spiel verlieren. Ja, damit muss man rechnen. Aber die Leute müssen das Gefühl haben, wir haben alles versucht. Und ich glaube, wir haben eine Mannschaft zusammen, wo man das merken wird.

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