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Der 1. FSV Mainz 05 hat die Reißleine gezogen und Trainer Achim Beierlorzer beurlaubt. Die Rheinhessen hatten den Bundesliga-Saisonstart mit zwei Niederlagen verpatzt, zudem hatte ein Spielerstreik letzte Woche bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Beierlorzer hatte die 05er im vergangenen November nach der Entlassung von Sandro Schwarz übernommen. Im Punktspiel bei Union Berlin (Freitag, 20:30 Uhr) und vorerst darüber hinaus soll der bisherige Co-Trainer Jan-Moritz Lichte das Team betreuen. Der 40-jährige Fußballlehrer gehört seit 2017 zum Trainerstab.

Beierlorzer: "Enttäuscht über die Entscheidung des Vereins"

"Ich bin enttäuscht über die Entscheidung des Vereins. Nichtsdestotrotz wünsche ich Mainz 05 und der Mannschaft für den weiteren Weg alles Gute", sagte Beierlorzer in einer Mitteilung des Vereins.

Sportvorstand Schröder begründet den Schritt

"Wir haben uns gemeinsam sehr intensiv mit unserem sportlichen Weg auseinandergesetzt und mit der Frage, in welcher Form wir der aktuellen Entwicklung Rechnung tragen und der Mannschaft kurzfristig und perspektivisch neue Impulse geben können. Ergebnis dieses sehr offenen und ehrlichen Gespräches ist, dass wir als Verein die gemeinsame Arbeit mit Achim Beierlorzer nicht fortsetzen", sagte der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder.

Auch die Entscheidung für Lichte begründete Schröder: "Jan-Moritz Lichte verfügt über die fachliche Expertise, eine Erfahrung als Trainer über mehr als zehn Jahre und kennt unsere Mannschaft natürlich in- und auswendig. Wir trauen ihm daher zu, unser Team in die weitere Saison zu führen."

Lichte: Fokussierung auf Union Berlin

Lichte selbst geht die Aufgabe optimistisch an. "Ich werde mich in meiner neuen Rolle jetzt auf das konzentrieren, was ich unmittelbar beeinflussen kann. Das ist die Arbeit mit der Mannschaft im Training und in der Vorbereitung auf die Partie bei Union Berlin am Freitag. Für das Team und mich steht diese Fokussierung absolut im Mittelpunkt", sagte er.

Noch nach der Heim-Niederlage gegen den VfB Stuttgart (1:4) hatte sich Beierlorzer kämpferisch gezeigt. "Zu 100 Prozent" sehe er seine Zukunft bei den Rheinhessen, versicherte er. Sportvorstand Rouven Schröder wollte zu diesem Zeitpunkt aber schon nicht mehr bestätigen, dass Beierlorzer in Berlin noch auf der Bank sitzen werde.

Beierlorzers Verhältnis zu den Profis galt als belastet. Zuletzt gab es einen Spielerstreik, der mit Solidarität gegen die Degradierung von Stürmer Adam Szalai begründet wurde.

Fußball | Bundesliga Trainerwechsel bei Mainz 05: Wer coachte die Rheinhessen bisher?

Jürgen "Kloppo" Klopp - die Kultfigur (2001-2008): Kloppo führt die Mainzer 2004 erstmals in die Bundesliga, ehe er vier Jahre später zu Borussia Dortmund wechselte. Beim FSV startete er seine steile Trainer-Karriere, nach sieben Jahren im Pott ging er zu Liverpool. Dort wurde die Trainer-Legende 2019 unter anderem Weltclub-Trainer des Jahres. (Foto: Imago, Sven Simon)
Jürgen "Kloppo" Klopp - die Kultfigur (2001-2008): Kloppo führte die Mainzer 2004 erstmals in die Bundesliga, ehe er vier Jahre später zu Borussia Dortmund wechselte. Beim FSV startete er seine steile Trainer-Karriere, nach sieben Jahren im Pott ging er zu Liverpool. Dort gewann er Meisterschaft und Champions League und wurde Weltclubtrainer des Jahres. Imago Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
Jörn Andersen - der zweite Aufstiegstrainer (2008-2009): Andersen trat in schwere Fußstapfen: Zum einen Klub-Legende Jürgen Klopp beerben und zum anderen den Wiederaufstieg schaffen. Diese Mission war erfolgreich, der "stille Genießer", wie er sich selbst beschreibt, wird zum Fan-Liebling. Aber nur für eine Saison: Schon nach dem Pokal-Aus in der ersten Runde und fünf Tage vor Liga-Beginn, wurde er gefeuert. Imago Contrast Bild in Detailansicht öffnen
Thomas Tuchel - der Taktik-Fuchs (2009 bis 2014): Er prägte die zweite Bundesliga-Ära am Bruchweg. Mit Tuchel und seinen taktischen Finessen ärgerten die Mainzer die großen Clubs in Serie. Nach seinem Rücktritt auf eigenen Wunsch und einem Sabbatjahr kam er nach Dortmund. Dort wurde Tuchel Pokalsieger, ehe er zu Paris Saint-Germain ging. Seitdem trainiert er Superstars wie Neymar und holte unter anderem zweimal die Meisterschaft. Imago Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
Kasper Hjulmand - der Unbekannte (2014-2015): Als weitgehend Unbekannter kam er im Juli 2014 an den Bruchweg, zuvor wurde Hjulmand einmal dänischer Meister. Der Däne fiel als Mann mit Stil auf. Kurz nachdem die Rückrunde begonnen hatte, musste er gehen. Nach nur einem Sieg aus 13 Partien waren die Mainzer in die Abstiegszone gerutscht. Danach wechselte Hjulmand als Trainer zurück nach Dänemark, ehe er eine Karriere als Berater startete. Imago Picture Point Bild in Detailansicht öffnen
Martin Schmidt - der Nachwuchs-Trainer (2015-2017): Fünf Jahre trainerte der Schweizer die zweite Mannschaft, bevor er zu den Profis berufen wurde. Er führte die Mainzer in Richtung internationaler Plätze und spielte 2016 erstmals in der Gruppenphase der Europa-League. Danach stürzte der FSV aber wieder ab. Obwohl er mit der Mannschaft knapp den Klassenerhalt schaffte, musste Schmidt nach nur zwei Jahren gehen. Danach stand er unter anderem in Wolfsburg und Augsburg an der Seitenlinie. Imago DeFodi Bild in Detailansicht öffnen
Sandro Schwarz - der Vereinstreue (2017-2019): Als Spieler in der Mainzer Jugend aktiv, feierte er unter Jürgen Klopp den Aufstieg in die Bundesliga, anschließend startete er seine Trainerkarriere. Sandro Schwarz ist ein Mainzer Urgestein. Er trainierte erst die U19, dann die zweite Mannschaft, ehe er 2017 das Bundesliga-Team übernahm. Nachdem er zwei Negativrekorde (höchste Niederlage, schlechtester Saisonstart) aufgestellt hatte, wurde er im November 2019 gefeuert - Endstation Mainz 05. Imago Eibner Bild in Detailansicht öffnen
Achim Beierlorzer - der Krisen-Trainer (2019-2020): Im November übernahm Beierlorzer die Mainzer im Abstiegskampf, konnte in einer Saison, die vor allem unter dem Stichwort "Corona" in Erinnerung blieb, mit Platz 13 den Klassenerhalt feiern. Nach Unstimmigkeiten mit der Mannschaft, die in einem Trainingsstreik gipfelte und bisher zwei Niederlagen in zwei Spielen, wurde Beierlorzer gefeuert. Imago Revierfoto Bild in Detailansicht öffnen
Jan-Moritz Lichte - der Neue (seit September 2020): Vom Co-Trainer zum Chefcoach auf unbestimmte Zeit in Mainz - er macht es wieder. Schon nach der Entlassung von Sandro Schwarz coachte der 40-Jährige die Profis, bis Achim Beierlorzer kam. Nach dessen Rauswurf ist Jan-Moritz Lichte erneut gefragt und bekommt nun die Chance, sich als Bundesliga-Chefcoach weiter zu profilieren. Bild in Detailansicht öffnen

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