Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool (Foto: Imago, Sportimage)

Fußball | International Jürgen Klopp - der "Gott" von Anfield

Im Champions-League-Achtelfinale trifft Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool auf den FC Bayern München. Der Trainer aus dem Schwarzwald elektrisiert in England die Massen.

Für Liverpool-Legende Jamie Carragher genießt Jürgen Klopp an der berühmten Anfield Road schon jetzt Heldenstatus. Würde der frühere Trainer von Mainz 05 jedoch mit den Reds nach 29 Jahren erstmals wieder den Meistertitel gewinnen, "würde er hier zum absoluten Gott werden, zum absoluten Gott", betonte Carragher. Die Fans würden Klopp "Denkmäler aufstellen".

Klopp als Euphorie-Bremser

Jürgen Klopp mag diese Überhöhungen nicht. Dass ihn viele Fans schon auf eine Stufe mit Teammanager-Ikone Bill Shankley, der die Reds dreimal zum englischen Titel geführt hatte, stellen, ist dem 51-Jährigen fast unangenehm. Vielmehr versucht er die riesige Euphorie in der englischen Hafenstadt zu bremsen. Die Saison sei noch "so lang", sagt Klopp gebetsmühlenartig. Die Tabelle interessiere ihn nicht. Die Reds liegen im Meisterschaftsrennen in der Premier League nur wegen der schlechteren Tordifferenz hinter Manchester City, haben aber ein Spiel weniger absolviert.

Die Lage war schon deutlich komfortabler gewesen, aber der Glaube in Liverpool an die erste Meisterschaft seit 1990 ist riesig. Und dieser Glaube trägt vor allem einen Namen: Jürgen Klopp. Seit der Deutsche am 8. Oktober 2015 das Amt von Brendan Rodgers übernahm, elektrisiert Klopp die Massen an der Mersey. Die Fans vergöttern ihren Trainer nahezu - und auch die ehemaligen Liverpool-Helden wie Carragher oder Steven Gerrard sind nicht erst seit der Teilnahme am Champions-League-Finale im vergangenen Sommer (1:3 gegen Real Madrid) begeistert.

Der Vulkan an der Seitenlinie

Er würde Klopp "lieben", sagte Gerrard vor Monaten im "Guardian". Er könnte "nie wie Jürgen sein. Er hat dieses Charisma , diese unglaubliche Energie", lobte der frühere Kapitän. Klopp sei "ein Manager, der nicht nur ein Auge für einen guten Spieler hat, sondern ihn auch verbessert", ergänzte Jamie Redknapp in der "Daily Mail": "Mohamed Salah war kein 40-Tore-Stürmer und Anwärter auf den Ballon d'Or, als er im Verein ankam."

Doch es ist nicht nur die sportliche Seite, die die Leute in Liverpool in Klopps Bann zieht. Klopp ist authentisch, seine offene Art kommt in der Stadt an, aus der die Beatles einst zu Weltruhm aufstiegen. Am Spielfeldrand kann der frühere Mainzer aber auch schnell zur Furie werden, um nach derart emotionalen Momenten ebenso schnell wieder die Ruhe selbst zu sein. "Darin", sagt Gerrard, sei Klopp "sehr gut. Während des Spiels ist er sehr emotional, aber sobald es vorbei ist, kann er seine Emotionen bündeln. Deshalb geht er so gut mit Druck um. Man muss sein Leben neben dem Fußball weiterleben, auch als Trainer."

Hoeneß wertschätzt Klopps Arbeit

Auch bei Bayern München, im Achtelfinale Gegner des FC Liverpool in der Champions League, wird Klopp "sehr geschätzt", wie Präsident Uli Hoeneß sagt: "Ich hatte mit ihm vor Jahren schon eine Zusammenarbeit vereinbart, bis wir dann Jürgen Klinsmann verpflichtet haben. Ich habe hohe Achtung vor ihm und seiner Arbeit." Dies haben auch seine Profis. "Wir profitieren in jedem Spiel von Jürgen Klopp. Er hat die Mannschaft auf ein neues Niveau gehoben und zu einem Gewinner-Team gemacht", betonte unlängst Sadio Mane in der "Sport Bild".

Der so Gelobte will das alles nicht zu hoch hängen: "Am Ende müssen es die Jungs auf dem Platz entscheiden." Ein Denkmal würden die Fans aber vor allem für Klopp errichten.

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