Mainz 05 Spieler enttäuschen beim 0:8 in Leipzig  (Foto: Imago, Imago)

Fußball | Kommentar Mainz-05-Fans: "Warum machen die nix?"

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Der FSV Mainz 05 hat ein Fußballspiel verloren. Aber wie - es setzte ein 0:8 bei RB Leipzig. Der Druck auf Trainer Sandro Schwarz wächst. Die Vereinsführung behält dennoch einen kühlen Kopf. Ein Kommentar von Stephan Mai.

0:8 verloren. Null zu Acht. Das gab es noch nie bei den Mainzern. Es war ein Desaster, ein Offenbarungseid, eine fußballerische Bankrotterklärung.

Die Verantwortlichen stehen hinter dem "Mainzer Weg"

Und die Konsequenz? Die, die ach so viele in der Branche fordern, bleibt aus. Es wird keine Entlassung des Trainers geben. Die Mainzer gehen ihren "Mainzer Weg". Der beinhaltet, dass personelle Konsequenzen nur dann gezogen werden, wenn man die Gesamtsituation als gefährdet einstuft. Nach zehn Spieltagen und neun Punkten ist man unzufrieden, aber eine akute Gefahr sehen die Verantwortlichen nicht. Sie sind weiterhin überzeugt, dass Trainer Sandro Schwarz seinen Job richtig gut macht. Seine Ansprache an die Mannschaft, seine Analyse nach den Spielen - all das sei gut. Er sei nicht zu weich, er sei nicht zu hart. Er mache das sachlich, korrekt und im Ton angemessen. Die Mannschaft sei gefordert.

Rouven Schröder ist "verdammt mutig"

Das Problem ist die Wahrnehmung im Umfeld des Vereins. In den Fanforen, die sicher nicht immer ein Gradmesser sind, ist die Stimmung für einen Rauswurf. Doch was sollte sich mit einem Trainerwechsel ändern? Diese Frage stellt sich Sportvorstand Rouven Schröder sicher auch. Noch kommt er zu dem Ergebnis: Mit Schwarz sind wir besser aufgestellt als ohne.

Dauer

Ich finde: Es ist verdammt mutig, was Rouven Schröder da macht. Doch wie lange können die Mainzer diesen Weg wirklich gehen? Das ist die Frage, die sich derzeit stellt. Leipzig ist nicht das erste Spiel in dieser Saison, das richtig in die Hose ging. In Freiburg und gegen die Bayern ergaben sich die Mainzer phasenweise willenlos und wehrlos ihrem Schicksal. Der Kader wirkt in diesen Momenten wie ein Hühnerhaufen. Es soll sie ja geben - die verschiedenen Lager innerhalb der Truppe. Immer wieder - zum Beispiel bei vermeintlichen Kleinigkeiten wie der Wahl der Musik in der Kabine - gibt es Streit. Die große Fraktion der französischsprachigen Kicker gegen den genervten Rest.

Schwarz überzeugt emotional

Der Trainer ist also nicht nur im taktischen Bereich gefragt, er muss auch diese wenig harmonische Gruppe zu einer Einheit formen. Das funktioniert, mal mehr - mal weniger. Und es spiegelt sich ganz offenbar auf dem Platz wider. Ist Sandro Schwarz bei all den Problemen noch der richtige Mann? Immer dann, wenn er, wie zuletzt in der Pressekonferenz mal explodiert und Emotionen zeigt, dann wirkt der Coach überzeugend. In dieser Form wird er es schaffen. Davon bin ich fest überzeugt. Genau dann, wenn es ihm gelingt die Spieler anzuspitzen, sie heiß zu machen und zu einem Team zusammen zu formen. Dann ja.

Dem Mainzer Weg treu bleiben

Wie lange wird es dauern, bis die Mainzer in den branchenüblichen Gang schalten und den Hebel für den Schleuderstuhl umlegen? Laut Sportvorstand Schröder wird das überhaupt nicht passieren. Mainz 05 wolle nicht so agieren wie viele andere Bundesligisten, die ständig den Trainer, den Manager, den Sportdirektor oder andere Positionen wechseln. Die 05er wollen sich treu bleiben. Das ist er, der "Mainzer Weg". Und so steinig er auch sein mag: Davon abzurücken sei kein Thema.

Ein Vorhaben, dass ich ganz gut nachvollziehen kann. Ich bin aber gespannt, ob es nach weiteren Darbietungen wie in Leipzig wirklich dabei bleiben wird. Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen.

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