Schwarz zweifelt nicht an der Einstellung seiner Mannschaft (Foto: SWR, SWR)

Fußball | Bundesliga Mentalitätsproblem? Mainz-05-Trainer Sandro Schwarz platzt der Kragen

AUTOR/IN

Die Bilanz ist ernüchternd: Sechs Punkte aus acht Spielen, Mainz 05 steht auf einem Abstiegsplatz. Doch von einem Mentalitätsproblem will Trainer Sandro Schwarz nichts wissen.

"Die Leistung von Samstag hat uns angekotzt!" Sandro Schwarz findet in der Pressekonferenz vor dem Freitagabendspiel gegen den 1. FC Köln klare Worte. "Den größten Scheiß haben wir gespielt." Seine Spieler waren laut eigener Aussage selbst unzufrieden mit der Leistung in Düsseldorf. Doch eines weist der Coach entschieden zurück: dass seine Mannschaft ein Einstellungsproblem habe. "Null Komma Null Einstellungsproblem" attestiert er seinem Team. Woche für Woche gäbe es nur ein Problem: Die Mannschaft bringe die Trainingsleistung an Spieltagen nicht auf den Platz. An der Einstellung werde er niemals zweifeln.     

Mainz 05 startete mit großen Hoffnungen

Vor der Saison tätigten die Mainzer mehrere Toptransfers (Pierre Gabriel, Edimilson Fernandes, Jeremiah St. Juste, Dong-Won Ji). Die Mainzer gaben dafür insgesamt weit über 20 Millionen Euro aus. Das Ziel war, noch besser abzuschneiden als Platz zwölf in der Vorsaison. Einige sprachen sogar davon, dass Mainz den besten Kader seiner Bundesliga-Geschichte habe. Eingeschlagen hat nach einem knappen Drittel der Saison nur einer: Innenverteidiger "Jerry" St. Juste ist eine klare Verstärkung im 05-Team. Die übrigen entweder schlecht, nur wenig oder gar nicht.

Dong-Won Ji ist seit Saisonbeginn verletzt. Dazu kam auch noch das Pech, dass sich Top-Torjäger Jean-Philippe Mateta vor Saisonstart am Meniskus verletzte und monatelang ausfällt. Leistungsträger der vergangenen Saison liefern nicht mehr: Aaron Martin, Jean-Paul Boetius oder auch Moussa Niakhaté laufen Ihrer Form hinterher. Im Mainzer Spiel, das in der abgelaufenen Saison zeitweise perfekt ineinander griff und passte, scheint derzeit ordentlich Sand im Getriebe zu sein.

Wille und Identifikation

Wenn Ergebnisse ausbleiben, Automatismen ins Stocken geraten und die Leistungen von Spiel zu Spiel schlechter werden, kann und muss man mit Tugenden wie Kampf und Willen dagegensteuern. Und genau das scheint bei Mainz 05 aktuell nicht zu passieren - zumindest nicht ausreichend. Bei der 0:1-Auswärtsniederlage in Düsseldorf mussten die Mainzer die zweiten 45 Minuten mit neun Feldspielern bestreiten. Edimilson Fernandes flog kurz vor dem Pausenpfiff wegen eines unnötigen Foulspiels auf der Höhe der Mittellinie mit gelb-rot vom Platz und schwächte seine Mannschaft damit empfindlich.

Was dann aber geschah, war bezeichnend für die aktuelle Situation der 05er: Anstatt sich für das Team und mögliche Auswärtspunkte zu zerreißen, machten einige nur Dienst nach Vorschrift. Mainz-05-Torwart Robin Zentner platzte nach der Begegnung dann auch der Kragen. Er bemängelte im Interview mit SWR Sport öffentlich, ohne Namen zu nennen, dass einige seiner Mannschaftskollegen nicht alles gegeben hätten. Die 05-Fans spüren auch, dass sich Identifikation und Einsatzwille nicht bei allen erkennen lassen.

Dauer

Mainz 05 nur noch Durchlauferhitzer?

Mainz 05 hatte in der Vergangenheit mit spektakulären Transfers auf sich aufmerksam gemacht. Abdou Diallo wechselte nach nur einem Jahr bei den 05ern für knapp 30 Millionen Euro nach Dortmund und ein Jahr später weiter zu Paris Saint German. Yoshinori Muto ging für zehn Millionen Euro nach England und zuletzt folgte ihm auch Jean-Philippe Gbamin. Geschätzte Ablöse: 25 Millionen Euro. Alle hatten zuvor in Mainz ihren Marktwert vervielfacht. Viele Spieler sehen Mainz 05 mittlerweile als Chance, als Sprungbrett: rein ins Konzert der großen Klubs und ran an die großen Gehälter.

Die Identifikation könnte dabei auf der Strecke bleiben. Genau hier liegt die Gefahr für Mainz 05. Einem Club, der in den vergangenen Jahren wirtschaftlich einen, für seine Verhältnisse, sehr erfolgreichen Weg gegangen ist. Jetzt sind Fußball-Tugenden wie Kampf, Einsatzwille und Vereinsliebe gefragt. Leader müssen vorangehen. Die Zeit des Schaulaufens ist endgültig vorbei. Wenn Mainz 05 die Kehrtwende einleiten will, müssen alle an einem Strang ziehen. Passiert das nicht, droht der Fall in die Zweitklassigkeit.

AUTOR/IN
STAND