Falls DFB, DFL und die deutschen Sicherheitsbehörden "kalte Pyrotechnik" erlauben, könnten die Mainz-05-Ultras auch legal zündeln (Foto: Imago, Sportfoto Zink / DaMa)

Bundesliga | FSV Mainz 05 "Kalte Pyro" - legales Feuerwerk für die Fan-Kurven?

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Gefährlich und illegal – nicht ohne Grund ist das Abbrennen von bengalischen Fackeln und Rauchbomben in den Stadien verboten. Jetzt könnte es demnächst eine "kalte" Alternative geben.

Während für die Hardcorefans das Abbrennen von Pyrotechnik zum absoluten Höhepunkt der Fankultur gehört, ist es für einen Großteil der "normalen" Fans und für die Behörden einfach nur kriminell. Und das völlig zurecht. Die traditionellen Fackeln brennen bei einer Temperatur von bis zu 2.000 Grad Celsius ab, entwickeln einen nicht nur für die Umstehenden gesundheitsgefährdenden Rauch und lassen sich kaum löschen. Die Folge, die Nutzung solcher Pyros ist verboten, Zuwiderhandlungen haben so manchen Klub bereits einige tausend Euro Strafe gekostet.

Jetzt haben sich in Stockholm Fanbeauftragte des FSV Mainz 05, des SV Werder Bremen, von FC Schalke 04, und ein Vertreter vom "Fanladen" des FC St. Pauli über neue Entwicklungen der sogenannten 'kalten Pyrotechnik' informiert. Dabei war auch ein Vertreter der Deutschen Fußball Liga (DFL).

"Kalte Pyros" brennen mit 230 statt der bisher üblichen 2.500 Grad Celsius

Dauer

Die neuen 'kalten Pyros' sehen nach Auskunft von Ben Praße, dem Mainzer Fanbeauftragten, aus wie "vier miteinander verbundene dünne Röhrchen mit einem Griff", die dann eine Flamme entwickeln. Der Vorteil, die neuen Teile, zum Einsatz beim Treffen in Stockholm kamen einige Prototypen, entwickeln weit weniger Rauch und brennen bei einer Temperatur von circa 230 Grad Celsius ab. Wobei die neue Generation auch mit Wasser zu löschen ist.

Jahrelang hat der dänische Pyrotechniker Tommy Cordsen an den 'kalten Pyrofackeln' getüftelt. Herausgekommen ist ein Produkt, das mit dem CE-Prüfzeichen europaweit zugelassen ist. Die Fackel dürfte damit theoretisch in jedem Supermarkt verkauft werden.

Deutsche Behörden sind nicht ausreichend informiert

Nach Informationen der ARD-Radio-Recherche Sport ist das Thema bei den zuständigen Behörden in Deutschland allerdings noch nicht bzw. nur sehr vage angekommen. Das zeigt eine schriftliche Anfrage an die Innenministerien der Bundesländer. Die Behörden in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Bayern, Sachsen, Berlin und Bremen teilen mit, dass für eine Bewertung der kalten Pyrotechnik derzeit zu wenige Informationen vorliegen. Nur aus Nordrhein-Westfalen heißt es, "auch 'kalte Pyrotechnik' sei mit erheblichen Unfallrisiken bei großen Menschenansammlungen wie beispielsweise Brand- und Rauchgasverletzungen oder Knalltrauma verbunden, weswegen sie aus polizeilicher Sicht in Stadien nicht zum Einsatz kommen dürfe."

Der Deutsche Fußball Bund will zu dem Thema aktuell keine Stellung nehmen und teilt per E-Mail mit:

"Der DFB hat seine Position zum Thema Pyrotechnik bereits mehrfach dargestellt, wir bitten daher um Verständnis, dass wir uns aktuell dazu nicht äußern."

DFB

Vielleicht ändert sich diese Einstellung nach dem groß angelegten ersten Testversuch in Dänemark. Dort sollen bereits im Dezember eintausend der neu entwickelten "kalten" Fackeln bei einem Punktspiel getestet werden. Und je nach Ausgang besteht durchaus die Möglichkeit, dass es in den Stadien in Zukunft wieder "legal gefackelt" werden könnte. "Der Entwicklungsprozess ist noch am Anfang, dennoch wollen wir uns informieren“, meint der Mainzer Ben Praße.

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