Sandro Schwarz, Trainer des FSV Mainz 05 (Foto: Imago, Jan Huebner)

Fußball | Bundesliga Der FSV Mainz 05 sieht auf der Trainerposition Schwarz

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Der FSV Mainz 05 stürzt in der Rückrunde in eine Ergebniskrise. Nach zwei Siegen zu Beginn des Jahres haben die Rheinhessen nun zuletzt drei Mal in Folge verloren. Dafür gibt es Gründe.

Die Ausgangssituation

Nach einem starken Schlussspurt in der Hinrunde (2:2 gegen Frankfurt, 1:1 in Hoffenheim) hatte sich Mainz 05 im Wintertrainingslager unter der spanischen Sonne vorgenommen, ab sofort mehr fußballerische Lösungen zu finden, um so spielstarken Mannschaften besser die Stirn bieten zu können. Der Rückrundenauftakt gelang mit zwei Siegen. Allerdings nur auf den ersten Blick, denn schaut man genauer hin, war in diesen beiden Partien schon die Grundproblematik des Mainzer Spiels zu erkennen. Die Mannschaft von Trainer Sandro Schwarz kassiert zu viele Gegentore. So wie die insgesamt elf Treffer, die die Rheinhessen bei den jüngsten drei Pleiten fingen.

Die Abwehr steht nicht mehr stabil

Zu Beginn der Saison war Mainz 05 mit vier Gegentoren nach sieben Spielen europaweit spitze. Nach nur fünf Rückrundenspielen hat das Team von Coach Schwarz nun bereits 14 Gegentreffer kassiert. Die beiden Siege zu Beginn der Rückrunde wurden erzittert, weil die Abwehr während des Spiels schwer ins Wanken geriet. Der Grund: Die taktische Ausrichtung ist verändert. Die Mannschaft versucht Problemsituationen vermehrt spielerisch und nicht mehr nur mit Kampf und Einsatz zu lösen. Das bedarf aber einer hohen fußballerischen Qualität und der dazugehörigen nötigen Konzentration und Präzision. Diese wiederum muss in einer niveaugerechten Handlungsschnelligkeit eingebettet sein. Und genau da kommt Mainz 05 aktuell ins Straucheln.

Fußball beginnt im Kopf

Die Fähig/- und die Fertigkeiten, Problemsituationen spielerisch zu lösen, sind im 05 Kader unzweideutig vorhanden. Die spielerische Substanz wurde vor der Saison durch Verpflichtungen von zum Beispiel Jean-Paul Boetius und Jean-Philipp Mateta auf ein neues Nieveau gehoben. Mainz 05 kann, wenn es will.

Wenn das vorhandene Potential ausgeschöpft wird, ist Mainz 05 nicht nur konkurrenzfähig, sondern kann im Optimalfall sogar am oberen Tabellendrittel anklopfen. Dafür muss aber alles perfekt funktionieren. Aktuell tut es das nicht! Die Präzision und vor allem die Konzentration können momentan nicht über das gesamte Spiel gehalten werden.

Die Struktur stimmt

Die Abläufe sind klar. Die Mannschaft weiß, was sie zu tun hat. Sie ist aber noch sehr jung. Viele Spieler sind noch in der Lernphase. Gegen Wolfsburg hatte das Team ein Durchschnittsalter von 24 Jahren. Bei der 1:5 Niederlage gegen Leverkusen lag es sogar nur bei 23,5 Jahren. Die Disziplin im Training sei sehr hoch, bestätigt 05-Trainer Schwarz. Der Wille sei da. Die Umsetzung bis ins Detail klappe im Training sehr gut, im Spiel allerdings nicht immer zu 100 Prozent. Konsequent das Leistungsniveau halten und ausbauen - das ist das Ziel für die Zukunft!

Auf der Trainerposition kann man nur "Schwarz-sehen"

Sandro Schwarz hat nach seinem ersten Jahr als Bundesligatrainer eine Entwicklung durchgemacht. Er bekam nach dem geschafften Klassenverbleib in der abgelaufenen Saison im Sommer einen deutlich stärkeren Kader zur Verfügung gestellt. Mit 27 Punkten nach 22 Spieltagen hat sich Schwarz mit seiner Mannschaft ein fettes Polster auf den Relegationsplatz erarbeitet. Der Abstiegskampf ist derzeit kein Thema bei Mainz 05.

Die zwölf Zähler Vorsprung auf die Rote Zone geben Sicherheit und Spielraum. Spielraum, neues auszuprobieren und Altes zu automatisieren und zu perfektionieren. Dass dabei mal drei Spiele hintereinander verloren gehen können, ist eine in Kauf zunehmende mögliche Folge eines Entwicklungsschritts, der die Mannschaft auf ein neues Niveau führen soll.

Wenn allerdings weiter verloren werden sollte, kann die Mannschaft von einer Ergebniskrise in eine mentale Krise rutschen. Das zu verhindern, ist die Aufgabe von Schwarz. Er hat das Team bis hierhergeführt. Er hat es seit Saisonbeginn auf- und umgebaut. Die bisherigen Erfolge sind sein Verdienst. Seine und die seines Trainerstabs. Deshalb sehen sie am Bruchweg auf der Trainerposition aktuell nur "Schwarz".

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