Mainz-Neuzugang Niakhaté (Foto: Imago, Martin Hoffmann)

Bundesliga | FSV Mainz 05 Moussa Niakhaté - (K)ein neuer Diallo

Moussa Niakhaté soll bei Fußball-Bundesligist 1. FSV Mainz 05 Abdou Diallo beerben. Der 22 Jahre alte französische Defensivspieler macht trotz vieler Parallelen sein eigenes Ding.

Etwas schüchtern wirkt der junge Mann, als er zusammen mit seinem Dolmetscher zum Interviewtermin erscheint. So zurückhaltend, wie er sich im Gespräch äußert, will Moussa Niakhaté auf dem Fußballplatz nicht auftreten. Mit dem 1. FSV Mainz 05 möchte der 22 Jahre alte Defensivspieler aus Frankreich in der neuen Bundesliga-Saison für Furore sorgen – ohne dabei seinem unmittelbaren Vorgänger nachzueifern.

Der Vergleich drängt sich auf: Mit Anfang 20 aus der französischen Heimat nach Mainz gekommen, U21-Nationalspieler, als Links- und als Innenverteidiger einsetzbar. Diese Attribute treffen sowohl auf Abdou Diallo als auch auf Moussa Niakhaté zu. Diallo kickt nach nur einem Jahr im 05-Trikot inzwischen in Dortmund und bescherte den Mainzern die Rekord-Ablösesumme von 28 Millionen Euro. Der zwei Monate ältere Niakhaté wechselte Anfang Juli vom FC Metz in die Landeshauptstadt.

Niakhaté: "Jeder geht seinen eigenen Weg"

In Metz war Niakhaté Stammspieler, bestritt 38 Pflichtspiele. Den Abstieg in Ligue 2 konnte er allerdings nicht verhindern. Und – natürlich – stand der 22-Jährige auch schon mit Diallo auf dem Platz. Fünfmal spielten die beiden Franzosen gemeinsam für die U 9- und U20-Nationalteams Frankreichs. Weil sein Landsmann Mainz nach nur einem Jahr wieder verließ, um in Dortmund um Titel zu spielen, soll der 22-Jährige nun an seine Stelle treten. "Ich bin hergekommen, um zu spielen und dabei Fortschritte zu machen", kündigt er an. "Ich will meinen Teil zum Erfolg der Mannschaft beitragen." Die Entscheidung für Mainz traf Niakhaté, wie er betont, ganz alleine: "Ich habe auch nicht mit Abdou gesprochen. Er hatte ja mit seinem Wechsel im Sommer genug zu tun."

Der neue Mann ist davon überzeugt, dass er bei den 05ern den nächsten Schritt gehen kann: "Die Intensität in Deutschland ist höher als in Frankreich. Ich will dem Verein helfen und in meiner Karriere und als Mensch weiterkommen." Seine Stärken liegen ähnlich wie die von Diallo besonders in der Spieleröffnung. Doch Niakhaté hält nichts von solchen Vergleichen: "Die Unterschiede zwischen mir und Abdou müssen andere bewerten. Ich will mich mit keinem Spieler auf der Welt vergleichen", sagt er. "Jeder geht seinen eigenen Weg und hat seine eigene Geschichte und Karriere." Auch deshalb entschied er sich bewusst gegen Diallos Rückennummer 4. Stattdessen trägt er nun die 19, die mit Elkin Soto ebenfalls einen prominenten 05-Vorgänger hat.

Sechs Millionen Euro Ablöse

Wie schon für Diallo, der 2017 für fünf Millionen Euro aus Monaco kam, griff der FSV auch für Niakhaté tief in die Tasche. Sechs Millionen überwies der Verein an den FC Metz – in der Hoffnung, dass es Niakhaté dem vielseitigen Verteidiger Diallo, der auf Anhieb zur unumstrittenen Stammkraft wurde, gleichtun kann. Ist Mainz also auch für Niakhaté nicht mehr als eine Durchgangsstation? Der Youngster hält sich seine Zukunft offen: "Dieses Jahr bin ich auf jeden Fall hier. Natürlich kann ich mir vorstellen, länger zu bleiben." Die für 05-Verhältnisse hohe Ablöse beschäftigt ihn nicht. "Das ist Sache der Vereine. Ich bin hier, um meine fußballerische Qualität einzubringen."

In Lille einst aussortiert

In der Jugend des OSC Lille spielte Niakhaté lange Jahre mit dem frischgebackenen Weltmeister des VfB Stuttgart, Benjamin Pavard, zusammen. Mit 15 Jahren wurde er nicht mehr in den nächsten Jahrgang übernommen und musste den Umweg über den kleineren Klub ES Wasquehal einschlagen. Seitdem bestritt der 1,90-Meter-Mann 14 Länderspiele für die U19, U20 und U21 seines Landes.

Auch bei seinem neuen Klub ist Niakhaté bei weitem nicht der einzige französischsprachige Spieler. Neben ihm sorgen auch Rückkehrer Gaetan Bussmann, Rekordtransfer Jean Philippe Mateta, der umworbene Jean-Philippe Gbamin und Mittelfeld-Neuzugang Pierre Kunde für Frankreich-Flair. Doch nicht nur aus diesem Grund fühlt sich Niakhaté bestens aufgenommen: "Alle kamen auf mich zu und sind kollegial. Ich habe mehrere Ansprechpartner. Das Team macht mir die Integration sehr einfach."

Die Sprachbarriere ist für ihn ohnehin kein großes Problem: "Englisch hilft bei der Verständigung. Außerdem ist die Sprache des Fußballs universell." Dennoch will Niakhaté schon bald Deutsch lernen, "um mich der Mannschaft anzupassen". Diese Devise wird er von nun an in Mainz verfolgen: sich an die neue Umgebung anpassen und gleichzeitig seinen eigenen Weg gehen.

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