Angreifer Jean-Philippe Mateta vom FSV Mainz 05 (Foto: Imago, Jan Huebner)

Bundesliga | FSV Mainz 05 Hinten Hui, vorne (noch) Pfui

Acht Punkte aus sechs Spielen: Der Bundesliga-Saisonstart des FSV Mainz 05 ist geglückt. Allerdings haben die Rheinhessen seit drei Spielen nicht mehr getroffen und insgesamt erst vier Tore erzielt.

Der FSV Mainz 05 ist Liga-Spitze. Vier Gegentreffer in sechs Partien - kein Klub hat so wenig Tore gefangen. Da kann sogar Bayern München nicht mithalten. Das Problem: Kein Verein - bis auf den Vorletzten Schalke 04 (3) - hat so wenige Treffer erzielt wie die Rheinhessen. Das ist aktuell der Makel der 05er - und dafür gibt es bekannte Gründe.

Die jüngste Mannschaft der Bundesliga

Trainer Sandro Schwarz steht für "Jugend forscht". Er betreut in Mainz das jüngste Team der Liga. Bei der 0:1 Niederlage in Leverkusen hatte seine Startelf ein Durchschnittsalter von 22,8 Jahren. Das junge Spieler auch mal Fehler machen, versteht sich von selbst. In Mainz denkt man aber anders. Hier unterscheidet man nicht zwischen Jung und Alt, sondern zwischen Erfahren und Unerfahren.

Torwart Florian Müller hat zum Beispiel mit seinen 20 Jahren schon eine Menge erlebt. Vergangene Saison von Coach Schwarz ins kalte Wasser geworfen, hat Müller als Torhüter im Abstiegskampf bestehen müssen. In Hamburg hat er in einem vorentscheidenden Spiel einen Elfmeter gehalten. Dann spielte der junge Keeper bei den Siegen gegen Leipzig und in Dortmund stark und sorgte so mit dafür, dass auch diese Partien gewonnen werden konnten und der Klassenverbleib geschafft wurde.

Oder Moussa Niakhatè. Der kam vor der Saison als Ergänzungsspieler vom FC Metz und sollte eigentlich langsam an die Bundesliga herangeführt werden. Da sich Alexander Hack aber verletzte, musste Niakhatè direkt ran und ist seit dem Stammspieler in der Mainzer Innenverteidigung. Jener Abwehr, die aktuell die wenigsten Tore der Liga zugelassen hat.

Warum es vorne hakt

Es liegt an den letzten 25 - 30 Metern vor dem Tor. Das Mainzer Offensiv-Spiel hat gute Passagen. Die Struktur in der Vorwärtsbewegung stimmt. Bis eben in der letzten Zone vor des Gegners Tor. Dann treffen die jungen Mainzer Spieler oft falsche Entscheidungen. Kurzpass oder Flanke? Über den Flügel oder doch durch die Mitte? Das Resultat: Mainz 05 spielt kaum Großchancen heraus.

Die Handlungsschnelligkeit leidet unter den zu langen Abwägungen der Möglichkeiten. Automatismen sind noch nicht verfestigt. Ein Zustand, der Trainer Schwarz aber keine Sorgen bereitet, denn diese Problemstellung ist lösbar, versichert der 05-Coach, der auch nicht mit den acht Punkten aus den ersten sechs Spielen zufrieden ist. Trotzdem warnt er das Umfeld, die Erwartungshaltung in Mainz nicht zu überhöhen. Dieser dann aufkommende Druck sei nicht förderlich für die Entwicklung seiner jungen Mannschaft, so der Trainer.

Warum es gegen Hertha BSC besser werden kann

Die Arbeit gegen den Ball ist aktuell aus Mainzer Sicht "überragend". Dabei laufen die Spieler pro Begegnung im Durchschnitt 115 Kilometer und legen dabei ordentlich viele Tempoläufe hin. Die Sprintwerte von zum Beispiel Ridle Baku im Schalke-Spiel (0:1) lassen des 05-Trainers Augen glänzen.

Nur der Abschluss - daran mangelt es. Das Flügelspiel produziert zu wenige gefährliche Flanken. Rechtsverteidiger Daniel Brosinski fällt auch gegen Berlin (Samstag, 15:30 Uhr) mit Muskelverletzung aus. Ersatzmann Philipp Mwene hat noch nicht das Niveau. Aaron Martin auf der Linksverteidiger Position ist auch kein "Flankengott".

Was aber vor allem fehlt, ist das Tempo. Und zwar in der Umschaltbewegung und aus dem Positionsspiel heraus. Ein Schlüsselspieler hierbei ist Jean-Philipp Gbamin. Agiert der gerade 23 Jahre alt gewordene Mittelfeldmann konzentriert und mit Übersicht als Vorbereiter und als derjenige, der die Angriffe einleitet, dann wird’s für jeden Gegner gefährlich. Wenn Mainz 05 in Person von Gbamin das Tempo in diesen Phasen des Spiels  erhöhen kann und dabei trotzdem genauso wenige Fehler macht wie bisher, einen kühlen Kopf behält und noch zielstrebiger in den Strafraum spielt, dann kann gegen die aktuell starken Berliner durchaus eine Überraschung gelingen.

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