Ausgerechnet bei seinem alten Arbeitgeber Mainz 05 wurde Christian Heidels Rücktritt als Schalke-04-Sportvorstand publik (Foto: Imago, Harry Langer/DeFodi.eu)

Bundesliga | FSV Mainz 05 Heidels Schalke-Ära endet in Mainz

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Mainz 05 zeigt beim 3:0 gegen Schalke eine tolle Leistung, aber alle sprechen über den Rücktritt von Christian Heidel als Schalke-04-Sportvorstand - ausgerechnet in seiner alten Heimat.

Es war ein Bild mit Symbolcharakter: Christian Heidel steht inmitten einer Traube von Journalisten und erklärt seinen Rücktritt als Schalke-Manager. Genau in der Stadt, wo seine erfolgreiche Karriere als Manager von Mainz 05 begann, endet sie vorläufig - wegen Erfolglosigkeit. Ausgerechnet in dem Stadion, das er als Denkmal seines Schaffens in Mainz quasi selbst erbaut hat. Praktisch mit dem Abpfiff hatte Heidel die Eilmeldung von seinem Rücktritt in den Orbit geschossen. Damit waren nicht mehr die Spieler, sondern der Mainzer Ex-Manager Hauptdarsteller nach dem Spiel.

Nun interessiert niemandem mehr, wie Sandro Schwarz es geschafft hat, seine Mannschaft perfekt auf den Gegner einzustellen. Fortan muss Heidel erklären, warum er auf Schalke jetzt kapituliert. Vor zweieinhalb Jahren hatte er Mainz in Richtung Schalke verlassen. Es sollte sein persönlicher Aufstieg sein: vom gefeierten Manager in der rheinhessischen Provinz zum Macher im Fußball-Mekka. Champions League statt permanenter Kampf um den Klassenerhalt. Es war nicht nur sportlich sondern auch finanziell der Wechsel in eine andere Liga. Aber so einfach sind Mainzer Verhältnisse nicht auf Schalker Ansprüche zu übertragen.

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Kritik unter der Gürtellinie

Für Heidel war eine rote Linie überschritten. Die Kritik wurde immer persönlicher. Die Boulevardmedien hatten sich zuletzt auf ihn eingeschossen. Nur einmal in seiner Karriere zuvor ist er aus eigenem Antrieb zurückgetreten. Das war im November 2000. Damals stand er in Mainz in der Kritik. Als sogar sein Sohn von Fangruppen bedroht und angefeindet wurde, zog er die Konsequenzen und trat als Manager von Mainz 05 zurück. Allerdings nur für rund eine Woche. Damals gab es Fan-Demos pro Heidel, ihm schwappte eine Welle der Sympathie entgegen. Danach entschied er sich, weiter zu machen. So wird es diesmal nicht laufen. Sein Standing auf Schalke ist nicht mit dem Status zu vergleichen, den er in Mainz hatte.

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In Mainz gilt er als Vater des Aufstiegs des Klubs aus dem grauen Mittelmaß der 2. Bundesliga bis zur Etablierung in der höchsten Spielklasse. Natürlich dank seiner Entscheidung, Jürgen Klopp zum Trainer zu befördern, aber auch mit einem oft glücklichen Händchen bei Spielertransfers. Bei Einkäufen wie Aristide Bancé, Adam Szalai, Johannes Geis, Shinji Okazaki oder Yoshinori Muto hat er gewaltige Transfererlöse erzielt. Sie übertünchen manchen Flop, den es auch zu seiner Mainzer Zeit schon gab.

Schalke eine Nummer zu groß für Heidel?

Bei Schalke war alles eine Nummer größer. Und die Fallhöhe damit beträchtlich ausgeprägter. Wenn Einkäufe wie Sebastian Rudy für 16 Millionen Euro, Nabil Bantaleb für 20 Millionen Euro oder Breel Embolo für 22,5 Milllionen Euro nicht halten, was man sich von Ihnen versprochen hat, sind das riesige Fehl-Investitionen. Unterm Strich steht für Heidel bei Schalke eine deutlich negative Transferbilanz. Es nur mit Pech zu begründen, wäre wohl nicht angemessen. Aber viele Verpflichtungen unter Heidel hatten auch die Experten, die ihn jetzt dafür tadeln, zuvor noch positiv bewertet.

Heidel kennt natürlich das Geschäft und lamentiert nicht. Er übernimmt die Verantwortung und statt den Vertrag auszusitzen und auf eine Kündigung mit Abfindung zu warten, zieht er selbst die Konsequenz und verzichtet auf ein ganzes Jahresgehalt von rund 1,8 Millionen Euro. Er will den stilvollen, sauberen Abgang, so wie er auf Schalke einen neuen Stil einführen wollte: Mehr Kontinuität, klare Strukturen, ein ruhiges Umfeld. Nun bleibt festzuhalten, dass es auch Christian Heidel nicht gelungen ist, Schalke nachhaltig zu verändern. Königsblau steht wieder für Krise und Drama. Jetzt sind neue Köpfe gefragt, vielleicht auch bald wieder ein neuer Trainer.

Rückkehr nach Mainz ausgeschlossen

Fürs Erste stand Heidel in Mainz ein letztes Mal im Mittelpunkt. Die Pressekonferenz mit Sandro Schwarz und Domenico Tedesco fand fast vor leeren Rängen statt. Alle wollten mit Christian Heidel reden. Nun wird der sich erstmal zurückziehen, Urlaub machen und seine Zukunft planen -vielleicht auch außerhalb des Fußballs. Dass eine Rückkehr zu seinem Ex-Klub Mainz 05 vorerst ausgeschlossen ist, dafür hat er selbst gesorgt: mit seiner nach Jürgen Klopp wohl wichtigsten Personal-Entscheidung, nämlich der Verpflichtung von Rouven Schröder als seinen Nachfolger.

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Und der macht den Job in Mainz so gut, dass für Christian Heidel zumindest auf dem Managerposten aktuell kein Platz frei ist. Heidel hat die Karrieren von Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Rouven Schröder und einigen anderen befördert. Seine eigene ist außerhalb von Mainz nun ins Stocken geraten.

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