Stadionsprecher Klaus Hafner von Mainz 05  steht singend auf dem Rasen und hält einen Fan-Schal hoch (Foto: Imago, Imago)

Fußball | Bundesliga Klaus Hafner - Eine Mainzer Legende geht in den Ruhestand

"Und hiiiiiiier kommt sie" - so präsentiert Klaus Hafner die Mannschaft des FSV Mainz 05 seit 30 Jahren. Der Stadionsprecher ist eine Institution bei den Rheinhessen. Am Samstag ist sein letzter Einsatz.

Mit über 500 Heimspielen als Stadionsprecher von Mainz 05 hat Hafner eine ganze Ära des Vereins miterlebt. Verpasste Aufstiege am Bruchweg und dann der Weg in die Bundesliga. Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, der Umzug in die Arena am Europakreisel. Er ist Kult und Legende, nicht nur im Stadion, auch außerhalb, in der Fastnacht oder beim Mainzer Marathon. Für die Fans ist er die "Stimme von Mainz 05".

"Wie die Jungfrau zum Kind" – Plötzlich Stadionsprecher

Klaus Hafner war zunächst Jugendtrainer beim FSV Mainz 05, sein Sohn spielte dort Fußball, es fehlte ein Trainer. Also machte er den Trainerschein und sprang ein. Plötzlich gab es überall zu tun und Hafner unterstütze bei der Pressearbeit, in der Geschäftsstelle und als Jugendkoordinator.

1989 klingelte dann das Telefon, der damalige Präsident Harald Strutz sagte: "Du machst am Samstag Stadionsprecher". Hafner dachte zunächst an einen Witz, merkte dann aber, dass das ernst gemeint war. "Das war super stressig dann, ich glaube, wir haben gegen Rot-Weiß Oberhausen gespielt. Der Brüller war das nicht, es waren ja nur 900 Leute da, oder so. Aber dann kam mit jedem Spiel mehr Sicherheit und so langsam hat sich meine Philosophie entwickelt."

Die besondere Beziehung zur Haupttribüne

Auf der Haupttribüne des Stadions sind die teureren Plätze. Stimmungstechnisch ein Sorgenkind? Nein, sagt Klaus Hafner mit einem Augenzwinkern. "Das ist meine Lieblingstribüne". Warum?

Die "Hafner-Philosophie"

Für seine Philosophie wurde Hafner 2012 vom DFB für seinen fairen Moderationsstil mit der Fairplay-Medaille ausgezeichnet. Er hat nämlich in Mainz eingeführt, dass die Gästefans ihre Mannschaftsaufstellung im Stadion selbst rufen können - einzigartig in der Bundesliga. "Das geht nur, weil unsere Fans das akzeptieren, also ist diese Medaille auch eine für die Fans von Mainz 05", so Hafner damals.

Der entscheidende Nebensatz

Jede Hafner-Ansage ist nicht einfach nur eine Ansage. "Er hat immer einen Spruch auf Lager. Wenn jemand gesucht wird im Stadion, wird nicht nur die Person ausgerufen, sondern irgendwas ist nochmal im Nebensatz hintendran", so der aktuelle Mainzer Trainer Sandro Schwarz. Zum Beispiel als beim Spiel gegen Gladbach in dieser Saison ein Flitzer auf das Spielfeld rannte. Klaus Hafner kommentierte: Es habe doch noch gar keine rote Karte gegeben, beide Mannschaften seien noch vollständig, also musste auch kein Zuschauer aushelfen. Es sind diese Nebensätze zu jeder scheinbar normalen Ansage, die Klaus Hafner als Mainzer Stadionsprecher ausmachen.

Schwarz hat Klaus Hafner schon als Spieler erlebt, wenn Klaus die Fans anheize, gehe nochmal ein Ruck durch die Mannschaft, das sei unheimlich wichtig: "Klaus ist eine Legende. Er hat ein Gespür in all seinen Jahren entwickelt, wie man die Menschen im Stadion erreicht. Das ist herausragend."

Und jetzt? Anfeuern von der Haupttribüne

Seinen Tagesablauf an Heimspiel-Samstagen wird Klaus Hafner kaum ändern. Von 7 bis 9 Uhr Kaffee trinken, dann einkaufen und dann ins Stadion. Nur dort ist der Platz dann eben nicht mehr unten am Spielfeld-Rand beim Spielertunnel, sondern auf der Haupttribüne. Aber auch von dort aus wird er sicherlich für Stimmung sorgen und seinen Verein leidenschaftlich anfeuern.

Die Stadionsprecher von Mainz 05, Klaus Hafner und Andreas Bockius, sitzen vor dem Spielertunnel (Foto: Imago, Imago)
Stadionsprecher Klaus Hafner und sein Nachfolger Andreas Bockius. Imago Imago
AUTOR/IN
STAND