Bei Mainz 05 waren die fabelhaften "Bruchweg Boys" Lewis Holtby, André Schürrle und Adam Szalai noch guter Dinge (Foto: Imago, imago sportfotodienst)

Bundesliga | FSV Mainz 05 Bruchlandung der Bruchweg-Boys

Johannes Geis versucht den Neustart in der zweiten Liga. Er ist nicht das erste große Mainz-05-Talent, das in der Fremde scheitert. Bestes Beispiel: "Die Bruchweg-Boys" um Schürrle, Holtby und Szalai. Ihre "Tournee" ging nur eine Saison.

Bei Mainz 05 war es DAS Bild in der Saison 2010/2011: Drei junge und hochtalentierte Mainzer Fußball-Profis versammeln sich nach Toren an der Eckfahne und feiern wie eine Rockband. An der Luftgitarre André Schürrle, am fiktiven Schlagzeug Adam Szalai und Lewis Holtby sang ins unsichtbare Mikrofon. Diese drei standen bei Mainz 05 für beste Unterhaltung "Made in Rheinhessen". Offensiv-Fußball gepaart mit Tempo und Toren, alles unter Leitung des jungen Trainers Thomas Tuchel. Der FSV grüßte nach sieben Siegen in Serie und Startrekord von Tabellenplatz eins.

Die "Tore-Boyband" sind das prominenteste aber längst nicht das einzige Beispiel dafür, dass Mainz ein wahres Biotop in Sachen Talententwicklung ist. Jan Kirchhoff wurde aus der eigenen Jugend zu den Profis hochgezogen – schnell war er ein bundesweit gefragtes Talent. Mit 20 Jahren wechselte Johannes Geis für knapp eine Million Euro von Fürth in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. Er galt damals schon als Rohdiamant und bewies seine Klasse in den zwei Jahren bei den 05ern. Das blieb in der Liga nicht unbemerkt.

Nach Mainz ging‘s bergab

Doch während die Profis in Mainz im Fokus standen und dann den gut dotierten Angeboten der Top-Clubs erlagen, ging es danach nicht weiter steil nach oben. Im Gegenteil: Mehr als acht Jahre später sind die drei ehemaligen Höhenflieger ziemlich abgestürzt. Schürrle, immerhin Weltmeister, war bei Borussia Dortmund nicht mehr gefragt und spielt nun wieder in England. Beim Tabellenletzten FC Fulham kämpft er um den Klassenerhalt in der Premier League. Dort gab auch Lewis Holtby ein Gastspiel, ehe er von dort zum Hamburger SV wechselte. Mit den Hanseaten will er nun zurück in die Bundesliga. Adam Szalais Gastspiel bei Schalke 04 endete nach einer Saison. Seitdem versucht der Ungar in Hoffenheim Fuß zu fassen, gilt im Kraichgau aber als Wechselkandidat.

Jan Kirchhoff galt einst beim FSV als Riesentalent, wechselte vom Rhein zum großen FC Bayern München. Vor kurzem hat der 28-Jährige einen Vertrag beim Zweitligisten 1. FC Magdeburg unterschrieben - nachdem er zuletzt arbeitslos war. Zuletzt fand auch der einst hochgelobte Johannes Geis eine neue Anlaufstelle. Von den Mainzern zog es den Mittelfeldspieler für über zehn Millionen Euro zu Schalke 04. Dort wurde er nach gutem Start nach und nach aussortiert. Der 25-jährige setzt auf einen Neustart beim 1. FC Köln.

Mainz als Wohlfühloase

Spielstil, Mannschaftsgefüge oder Umfeld. In Mainz hat es für die Profis einfach besser gepasst. Die hochveranlagten Kicker, hätten sich vielleicht doch noch ein wenig mehr Zeit in Mainz gönnen sollen. Die meisten packte aber dann doch das Wechselfieber. Daraus wurde zu oft eine Wechsel-Odyssee. Finanziell dürfte die sich zwar gelohnt haben – sportlich eher nicht.

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