Fritz Walter (Foto: imago images, imago images / Pressefoto Baumann)

100 Jahre Fritz Walter

Mehr als nur ein Weltmeister: Die FCK-Ikone hat Geburtstag

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Als Kapitän der Weltmeister-Elf schrieb er beim "Wunder von Bern" Sportgeschichte. Fritz Walter wäre am Samstag 100 Jahre alt geworden. Der einzige Ehrenbürger von Rheinland-Pfalz wurde auch außerhalb seines Herzensvereins 1. FC Kaiserslautern für sein Verhalten abseits des Platzes verehrt und zur Identifikationsfigur - bis heute.

"Großer Fußballer, großartiger Mensch"

"Ich habe ihn als großen Fußballer, aber vor allen Dingen als großartigen Menschen in Erinnerung", beschreibt ihn einer, der es wissen muss: Horst Eckel, 88 Jahre alt, ist der letzte lebende Spieler der Weltmeisterelf von 1954. Fritz Walter war sein Trauzeuge und behandelte den zwölf Jahre jüngeren Mitspieler zeitlebens wie einen Sohn. Heute stehen beide in Bronze vor dem Stadion in Kaiserslautern auf dem Betzenberg, mit drei weiteren Weltmeistern von 1954. "Es war immer sehr schön, mit ihm zusammen zu sein", erzählt Eckel.

Gemeinsam spielten Eckel und Walter für die Nationalelf, gemeinsam holten sie den WM-Titel 1954 und wurden von den Fans danach auf Händen getragen. Der Kapitän der legendären Weltmeister-Elf: Fritz Walter. Noch heute treiben diese Töne und Bilder aus Bern vielen Deutschen Tränen in die Augen.

Weil der Spielmacher gerne wie in eben jenem Endspiel von Bern bei Regen auflief, sprach man fortan oft von "Fritz-Walter-Wetter". In Interviews über den WM-Triumph verwies der Ausnahmesportler immer wieder auf Bundestrainer Sepp Herberger - oder seine Mitspieler: Das Erfolgsgeheimnis sei "der zwölfte Mann gewesen: der Chef, der Herberger“ und "unsere wunderbare Kameradschaft". Seine Wegbegleiter stellen bis heute seine Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft vor allem abseits des Platzes heraus - trotz seines Heldenstatus.

31 Jahre beim 1. FC Kaiserslautern

Nach der Überreichung der WM-Trophäe, bei der Walter sich demütig verneigte, stand dem Pfälzer die Welt offen. Doch die lukrativen Angebote von Topklubs aus ganz Europa nahm er nicht an. Walter blieb seinem FCK, für den er 31 Jahre lang auflief und in 384 Spielen insgesamt 327 Tore erzielte sowie zweimal deutscher Meister wurde, immer treu. Für heutige Zeiten kaum vorstellbar war dem Spielmacher die Heimatverbundenheit wichtiger als das große Geld. Diese Haltung machte Walter, der 1940 in die Wehrmacht eingezogen wurde und der seine besten Jahre als Fußballer an den Krieg verlor, in seiner Heimat zum Mythos, zu einer Identifikationsfigur.

Das Stadion auf dem Betzenberg trägt seinen Namen und auch Kaiserslautern ist die Bedeutung des berühmten Sohns längst bewusst. "Fritz Walter ist trotz seiner Erfolge immer auf dem Boden geblieben und hat seiner Heimat wie auch seinem Verein stets die Treue gehalten“, sagt Oberbürgermeister Klaus Weichel. "Das sind Tugenden, die heute nicht mehr selbstverständlich sind und die ich bewundere."

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"Sein Erbe müssen wir pflegen"

Auch heute wird Fritz Walter mit seinen Werten noch bewundert, er ist der einzige Ehrenbürger von Rheinland-Pfalz. Und obwohl die Corona-Pandemie dafür sorgt, dass die Feierlichkeiten rund um den Jubeltag sehr viel kleiner als ursprünglich geplant ausfallen, verneigt sich die Prominenz aus allen gesellschaftlichen Bereichen in diesen Tagen ehrfurchtsvoll vor dem zu Lebzeiten stets bescheiden gebliebenen Jahrhundert-Sportler. Bei den Präsentationen von neuen Büchern oder Filmen über die Fußball-Legende stehen bekannte Wegbegleiter und Verehrer Schlange, um Grußworte loszuwerden. So würdigte Fritz Keller seinen Patenonkel auf ganz besondere Art und Weise. "Er war ein Hero - aber ein bescheidener Hero", sagte der DFB-Präsident in einem eigens produzierten Film des Verbandes: "Ihn als Patenonkel zu haben, war das größte Geschenk, dass man mir zur Geburt machen konnte. Sein Erbe müssen wir pflegen."

Fritz Walter starb am 17. Juni 2002 im Alter von 81 in seinem Haus in Enkenbach-Alsenborn, ein halbes Jahr nach dem Tod seiner Frau Italia. Sein Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof in Kaiserslautern und die Ausstellung über ihn am Betzenberg sind zu einem Ort der Erinnerung geworden - nicht nur für Fans des FCK. Zur Erinnerung an einen großen Fußballer, aber vor allem an einen großartigen Menschen.

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