Jubelnde Spielerinnen des SC Freiburg (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / ZUMAPRESS.com | Tom Seiss)

Fußball | Bundesliga

Teamcheck SC Freiburg: Talente rausbringen und oben mitmischen

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Jona Gebhard

Der SC landete zuletzt im Tabellenmittelfeld. Mit einer starken Österreicherin und der neuen Trainerin Theresa Merk könnte Freiburg in diesem Jahr weiter oben mitmischen.

So lief die letzte Saison: Mal wieder in der Mitte

Siebter, Siebter, Siebter, Sechster: So endeten die vergangenen vier Spielzeiten für den SC. Die Freiburgerinnen belegten in der Bundesliga, in der 12 Teams spielen, stets einen ungefährdeten Mittelfeldplatz, auch in der vergangenen Saison. Mit Hoffenheim, Frankfurt, München und Wolfsburg hatte Freiburg ein schwieriges Auftaktprogramm. Nur gegen Wolfsburg holte der SC einen Punkt. Nach sieben Spieltagen hatte der SC vier Punkte und stand auf auf Platz zehn. Abstiegsangst kam nicht auf, denn über die Winterpause machte es sich der Sport-Club auf dem altbekannten siebten Platz gemütlich. In der Rückrunde verlor Freiburg nur drei Spiele, ließ jedoch bei den torlosen Partien gegen Bremen, Potsdam und Köln zu viele Chancen und Punkte liegen. Am Ende wurde der Sport-Club Sechster.

Das Highlight der Saison war der Umzug ins Dreisamstadion. Die neue Heimspielstätte der SC-Frauen ist die größte in der Bundesliga. Nach Saisonende verließ Trainer Daniel Kraus den SC Freiburg nach drei Jahren als Cheftrainer.

Transfers: Zwei Mal Erfahrung, einmal Talent

Die Mannschaft ist weitestgehend zusammengeblieben, einige auslaufende Verträge wurden verlängert. Der Abgang von Ereleta Memeti nach Hoffenheim schmerzt allerdings. Memeti sammelte in der abgelaufenen Spielzeit neun Scorerpunkte und die Sympathien der Fans. Mit ihr verliert der Sport-Club eine Stammspielerin an die direkte Konkurrenz. Ebenfalls nicht länger Teil des SC-Kaders ist Lina Bürger. Nach einer schweren Knieverletzung fiel sie die komplette vergangene Spielzeit aus und beendet nun ihre Karriere.

Vor Ablauf der zurückliegenden Saison wurde der Transfer von Chiara Bouziane verkündet. "Wenn Chiara spielt, passiert immer etwas, sie ist offensiv nur schwer ausrechenbar", sagt Trainerin Theresa Merk über die schnellen rechte Mittelfeldspielerin, die nun statt beim SC Sand 75 Kilometer südlicher in Freiburg spielt. Mit der Erfahrung von über 100 Bundesligapartien wechselte auch Judith Steinert von der TSG Hoffenheim nach Freiburg. Die Rechtsverteidigerin absolvierte eine starke Vorbereitung und konkurriert mit der eigentlich gesetzten Lisa Karl um den Platz in der Startelf. Der dritte Neuzugang ist Selina Vobian. Mit neun Toren verhalf sie dem MSV Duisburg zum Aufstieg in die Bundesliga, reiste danach mit der deutschen U-20-Auswahl zur WM nach Costa Rica. Die 19-Jährige ist ein weiteres junges Talent im Kader des SC. Sie soll langsam an die Bundesliga herangeführt werden und sich in Ruhe entwickeln können.

Zwar wurde Ereleta Memeti nicht Eins zu Eins ersetzt, dennoch ist der Kader durch die Neuzugänge und einige Spielerinnen, die sich entwickelt haben, stärker als in der Vorsaison.

Die Trainerin: Eine Schwäbin gibt die Richtung vor

Einen Wechsel auf der Trainerbank ist beim SC Freiburg selten. Eine Frau in dieser Position gab es noch nie. Theresa Merk ist die erste Trainerin der SC-Frauen und in der Bundesliga eine von zwei Frauen in diesem Amt.

Seit 2019 hat Merk die Fußball-Lehrer-Lizenz. In Zürich hat sie mit den Grashoppers erfolgreich gearbeitet, erzielte den besten Punkteschnitt, den dort je ein Trainer erreichte und führte das Team in der Liga ins Halb- und im Pokal ins Finale. Mit Freiburg übernimmt die 32-Jährige zum ersten Mal ein Bundesligateam. Die Liga ist ihr nicht fremd: Als Co-Trainerin arbeitete sie in Wolfsburg.

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Von ihrer Mannschaft fordert sie mutigen Fußball. "Wir wollen immer wieder hoch anlaufen und Ballbesitzphasen haben – egal gegen welchen Gegner", betont Theresa Merk. In der elfwöchigen Vorbereitung zeigte sich, dass die gebürtige Ravensburgerin dafür eine 4-3-3-Formation favorisiert. Das Zentrum verteidigen zwei Innenverteidigerinnen und vor ihnen eine zentrale defensive Mittelfeldspielerin. Die Außenverteidigerinnen stehen bei eigenem Ballbesitz hoch und werden von Merk oft die Linie hinuntergeschickt. Ansonsten übernehmen zwei spielstarke Spielerinnen auf der Achterposition das Offensivspiel und setzten die beiden Flügelstürmerinnen und eine echte Neun im Sturmzentrum in Szene. "Ich mag das System, denn es bietet taktisch viel Flexibilität", sagt Merk. Das macht sie sich zunutze und stellt während des Spiels hin und wieder auf eine Doppelspitze um.

Die Formation erinnert an die der DFB-Frauen. Nicht verwunderlich, denn "wenn man viel Fußball schaut, guckt man sich auch mal was bei den Großen ab – und da war bei der deutschen Nationalmannschaft bei der EM das eine oder andere spannende dabei", sagt Merk.

Erwartungen an die neue Saison: Luxusprobleme im Kader

Obwohl keine Engländerin im Kader des SC steht, gibt es zwei Europameisterinnen im Team. Die Polizistinnen Lisa Karl und Janina Minge gewannen mit der deutschen Polizei-Nationalmannschaft im Sommer die European Police Championship. Beim SC ist Janina Minge als Innenverteidigerin vorgesehen. Theresa Merk zieht die gelernte defensive Mittelfeldspielerin eine Reihe nach hinten, um von dort aus das Aufbauspiel zu regeln. Auf einer neuen Position findet sich auch die Kapitänin Hasret Kayikçi wieder. Die beste SC-Torschützin der Vorsaison kommt unter Merk auf einer der beiden Achter-Positionen zum Einsatz und rotiert nur selten in den Sturm. Dort spielt mit Giovanna Hoffmann ein wuchtigerer Spielerinnentyp. Hoffmann, die in den vergangenen Jahren oft von Verletzungen zurückgeworfen wurde, ist als Ziel- und Wandspielerin aktuell im Sturmzentrum gesetzt.

"Die ganze Truppe ist extrem nah beieinander, ich habe ein echtes Luxusproblem", sagt Theresa Merk am Ende der Vorbereitung. "Das Trainingsniveau ist sehr hoch. Viele wittern durch den Trainerwechsel eine neue Chance oder sehen ein Risiko, wenn sie davor gesetzt waren." Diese Chance hat Lisa Kolb genutzt. Die 21-jährige rechte Außenstürmerin konnte aufgrund einer Coronainfektion nicht mit der österreichischen Nationalmannschaft zur EM reisen, absolvierte stattdessen die gesamte Vorbereitung und ragte in den Testspielen heraus. Im Sprint haftet der Ball an ihrem Fuß und im Dribbling findet sie selbst gegen viele Gegnerinnen einen Weg. Unter Ex-Trainer Daniel Kraus wurde sie meistens eingewechselt. In der aktuellen Verfassung ist sie eine Anwärterin für einen Platz in der Startelf. Doch mit Neuzugang Chiara Bouziane hat Lisa Kolb eine starke Konkurrentin auf ihrer Position als rechter Außenstürmerin.

SC-Stürmerin Lisa Kolb (Foto: IMAGO, IMAGO / Sports Press Photo)
Mit Volldampf voraus: Lisa Kolb ist die Gewinnerin der Vorbereitung IMAGO / Sports Press Photo

Der SC gab zuletzt vielen jungen Spielerinnen Zeit, sich zu entwickeln. Nun zahlen sie das Vertrauen zurück: Die wohl talentierteste unter ihnen ist Riola Xhemaili, die mit 19 Jahren Stammspielerin im offensiven Mittelfeld ist. Die Schweizerin fällt durch geniale Ideen und gutes Spielverständnis auf, aber auch durch vergebene Torchancen und harmlose Zweikämpfe. Mia Büchele, 18, zeigte in den Testspielen, dass sie in ihrer Entwicklung weiter voranschreitet. Und die deutsche U20-Nationalspielerin Cora Zicai, 17, deutete an, dass sie viel Potential hat.

Durch den Umzug ans Dreisamstadion und die dazugehörigen Trainingsplätze ist der SC in Sachen Infrastruktur einen großen Schritt nach vorne gegangen und bietet seinen Spielerinnen nun Top-Bedingungen. Sportlich sollte eine ähnliche Entwicklung folgen. "Natürlich wollen wir eine Rolle oben spielen, aber wir setzten es nicht voraus", sagt Theresa Merk. Das Wort Champions League, die mit Platz drei zu erreichen wäre, nimmt in Freiburg niemand in den Mund, auch nicht die neue Trainerin: "Zu unserer Vereins-DNA gehört viel mehr, dass wir Talente fördern und rausbringen wollen."

Freiburg startet mit einer verstärkten Mannschaft, vielen Talenten und einer ambitionierten Trainerin in die neue Saison. Am Ende sollte mehr drin sein als ein Platz im Mittelfeld. Die Top 5 können die Breisgauerinnen erreichen.

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Jona Gebhard

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